Fliegende Blätter — 31.1859 (Nr. 731-756)

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Zeit»»gscrpcditioneu angenommen.___

Herrn Graf s Neisetagebuch über Helgoland.

Eine Fahrt auf das Dambfschiff von Hamburg nach Helgo-
land ist von große Schönheit und Reizbarkeit, weil man aus
die eine Seite immer die schönsten Gegenden und Landhau,er
liegen läßt, während man als Abwechslung auf die andre ^ci e
gar nichts sieht. Was der Maler mit das Wort Stasasche
bezeichnet, weil cs die Landschaft hebt.

Man kann sich an diese Naturdarstellung gar '»cht ,att
sehen und geht dieses bis Blankcnäse fort, wo die schone he-
gend sich mit dem WirthShaus beschließt. Nun werden aber
i die Ufer immer fiächer und verschwinden endlich ganz rn ^da
! Wasser, woran man sieht, daß man sich die sogenannte offene
Sec nähert.

Das Dambfschiff ist ein sehr schönes Fahrzeig und Alles
sehr abcditlich, warum wir uns auch ein gute» mihsti e c
stellen thaten. Daß wir aber von die Reise nichts einbußten,
so ließen wir es unS oben hin bringen, was man daS Ler-
decktc nennt und wo es in die Umgebung von die freie Natur
und Seeluft noch einmal so gut schmecken that. Jetzt wm en
auch schon die Wellen immer größer, welches ein recht hlbsches
Gcfihl war, weil man sich da auf daS Schiff auf und nieder
schaukeln konnte. Dieses Schaukeln machten sic aber nun im-
mer ärger, welches wahrscheinlich aus den Kabidähn bestand,
weil der oben auf den sogenannten Rathskalten immer hin un
her lief. Ich sagte ihn dieses, aber er that mich auslachen,
weshalb wir unser Frihstick fortsetzten.

Aber auf einmal fihltc ich einen Stich in den Leib, der
mir über den gansen Ricken lief und wie ich Kohlen anseben
that, da sah ich, daß sich sein Gesicht immer mehr verlängerte
u»d vcrblässertc, warum ich ihn fragte, was ihn fehlte.

„Ach," sagte er, „cs muß was Giftiges in das Wfst.ck
gewesen sein, denn es wird mir auf einmal >0 ibel.

„Oh weh, Kohle," sag ich, > geht es mir auch. Ich

glaube am Ende gar, wir befinden unö auf ein Reiberschiff,
wo sie die Basseschiercr erst vergiften und dann als Sklafen
verkaufen oder ausblinder»."

Nun trat uns der Angstschweis auf die Stirne und es
wurde uns noch iblcr, immer iblcr und zuletzt so ibel, daß es
unanstcndigt wäre, wenn ich dieses hier wörtlich auf das Pa-
pier wiedergcbcn wollte. Jetzt schrieen wir aber Mord und
Feier und riefen nach den Doktor. Die andern Basseschiercr

lachten unö aber aus und erklärten uns, daß dieses kein Gift

nicht sondern blos die sogenannte Scekränklichkeit wäre, welche
allemal mit bei solche VcrgnigungSfahrten sein müßte.

Dieses Alles konnte uns aber nicht beruhigen, weil die
Schmerzen in alle unsere Eingeweihte wihlteu und wir auch
nicht glauben wollten, daß es keine sterblichte Krankheit nicht
ist. Wir waren jetzt auf die sogenannte öffentliche See, aber

wir bekimmerten uns darum nicht, denn wir bereiteten uns

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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Herrn Graf's Reisetagebuch über Helgoland"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Stauber, Carl
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Dampfschiff <Motiv>
Übelkeit
Karikatur
Seekrankheit
Reise <Motiv>
Reisender <Motiv>
Satirische Zeitschrift
Helgoland

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Creditline
Fliegende Blätter, 31.1859, Nr. 739, S. 65 Universitätsbibliothek Heidelberg
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