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Kämmerer, Christian [Editor]; Lufen, Peter Ferdinand [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 7,1): Landkreis Northeim: Südlicher Teil mit den Städten Hardegsen, Moringen, Northeim und Uslar, den Flecken Bodenfelde und Nörten-Hardenberg, der Gemeinde Katlenburg-Lindau und dem Gemeindefreien Gebiet Solling — Braunschweig, 2002

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.44420#0349
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die Altarnische an der Ostwand erst im 20.Jh,
(Umbau 1951) ihre apsidiale Form.

Unter den bäuerlichen Anwesen des Dorfes ist
der Vollmeierhof Wallstraße 5 von Interesse.
Sein Haupthaus ist ein quer erschlossenes
Wohnwirtschaftsgebäude (erbaut 1816) in der
typischen Gestalt und räumlichen Organisation,
wie sie die älteren Bauernhäuser im Uslarer
Becken in der Mehrzahl besitzen. Zusammen
mit den benachbarten Wirtschaftsflügeln formt
es eine ansehnliche Vierseithofanlage mit
Fachwerkgebäuden der 1. bis 2. Hälfte des
19.Jh.

USLAR/KAMMERBORN

Von dem Dorf im Tal der Ahle 4 km nordwest-
lich von Uslar haben wir erst seit 1585 sichere
Kunde. Ursprünglich gehörte die kleine Sied-
lung, die 1784 nur 23 Feuerstellen verzeich-
nete, zu den vier Dörfern des alten Amtes
Nienover, das im Zuge der Verwaltungsreform
von 1852 mit dem Amte Uslar vereinigt wurde.
Mit der Gebiets- und Verwaltungsreform von
1974 gelangte Kammerborn als Ortsteil zur
Stadt Uslar. Gegenüber dem Ortsgrundriss, wie
ihn die Karten des 18. und 19.Jh. wiedergeben,
hat sich Kammerborn nur geringfügig fortent-
wickelt und konnte im Wesentlichen seinen his-
torischen Zuschnitt bewahren. Seine Höfe
gruppieren sich in lockerer, auseinandergezo-
gener und regelloser Anordnung an zwei
Strängen des alten Hauptweges, der den
Verlauf der Heerstraße bezeichnet, die dem
Ahletal folgte und von der Weser bei Beverun-
gen her über Uslar ins Leinetal führte
(Sollingstraße, Knickbornstraße, B 242).
Ältestes Haus am Ort und zugleich wohl das
älteste noch erhaltene Bauernhaus des Uslarer
Raumes ist das ehemalige Wohnwirtschafts-
gebäude Sollingstraße 32. Es handelt sich um
ein niederdeutsches Längsdielenhaus in der im
Weserbergland seltenen Gestalt eines Dreistän-
der-Hallenhauses. Das in der Mitte des 16. Jh.
entstandene Haus (dendrochronologisch
datiert um 1552) ist ein zweigeschossiger Fach-
werkbau mit Bruchsteinsockel und durchge-
henden Ständern. An den zweischiffig ange-
legten Kernbau schließt sich auf der linken
Traufseite eine Kübbung an, die als eigen-
ständige Konstruktion gleichzeitig oder wenig
später angefügt sein dürfte. Jüngster Bauteil ist
der stockwerkweise abgezimmerte Wohngie-
belvorbau, der wohl erst im 18.Jh. errichtet
wurde.
Erheblich jüngerer Entstehung sind die übrigen
im Ort erhaltenen Bauernhäuser, darunter
einige, die als Querdielenhäuser gleichfalls den
Einfluss des nahen Oberwesergebiets mit
seinen charakteristischen Hausformen im
Ortsbild anschaulich werden lassen. Häuser
dieser Art, zweigeschossige stockwerkweise
abgezimmerte Fachwerkbauten der Zeit um
1800 mit großen, zwischen Wohn- und
Wirtschaftsbereich eingeschobenen Toreinfahr-
ten, bilden im Bereich um Knickborn- und
Inselstraße gemeinsam mit benachbarten
Hofanlagen eine ortsbildwirksame Baugruppe.


Kammerborn, Sollingstraße 32, ehern. Wohnwirtschaftsgebäude, Mitte 16.Jh.


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