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Kämmerer, Christian [Editor]; Lufen, Peter Ferdinand [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 7,1): Landkreis Northeim: Südlicher Teil mit den Städten Hardegsen, Moringen, Northeim und Uslar, den Flecken Bodenfelde und Nörten-Hardenberg, der Gemeinde Katlenburg-Lindau und dem Gemeindefreien Gebiet Solling — Braunschweig, 2002

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.44420#0342
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Delliehausen, Rehbachstraße 7, Wohnwirtschaftsgebäude, 17. Jh.


neugotischen Quaderbau aus Sollinger Sand-
stein fast an gleicher Stelle ersetzt. Für den
Neubau, der 1883 geweiht wurde, lieferte
Baurat Hase aus Hannover die Entwürfe (An
der Kirche). Der bei der Kirche gelegene
Friedhof wurde gleichfalls in den achtziger
Jahren vor das Dorf verlegt.
Unter den älteren Wohnwirtschaftsgebäuden
Bollensens gehört Kirchweg 6 in seiner
ursprünglichen Raumorganisation zu den
Querdielenhäusern des Oberwesergebiets, in
deren Anlage und Gestalt sich niederdeutsche
und mitteldeutsche Hausformen verbinden. Der
zweigeschossige Ständergeschossbau mit
leicht außermittiger Quererschließung (ur-
sprünglich wohl Dieleneinfahrt an der nörd-
lichen Traufseite) wird um 1700 oder in der 1.
Hälfte des 18.Jh. errichtet und in jüngerer Zeit
um einen Wirtschaftsteil nach Westen erweitert
worden sein. Von diesem Haus abgesehen
zeigt sich das Wohnwirtschaftsgebäude im Ort
zumeist in der Gestalt und räumlichen Orga-
nisation eines quer aufgeschlossenen mit-
teldeutschen Einhauses, das in seiner Erschei-
nung im besonderen Maße geprägt ist durch
die sehr große, in die Obergeschosszone des
Hauses eingreifende Einfahrt, die gewöhnlich
zwischen Wohn- und Wirtschaftsbereich
eingeschoben ist. Die im Ort noch relativ zahl-
reich vertretenen Bauernhäuser dieses den
Querdielenhäusern des Oberwesergebietes
verwandten und im Uslarer Raum verbreiteten
Mischtypus stammen alle aus der Zeitspanne
zwischen dem Ende des 18. bis etwa der Mitte
des 19.Jh. Nur die älteren besitzen leichte
Stockwerksvorkragungen über profilierten Bal-
kenköpfen und Füllhölzern, wie sie in der 2.
Hälfte des 18.Jh. üblich waren (Bundesstraße
1/3 und 2). Zu den am besten erhaltenen jün-
geren und vorkragungslosen Häusern gehört
Bundesstraße 21/23 von 1848 mit hoher, zwi-
schen Wohn- und Wirtschaftsbereich einge-
schobener Einfahrt, welcher rückwärtig eine
niedrigere Ausfahrt entspricht. Gleichartig ist
das stattliche Haus Kesselbergstraße 11 von
1854 mit einer mehr seitlich angeordneten
Durchfahrt. Darüber hinaus besitzt der Ort eine
Anzahl von Wohnwirtschaftsgebäuden mit
zumeist gleicher Raumordnung, die zwar in
ihrer äußeren Erscheinung nicht immer un-
gestört erhalten sind, gleichwohl mit ihren
Hauskörpern das im Ganzen ansehnliche
Ortsbild noch stützen (Bundesstraße 8/10 von
1867; Bundesstraße 15/Liethstraße 1 von 1814
bzw. um 1860; Bundesstraße 11, erbaut
18./19.Jh.; Bundesstraße 14 von 1869; 25 von
1867; 31 erbaut 1820 u.a.).
Am nördlichen Ortsrand, dort, wo die Wasser
des Rehbaches und des Malliehagenbaches
die Anlage einer Wassermühle begünstigten,
liegt die Baugruppe der Bollenser Mühle
(Kesselbergstraße 12). Der Mühlenstandort ist
bereits 1587 in einer Aufstellung der
Wassermühlen im Amt Uslar erwähnt. 1762
wurde die Mühle durch Feuer zerstört. Die
damals wieder aufgebaute Anlage dürfte den
Kern der heutigen, nicht unverändert über-
kommenen Mühle bilden. Wenn auch das
Mühlrad und die alten technischen Einrichtun-
gen nicht mehr erhalten sind, so vermittelt die

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