Fliegende Blätter — 72.1880 (Nr. 1797-1822)

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Erscheinen wöchentlich ein Mal. Einzelne Nummer 30 ^.

Der Fortschritt der Nase.

(Schluß.)

der Luft -- ähnlich den Wachtelhunden früherer Jahrhunderte.
Böhmer roch Wildpret und mit solcher Intensität, wie es nur
ein Mann vermag, der die göttliche Lehre des großen Jäger
mit allen ihm 31t Gebote stehenden Organen in vollen Zügen
eingesogen hat. Er blieb stehen und siehe! Der Geruch schien
ihm von Minute zu Minute stärker zu werden. Wer konnte
zweifeln, daß hier in nächster Nähe eine niedrige, gemeine
Seelenregung ans die Riechflächc des Daseins getreten sei?
Böhmer sicherlich nicht; er war seiner Sache gewiß, seine wohl-
geübte Nase zeigte ihm keine Truggestalten. Sollte schon jetzt
der Feind ihn bedienen, vor dem in dunkler Nachtstunde das
Medium der Liebsten ihn gewarnt hatte? Ohne zu zögern
erklomm er den ersten besten Baum, von dessen Wipfel er
einen weiten Luiginsland hatte. Von hier aus konnte er, was
er gerochen, auch mit den Angen wahrnehmen. Ein Mann
mit breitkrämpigem, schwarzem Hute und rother Feder — dem
Attribute aller Bösewichter — eingehüllt in einen dunklen Rad-
mantel, lauerte in der Nähe des Schlosses. Deutlich erkannte
Böhmer, daß er einen Dolch im Gewände und Böses im
Schilde führe.

Jetzt nahte der unheimliche Gast dem Schlafgemache
Böhmers, das im Hochparterre der Villa lag. Freudigen
Herzens dankte Böhmer seinem Spiritus kamiliaris, der ihn so
früh aus den Federn getrieben hatte. Leise erstieg der Fremde
das Fenster und öffnete es mit einem leichten, unhörbaren Druck.

Nun aber wurde Böhmer die Sache zu bunt, und es
schien ihm der günstige Zeitpunkt zum Signale gekommen: ein
gellender Pfiff aus seiner Jägerpfeife scheuchte die Diener auf,
und bald entdeckten dieselben den Eindringling. Diesem aber
kam seine Gewandtheit zu Hilfe; gleich einer Katze sprang er
von dem Fenstersims und enteilte den Verfolgern; nur Mantel

III.

Wem das Herz in Liebe bangt, dem ist der Schlaf kein
guter Freund. Unruhig verbrachte Böhmer den Rest der Nacht;
zeitig des Morgens war er auf den Beinen. Ohne zu wissen,
wie er die Zeit bis zum Geschästsbeginne hinbringen sollte,
schlcnderte er durch sein Wäldchen; aber jene freundliche Stimm-
ung, die ihn sonst in heiterer Morgenstunde überkam, konnte
cr heute nicht finden. Sollte Octavio Capri, den er als seinen
Nebenbuhler bei Leonie kannte, gerade heute Schlimmes gegen
ihn oder gegen die Theuere ersonnen haben!? Nicht das
Rauschen des Waldes, das wie ein Morgengebet durch die
fromme Natur zieht, nicht der Sang der Vögel, nicht das
Plätschern des Baches rührten sein Ohr; sorgenvoll und brütend
wandelte er durch die morgendlich leuchtenden Fluren. Da
plötzlich hob er die Nase empor und schnupperte aufmerksam in


Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Der Fortschritt der Nase"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
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Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Oberländer, Adolf
Entstehungsdatum (normiert)
1879
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Karikatur
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Creditline
Fliegende Blätter, 72.1880, Nr. 1805, S. 65 Universitätsbibliothek Heidelberg
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