Fliegende Blätter — 72.1880 (Nr. 1797-1822)

Page: 91
DOI issue: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/fb72/0095
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Himmels Segen

und über sannen Hals vor- und rückwärts. Und hot ihn dann
gezwickt an der aanen und hält ihn gedrickt an der andern
Schulter. Und hätt ihn gerissen am linken Ohr und ihm ge-
geben aanen Stoß auf's Rückgrat. Und hätt ihn gegeben
aanen Schlag auf sain Kopf. Und hätt ihn gepreßt an de
Äagen und ihm wait gezogen herab das annc Aug. Und hätt
ihn geschittelt an saine Haar und hätt ihn geblosen dabei
immer an, bis wir haben gesehen Alle, daß der Mansch! sai
drin ganz in der magneturischen Sclavcrci, wann er doch zu-
erst hätt hie und da gekimmert: „Au waih!"

Und wie er ist gewesen ganz drin in der Magnetur und
der Hygnopozie, hat gesägt der Schnowitzka: „Bin ich doch

der graußestc Mann in mainer Brausch und hob so viele
Faind — ist's besonders das verfluchte „journalistische,
^vlk": daß se doch verdienten, zu werden „gefressen" mit
all' ihren „Zeitungen", davon ich hob viel in der Brust-
iasch und in mein „Portefeil". Nu, wie haißt? Hob ich
Lust dazu und wcrd' ich's thun."

Sag' ich Dir, lieber David, kaam hätt gcsächt der
Schnowitzka, daß er möcht fressen anch de Journalisten und
ihre Zeitungen — ist der Mansch! gefahren mit der Hand in
saine Brusttasch, hätt gerissen heraus sein Portefeil und aus
dem Portcfeil saane Papiere — dabei ist gewesen main
Wachse! — hätt zerrissen Alles in Sticker und se geschoben wie

öerriclt in sain Maul und hält je zerbissen und zerarbeit und
hätt se gekaut und geschluckt hinunter! Und hob ich geschrieen
in der Fraid: „Himmels Segen bei Schnowitzka!" Und hätt
der Mansch! in saaner Begier zeletzt noch gefressen das ganze
lederne Porteseil, wenn nicht hätt' gerufen der Schnowitzka:
»Wachen Se aas, Herr Mansch!, Se verderben sich de Zähn'!"
ittu kannst De denken, wie desperat ist geworden der Manscht,
daß er hätt gefressen main Wechsel und hot er wollen
attakircn den Schnowitzka in saaner Dcssprazion.

bei Schnowitzka. 9t

Hätt gerufen der Schnowitzka: „Sag ich Ihnen, Herr
Mansch!, wenn Se mcr nicht bleiben vom Laib, haach ich Se
an nochmal, daß Se werden magnetirt noch mehr, als zevor,
daß Se laufen haim und fressen alle Ihre Staatspapier!" Hätt
geschrieen der Mansch!: „Gotts Laid erbarm', ist's doch wahr,
des aach noch!" Und hätt gerufen zu mir: „Jtzig, sog' ich D'r,
De bezahlst mich Freitag doch, wann ich aach hob' kaanen
Wechsel!" Hob' ich gerufen: „Wann De host kaanen Wechsel,
werd' ich Dich bezahlen Freitag nicht, — wann ich aber hob wieder
Geld, wcrd' ich Dich bezahlen, so wahr ich bin am ehrlicher
Jüd'!" Hätt der Mansch! geschricn: „Nu, wann werste haben
Geld?" „Wie haißt wann? Soll ich sain ä Prophät?" —
Da hätt sich zeraaft de Hoor der Manscht und gcschrien de
'■ Schnowitzka an: „Au waih, hol' Se der Tnifel mit Ihre
Magnetur und Hipnophisterei, Herr Dokter!"

Hätt gerufen der Schnowitzka: „Wären Se gewesen jetzt
nicht unartig mit mir, hätt ich bezahlt Ihnen, weil ich hob
gemacht gute Ainnahm', aanen Theil voraus von mnine Wüchse!,
den Se wohl werden haben gefressen aach, hoff' ich!" —

Hätt gejammert der Manscht dazwischen: „Waih, ist er
wohrlich gewesen aach dabai!" Und hätt gerufen der Schno-
witzka: „Mail Se aber sain gewesen so abscheilich mit mir, werden
Se missen sain so gefällig und warten, bis ist gefällig de Be-
zahlung mir! Hob'n Se gesehen, so kann's gehen, wenn m'r
verlangt per Prolongazion zwa hundert Gülden mehr vor drai!"
Hätt geschrieen der Manscht: „Loß ich m'r gefallen de Be-
leidigung nicht" und hätt wieder wollen attakircn den Schno-
witzka. Hätt 'n aber gefaßt an sein Arm de Schnowitzka,
schnell geblasen an und ihm gegeben aanen Stoß ans de
Brust und hätt'n gezwickt unter der Achsel und hätt gesagt:
„Ich werd' jetzt laufen Ham und mich legen in's Bett!"

Hätt cr's kaam gcsächt,
ist der Manscht gelaufen
fort mitten durch das ganze
Assamblä und ist gelaafen
ham. Hätt der Schnowitzka
gcsächt: „Grauße Assamblä!
Hob ich Ihnen gegeben
aanen Beweis von mainer
Kunst! Will ich Ihnen
machen aan Schlnßmanever,
daß ich laid a a ch Etwas.
Will ich mich hypodnotisircn
selber und thun, was will
irgend Aaner von Ihnen!
Worum.? Wail Se sain
Alle angehaucht von de
Magnetur-Atmosfär! Und
Hot sich gestraift mit der
Hand ibcr den Kopf und
sich gezwickt in de linke
Schulter und gerissen am Ohr und war wahr, daß er ist
worden magneturisch. Unb hob Ich geschrieen: „Möcht ich
machen vor Fraid über so viel Kunst aanen Porzelbnam um

12*

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Himmels Segen bei Schnowitzka"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Oberländer, Adolf
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Karikatur
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Creditline
Fliegende Blätter, 72.1880, Nr. 1808, S. 91 Universitätsbibliothek Heidelberg
loading ...