Fliegende Blätter — 72.1880 (Nr. 1797-1822)

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Jung und Alt.

Voll süßen Duft's, in Farbenpracht;

Doch gleich nach der durchschwelgten Nacht
War das gcsammte Rosenwunder —

Noch eben allgemein begehrt —

Von mir als welker Plunder
Zum Wegwurfhaufen fortgekehrt.

Nun, Rosen sind vornehmer doch als Ginster -
D'rum nicht so stolz und nicht so finster!
Und merk' dir's fein:

Was ich jetzt bin, wirst du bald sein.

Jetzt aufgestutzt.

Schnell abgenutzt.

Und Niemand denket dann in Dankbarkeit,
Daß du von: Unrath ihn befreit."

Der süchtige Postillon.

Eine Geschichte aus der guten, alten Zeit.

„Sepp!" rief der Posthnltcr von Schobcrsdors, indem er
ein Schreiben in der Hand hielt, seinem Knechte ztl, „Sepp,
richt' die Gaul' schön her und putz' den Wagen sauber —
morgen um zehn Uhr kommt der Fürst Isidor — den darfst
Du fahren!" Wie das den Sepp freute! na, die Ehre, und
noch mehr — das Trinkgeld! Den ganzen Tag putzte er an
den Gäulen, an dem Wagen und an sich selber, das heißt,
an seiner Postillonsmontur, herum. Und wie das Alles des
andern Tages so blank und so sauber war — der Fürst
Isidor mußte ja ein Einsehen haben!

Es war nicht ganz neun Uhr, als zwei Herren in ein-
fachem Anzug aus das Posthaus zuschritten; der Posthalter

Der süchtige Postillon.

stand eben unter der Thür und erkannte sofort den Fürsten.
Dieser aber winkte ihm schon von weitem, sich ruhig zu ver-
halten und sagte, als er nahe gekommen: „Herr Posthalter,
ich will unbekannt bleiben — Niemand darf von meiner An-
kunft wissen! Lassen Sie sofort einspannen!"

„Sepp!" rief der Posthnltcr, und als Sepp kam, sagte
er: „Spann' schnell ein. Du mußt diese Herren da fahren!"

— „Himmelsakra!" ries Sepp und maß die Beiden grimmigen
Blicks: „Jetzt, wo der Fürst kommt — da soll doch gleich .. . !"

— „Mach' nur!" sagte der Posthaltcr und trat mit den Herren

in das Haus, wahrend Sepp ihnen wüthend nachschaute und
zu sich sagte: „Die elenden Schneidersg'sellen soll i' fahren?
Hol' die doch gleich der Teufel lothweis!"

Bald stand Sepp mit einfacher Chaise und in ganz ge-
wöhnlichem Anzug vor dem Posthause; die beiden Fremden
stiegen• ein, und fort ging's. Fiirst Isidor erkannte alsbald,
daß es mit dem edlen Rosselenker nicht richtig war, denn Sepp
brummte in einem fort. „Was hast Du denn?" srug ihn
leutselig der Fürst. — „Ach was!" brummte Sepp, „soll i'
net süchtig sein? Muß i' Enk Zwei da sahr'n" — und dabei
warf er einen gar verächtlichen Blick in die Chaise — „und in
einer Stund' war' der Fürst Isidor gekommen!" — „Ja!"
meinte der Fürst, „hättest Du denn so gern den Fürsten Isidor
gefahren?" — Als wollte er „Dummkopf" sagen, so glotzte
Sepp den Fürsten an, dann sprach er: „Etwa net? Die Ehr'
und dees Trinkgeld! Der Mich! hat mir g'sagt, daß Fürst Isidor
allemal an Ducaten Trinkgeld zahlt, und wenn -er recht

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Jung und Alt" "Der fuchtige Postillon"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
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Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

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Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Nagel, Ludwig von
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Karikatur
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

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Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Creditline
Fliegende Blätter, 72.1880, Nr. 1806, S. 74 Universitätsbibliothek Heidelberg
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