Fliegende Blätter — 30.1859 (Nr. 705-730)

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So Du mir, so ich Dir.

(Fortsetzung.)

„Wollen Sie diese Jungfrau, Fanny Sophie Barbara Ehrlich
zu Ihrer ehelichen Gattin wählen, wollen Sic in Freud und Leid,
in Krankheit und Trübsal treu bei ihr ausharren, und ihr hilf-
reich und liebend zur Seite steh'n, in Allem waö das Schicksal
Ihnen auferlegcn möge?"

Wie in einem Traume war cS ihm dabei als ob er schon
nebei, sich das leise flüsternde schüchterne Ja der Braut gehört. Da
faßte ihn der böse Geist — da raunte ihm ein schwarzer Unhold
aus der Unterwelt in'S Ohr: noch sei es möglich die verhaßte
Fessel zu brechen. Vor seinem wirren Blicke hob sich bittend, flehend

die Tochter des Geschäfts und mit heiserer angstgcquältcr Stimme
rief er:

„Nein!"

Nach diesem Augenblicke hatte er ein unbestimmtes
Gefühl, als ob irgend Jemand an seiner Seite ohn-
mächtig würde, als ob zwei jugendliche Stimmen einen
schwachen Schrei auösticßen, und eine alte Dame mit
einem großen Blumenbouquet auf der Mütze ihm die
Augen auSkratzen wolle. Im nächsten Moment aber fand
er sich auf der Straße, flog mehr als er ging eine
schmale Quergasse hinunter, kam gerade auf den Bahnhof,
als der Zug anbraußte und — war gerettet.

Von dem Momente an, wo sich Salomo Schönbein
wie er cö nannte, ermannt hatte, kam auch ein
anderer Geist — ein Geist der finsteren hartnäckigen Ent-
schlossenheit über ihn. Das Schlimmste, was überhaupt
geschehen konnte, war geschehen — der Würfel gefallen
und noch dazu ohne seine eigene Schuld. Weßhalb

hatte der alte Schneidermeister die Trauung so über-
eilt, wenn er nicht Kunde von dem Lottcriegewinnst
des Glücklichen bekommen, nnd jetzt recht gut wußte, daß
seine Tochter deö reichen Eidams nicht mehr würdig
war. Diese Gier nach schnödem Gold hatte er bestraft;
er hatte die Banden abgcschüttelt, die ihn noch an die
unteren Schichten der Gesellschaft gefesselt, und mit kaltem
Blute wollte er fortan seinen Weg verfolgen.

Was jetzt noch kommen konnte und mußte, wußte
er recht gut: herzbrechende Vorwürfe der abgeschütteltcn
Schwiegcrältern, Thräneu und Klagen der verschmähten
Braut — bah, das war noch ein schlimmer Tag, und
dann aber auch Alles glücklich überstanden. Morgen j
früh mit Tagesanbruch zog er aus, und heute — ei zum
Henker, er brauchte ja nur seine Thür zuzuschließen und
Niemanden herein zu lassen, dann hatte er von selber Ruhe.

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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"So Du mir, so ich Dir"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Fliegende Blätter
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Negation
Geistlicher <Motiv>
Ablehnung
Braut <Motiv>
Synkope <Medizin>
Eheschließung
Bräutigam <Motiv>
Karikatur
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 30.1859, Nr. 708, S. 25
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