Fliegende Blätter — 30.1859 (Nr. 705-730)

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Wie man seine Tochter

Der Gcrichtsassessor Müller war kürzlich aus einer kleinen
Provinzialstadt nach der Residenz versetzt worden, ein Glücks-
wechsel, der manchem seiner Amtsgcnossen überaus erwünscht
gekommen wäre und der dennoch unser»! Müller höchst fatal war.

Das Amt eines Gerichtsasscssors hat freilich im Allge-
meinen nicht besonders viel zu bedeuten, allein in der Pro-
vinzialstadt zählt dieselbe Charge zu der haute-volee, die in
der Residenz etwa der stillen Unbeachtung anheim fällt. Der
Herr Gerichtsasscssor gehörte in der Provinz zu den Männern
von Bedeutung, während in der Residenz Niemand überhaupt
nur Notiz von ihm nahm. Die geringe Gehaltsverbesierung
war auch wohl nur eine nominelle, denn die allseitig ver-
thencrtcn Lebensbedürfnisse der großen Stadt verschlangen ver-
hältnißmäßig weit mehr, als die Geldzulage betrug. Darüber
brauchte man blos Madame Müller zu hören, um einen un-

nnter die Haube bringt.

gefähren Begriff der Theuerungsvcrhältnisse einer großen Stadt
zu bekommen.

Das Alles wäre jedoch allenfalls noch zu ertragen ge-
wesen, allein noch ein anderer Umstand lastete drückend auf
dem Mutterherzen. Die Familie Müller zählte nämlich außer
dem uns so eben bekannt gewordenen Elternpaare noch zwei
heirathsfähige Töchter, Mathilde und Ernestine geheißen.
Tildchen und Tincheu waren zwei wirklich hübsche Mädchen
und man wird uns hierin um so eher Glauben schenken, als
wir dieses Urtheil aus eigener Anschauung und nicht etwa >
aus dem für ihre Kinder stets lobesübcrflicßcndcn Munde der
Eltern haben. ' Tildchen war eine schwarzlockigc, dunkeläugige
und imponirende Gestalt, die einer gräflichen Familie keine
Schande gemacht haben würde. Tinchen hingegen war zarter,
ätherischer geformt,' ihre blonden Haare paßten vortrefflich zu
den lieblichen blauen Augen und man konnte sich für das
Bild der Sanftmuth keine bessere Repräsentantin wünschen,
Die Mutter behauptete immer: Tincheu wäre das genaue
Abbild ihrer eigenen Jugend und Papa Müller hingegen meinte:
er habe in seinen jüngeren Jahren genau so feurige Augen
und schwarze Haare gehabt als Tilöchen. Ob diese beiden
letzteren Behauptungen des Eltcrnpaarcs wahr sein mögen,
können wir, obgleich Augenzeugen, dennoch nicht bestätigen, da
Papa Müller jetzt eine Atzel und eine blaue Brille trägt;
die erschreckend wenigen Haare und die entsetzlich vielen Run-
zeln der Mama Müller aber lassen ebenfalls keinen entscheidenden
Vergleich zwischen ihren Zügen und dem lieblichen Gesichtchen
Ernestinens zu.

Die theucrn Micthpreise der Wohnungen in der Rcsivcnz
waren die Veranlassung gewesen, daß die Familie Müller eine
ganz entlegene und höchst einsame Stadtgegend aufsucheu mußte.
Die Wohnung war nett und freundlich, aber die mangelnde


Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Wie man seine Töchter unter die Haube bringt"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Fliegende Blätter
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

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Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Tochter <Motiv>
Verheiratung
Gespräch <Motiv>
Karikatur
Partnerwahl
Elterliche Sorge
Mutter <Motiv>
Vater <Motiv>
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 30.1859, Nr. 714, S. 73
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