Fliegende Blätter — 3.1846 (Nr. 49-72)

Seite: 169
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reits mehrere Zunftgenossen. Sie sprachen sehr laut und leb-
haft untereinander, und lachten wieder dazwischen, daß man sein !
eigenes Wort kaum verstehen konnte.

Als Joseph eintrat »nd nach Handwerksbrauch den Gast-
wirth und dessen wohlgenährte Ehehälfte als Herrn Pater und
Frau Mutter höflich grüßte, wurde eö plötzlich still im Zim-
mer. Alle sahen sich mit bedeutsamen Blicken an und unter-
drückten nur mit Mühe das Kichern. Die schmucke Kellnerin
war die erste, welche sich sammelte, und mir freundlichem
Nicken an den Tisch tretend, fragte sie den neuen Ankömm-
ling: „Wünscht der Herr Bruder vielleicht einen Schoppen

Weißes?"

„Nein, Jungfer Schwester!" entgegnete Joseph kurz und
mit Nachdruck, indem er freien Blickes die verstummte Gesell- ;
schaft maß, „bring' sie mir eine Kanne vom Braunen." Und
nicht ohne einige Bosheit setzte er hinzu: „Ordinäre Schneider
mit ihrer sitzenden Lebensart mögen meinethalben dünnes Weiß-
bier trinken; ich mache mir von nun a» eine ganz eigene Be-
wegung und kann daher schon etwas Besseres vertragen."

DaS war aber den Andern, die alle Weißbier schöppelten,
zu viel aus einmal, und Einer sagte, indein er sich zum Lachen
zwingen wollte, und doch nur ein süßsaueres Gesicht zu Stande
brachte: „Hört nur den weggejagten Pflastertreter da, wie für-
nehm er's nun gibt!"

„Was Pflastertreter?" fielen gleich mehrere der Uebrigeiz
ein, „ein Lufrrreter will er ja werden!"

Und nun ging ein unbändige« Gelächter los und jeder ließ
seinen Mutterwitz spielen, so gut eS eben gehen wollte.

Auch unser Held war nicht maulfaul; allein zwölf —
und wenn auch nur Schneider — zwölf find ihrer zu viele
gegen Einen. Schoppen gingen, Ka»nen kamen, alle nun mit
Braunem gefüllt. Tie Köpfe wurden heiß und heißer, und
das Zungengefecht immer schärfer und lebendiger, bis es zum

Vnd nun wurde eingekauft, bestellt und unter süßen Gesprächen,
die uns nichts angehen, gemeinschaftlich genäht vom Morgen
bis zum dunkelnden Abend. Da sagte Joseph endlich gute
Nacht, tappte die finstern Treppen hinab, und schritt, ganz ver-
tieft in seine Luft-Studien, der wohlbekannten Thüre derSchnei-
derherberge zu.

In der spärlich beleuchteten Zechstuke, deren Wände und
Decke mit schwarzbraunem Getäfel bekleidet waren, saßen be-

Der Schneider von Ulm.

(Fortsetzung.)

SS

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Der Schneider von Ulm"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Stauber, Carl
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Bierkrug
Schneider
Bier <Motiv>
Schneiderzunft
Karikatur
Gaststätte
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Creditline
Fliegende Blätter, 3.1846, Nr. 70, S. 169 Universitätsbibliothek Heidelberg
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