Fliegende Blätter — 84.1886 (Nr. 2110-2135)

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Erscheinen wöchentlich ein Mal.

Preis des Bandes (26 Nummern) M. 6.70. Bei directem
Bezüge p er Kreuzband: für Deutschland undOcsterreich ^

^ 7.50, für die anderen Länder des Weltpostvereins 8.— kAAAlY • -OO.
Einzelne Nummer 30^.

(Alle Rechte für sämmtliche Artikel und Jllnstrationen Vorbehalten.)

Der kluge Schickele.

Es mögen wohl sechzig Jahre her sein, da wohnte in der
„Juddegaff" — dem Frankfurter „Ghetto" — ein Antiquar,
Meyer Hirsch Gombert, in einem jener altcrthümlichcn Häuser,
deren Stockwerke so eigenartig gebaut sind, das; die Balkenlage
des ersten gegen das Erdgeschoß, und diejenige jedes höher
gelegenen wieder gegen das unter ihm befindliche vorspringt.
Die durch das hohe Alter geschwärzte Eichenholzconstruction
zeigte groteske, aus den Balkenköpfen kunstvoll geschnitzte Phan-
tasiegcbildc und Fratzen. Zur Hausthüre führte eine sieben-
stufige, etwas steile Stcintrcppc, an den Wangen mit reich
verzierten, schmiedeeisernen Geländern versehen. Als Erker wurde

ein kleiner, thurmartiger, fünfeckiger Vorbau benutzt, hinter
dessen, in Blei gefaßten, grünlichen Fensterscheiben dicke Folianten
sichtbar waren, welche theils Einbände von kunstvoll gepreßtem,
braunem Kalbleder, theils einfache Schweinsleder- oder Pcrga-
mentdeckcn zeigten.

Dieses Haus enthielt eine unglaubliche Menge alter Schmöker
und Scharteken; in allen Gelassen erblickte man Folianten,
Handschriften, Rollen, Karten, Atlanten, Globen, Kupferstiche,
alte Zunftbriefe, Adelsbriefe, Stammbäume, Diplome mit an
Schnüren hängenden, in Blechkapseln verwahrten, großen Wachs-
siegeln. Tie großen Regale an den Wänden waren mit Büchern
aller Zeiten, aller Gattungen und der verschiedenartigsten Formen
und Einbünde angefüllt. Neben vielem werthlosen Plunder
waren aber auch große Seltenheiten zu erschauen, wahre Klein-
odien für Kenner und Sammler, Werke sowohl in der Antiqua,
als auch in der Fraktur- und der älteren Mönchsschrift, Rari-
täten der Buchdrnckerkunst aus dem fünfzehnten und sechzehnten
Jahrhundert.

Gombert, dem Besitzer dieser Herrlichkeiten, waren schon
oft unerhörte Summen für einzelne Seltenheiten geboten worden,
aber trotz seines Geizes konnte er sich von einigen seiner Schätze
nicht trennen; die Leidenschaft des Sammlers behielt die Ober-
hand über die Geldgier. Diese Bücher waren sein Stolz, und
es schmeichelte seiner Eitelkeit, wenn, ivic oft geschah, große
Kenner, berühmte Gelehrte zu ihm kamen, um die alten Schmöker
zu bewundern und ihn um deren Besitz zu beneiden. Eines
Tages empfängt Gombert den Besuch des Rabbi Hähnle Hahn.
In dem vorgebauten Erker kauert ein blasser Knabe auf einem
niedrigen Schemel, vertieft in einen Folianten, der auf seinen
Knieen ruht. Er ist so ganz in sich versunken und mit dem
Erfassen der Weisheit beschäftigt, daß für das Erscheinen des
Rabbi weder sein Auge, noch sein Ohr empfänglich ist. Der

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Der kluge Schickele"
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Serientitel Serientitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
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Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Entstehungsdatum
um 1886
Entstehungsdatum (normiert)
1881 - 1891
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Karikatur
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild Digitales Bild
Rechtsstatus
CC BY-SA 4.0 CC BY-SA 4.0
Creditline
Fliegende Blätter, 84.1886, Nr. 2117, S. 57 Universitätsbibliothek Heidelberg
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