Fliegende Blätter — 31.1859 (Nr. 731-756)

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„Ick war als junger Student/' erzählt der alte Amt-
wan» Hiller, „ein lockerer Zeisig, der kein Geld verrosten liest.
Wo muthwillige Streiche anegeicbt wurden, da war ich sicher
tabei, weshalb der gestrenge Herr Prorektor es oft für feine Pflicht
hielt, mich zu erbaulichen Betrachtungen über die Einsamkeit
zu veranlassen. Der häufige Aufenthalt i» des Karzers finsteren
Mauern hinderte mich jedoch nicht, der Liebling aller Welt
! zu werden. Jede Thür stand mir offen und wo ich erschien,
i ward mir die freundlichste Aufnahme zu Theil.

Das verhängnißvolle Gedicht.

So war ich auch bei dem Doktor Schnepper einge-
führt worden. Wie überall, so gelang es mir auch hier,
der Familie Zuneigung zu gewinnen. Dr. Schnepper war ein
leidenschaftlicher Verehrer des Schachspiels. Bald hatte er
in mir eine» ebenbürtigen Gegner erkannt und so hatte ich
wenigstens zweimal in der Woche das Vergnügen einen
Abend in seinem Hause zubringen zu dürfen. Das waren
selige Stunden für mich! — Man wird dieses begreifen,
wenn ich hinzufüge, daß der alte Herr zwei liebliche Töchter
hatte, die mir während des Schachspiels gegenüber saßen.

Die jüngere von »ihnen, Dora, war elf Jahre alt,
ein niedliches Kind, welches nur den Fehler hatte, daß es
mich so oft mit naiven Fragen in Verlegenheit setzte. Ihre
Schwester Therese zählte bereits sechzehn Sommer und war
schön wie ein Engel. Es war also sehr natürlich, daß ich
mich sogleich beim ersten Anblick in sie verliebte. Bald
durste ich mir schmeicheln, daß auch ich ihr nicht gleich-
gültig geblieben sei.

Wenn aber zwei Personen erst wissen, . daß sic sich
lieb haben, dann pflegen sie sich dieses Geheimniß auch bald
mitzutheilen. So geschah cs auch hier.

Ich wagte cS eines Abends — der Alte war zn einem
Patienten gerufen worden — einen Kuß ans ihre» Rvscn-
Mund zu drücken. Erröthcnd legte sie ihr Lockenköpschen
an meine Brust. „Bist Du mir böses Therese?" — fragte ich,
sie sanft an mich drückend. Sie antwortete nicht,, aber ihre
Lippen suchten die meimgen und das war die beste Antwort,
die ich mir wünschen konnte. Nun fingen wir an, uns in Liebes- j
schwüren zu überbiete» bis der Alte kam und dem tollen Trei-
ben ein Ende machte. Von dieser Zeit an erhielt ick immer,
wenn es verstohlen geschehe» konnte, einen Kuß von meiner
Geliebte». Das waren selige Tage. In jener Zeit verlangte
man aber mehr von den Männer als jetzt, wo die Mäocken

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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Das verhängnißvolle Gedicht"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
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Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Tochter <Motiv>
Sympathie <Motiv>
Student <Motiv>
Hochschullehrer <Motiv>
Karikatur
Schach
Zimmer <Motiv>
Satirische Zeitschrift
Thema/Bildinhalt (normiert)

Literaturangabe

Rechte am Objekt

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Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
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Fliegende Blätter, 31.1859, Nr. 733, S. 17 Universitätsbibliothek Heidelberg
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