Die Wacht im Osten: Feldzeitung der Armee-Abteilung Scheffer — 1916 (Januar - Dezember)

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Di- «acht i« Vfte«

D-r Sahn.

Ektzz« von Z. Iobst.

(Rachdruck oerboten.) (Schluh.)

.stlnd ich lage dir, dah ich mich durchrmgen
werde, bis ich dort stebe, wo ich hingehöre. Vor-
läufig muh ich mich beschekden. Doch ich bin noch
nicht fertig. Da ich der Familie dieses grotze
Opfer bring«, hab« ich doch Anrecht aus Dank."
,,Saae MiihUfe" fiel Grete, die vierzehnjiihrig«

Schwester ein. ,Lch werde-"

„Mir vorläufig mal ganz M zuhören.- Mutter
tritt mir für eine Weile ihre Kommandogewaü ab.
Setzt euch mal um den Tisch, ja auch ihr vier
Kletnen, aus eure Hllfe rechne ich ganz besonders.
Mutter, komm neben mich, und nun hott zu, ohne
mich zu unterbrechen. Zhr kennt Grotzoaters Haus?"

„Die Kathe!" schrien alle Kinder auf, wiihrend
die Mutter sich aufhorchend reckte.

„So habt ihr fie getauft, wir wollen fie jetzt zur

fechen VMa machen. Ruhe!-Es trifft fich

gut, dah dem Mieter, der zugleich PSchter des
Tartenlandes ist, Mutter gekündigt hat, als fi« fich
nicht den Mietpreis drücken lassen woMe. Er ge-
dachte woP, einen billigen Kaufpreis berauszu-
schlagen. Zst nicht, alter Freund! Zn dieser Zeit
hat Mutter Erde Gold im Herzen. Wir ziehen
sofott hinaus, wenn alles in Ordnung gebracht ist,
aber dte Eattenarbett muh gleich beginnen. Wtt
werden dann ein Schwein himen und Hiihner-"

„Und ein« Ziege," fiel die Mutter leuchtenden
Auaes ein, wLhrend die Kleinen in di« Hünde
klatschten.

„Wollt ihr Zm fünf Uhr in der Fttihe aufftehen?"

,Äa," schtten alle mtteinander.
„Uich alle

„ue freie Zett Gatten und Feld opfrrn?"

Aheder jubelnde Zustimmung.

„Und Vater setzen wk in den bequemen Seflel
unter unseren grohen Nuhbaum, dott scheint die
Eonn« so schön. llnter dem sah mein Vater, als
er schwöcher wurde."

Am nächsten Tage aingen begeistette Bttefe an
den kranken Vater ab, nur eins blieb ihm oer-
schwiegen, dah sein geliebter Ltester einfacher Ar-
better geworden war.

Schwer war es doch. Die Last der Verantwortung,
die seiner Zugend oblag, drückte Gerster ost zu
Boden, die ungewohnte Ärbett setzte dem Körper
hatt zu, denn zu Haus gatt es auch noch tüchttg
zupacken. Aber es ging — er hielt durch. Dazu
bie Eorgen um seine Zukunst! Würde er fur
immer das bleiben, was er war? Nicht mal seiner
Schwester vettraute er fich an, den Men Kampf
mtt fich bestand er allein.

llnd dann kam der Tag, als das längst Ee-
fürchtete einttaf. Mttten mr Schwarm ber die
Fabttk verlaflenden Arbetter gehend, kaf er die
Kameraden seiner Klafie, die von einem Ausflug
heimkehtten. Einen Augenblick verzöaette er seinm
Schritt und gedachte fich oor chren Augen zu ver-

stecken. Dann aber packte chn der Etolz, allein
ging rr jetzt, da di« Arbeiter schon wett voraus
waren, dem Unvermeidlichen entgegen. Vielleicht
«ttannten fie chn nicht. Er ahnte ja nicht, doh
^eine Kmneraden einen lange gehegten Wunsch «r-

Lin leises Kommandowott, und die Echüler büde-
ten Spalier, fie standen strainm und, bie MLtzen
hoch Lber den Kops erhoben, liehen fie chrem Ptt-
mus unter lautem Huna chre Rechen pasfieren.
Als letzter sprang sein Feind, der ihm den ersten
Platz m der Klafie nie gegönnt hatte, aus dem
Eked, schüttelte ihm die Hand mtt den Wotten:
„Du bift ein braoer, tapferer Kerl, Gerster, wtt
oermiflen dich sehr. Unser Direx hat uns alles er-
zichlt. llnd dah du es weiht, wir werden später
Sorge klmen, dah du nicht fiir immer Ar-
better bleiost. Wir haben schon unsere Verbin-
dungen."

Wieder ein Kommando, und die Schar zog wetter.
Ahnte diese fttsche Iugend, was fie mtt dieser freu-
digen Huldigung chrem fttcheren Primus gegeben
hatten?

Feuchten Auges blickte Gerster ihnen nach, dann
aber brach em ttefes Leuchten aus chnen hervor»
seche Brust atmete ttef, als könne sie das Ellick
nicht fafien. Dies« Begegnung war ihm das Schicksal
schuldig gewesen. Sem Kops flog in den Nacken —
«r hötte sttner Zukunst stolzes Kügttschla^n.

Ernft «nd Scherz.

Der DreiNang.

Die Starken, die der Tod gefkeckt,

Sie ftarben nicht, fie schlummern nurl
llnd wo ihr Stcmb die Erde deckt.

Erwacht das Land als deutsche Flur.

Wo heut das Auge ErSb« fieht,

Wkd einft des Lebens Drttklang wehn:
Das neue deutsche Heldenlied
Vom Stürmen, Sterben, Auferstehn.

Nudolf Herzog, Kriegegedichte.

Deutsche Rosen

i» sranzSfischen Dlnmengärte«.

Herr Mauttce de Walesfe, Redasteur am Oeuvre,
hat in diesen Tagen einer grotzen Gärtnertt in
Versmlles einen Besuch abgestattet, um sich dott
für einen geplanten Attiktt zum Prttse der stan-
zöfischen Blumenzucht sachkundige Bttehrung zu
holen. Diese wuro« ihm auch reichlich zuleils gleich-
verschafste fie aber seinem vaterländischen
auch eine schmerzliche Enttäuschung. Das
man ohne wetteres, wenn man das nach-
Eespräch lieft, das sich zwischen Herrn
und dem Befitzer der ESrtnerei entspann.
Die bttrübliche llnterhaltung nahm folgenden Ver-
lauf:

„Was halten Sie hier oon diesen zatt filber-
getönten Roftn? Es find .Tausendschött. Sehr
eigenattig ist auch diese blaugetönte Rose, die den
Namen .Vellchenblau' fühtt. Die KSfttgste Schnttt-
pflanze dieser Eruppe aber ist der Leuchtstern." —
„Schon. Zch möchte nun auch einige Zhrer aus
Kreuzungen gezogenen Teerosen bewundern. Wie
heiht beispittswerse aftich hier diefts blahschweftt-
gelbfarbige schöne Exemplar?" — ,T>as ist eme
Iiaiseim Auguste-Vittona'." — „Und die seuerrote
dott drüben?" — „Welche, diefe da? Diese heitzt
,Erütze aus Teplitz'. Eine wunderschöne, trefflich
gezüchtete Spielart, dft sehr begehtt ist." — „Nun
zttgen Eft mtt bitte auch einiae Mohnblumen,
Pttargonien, Hyazinthen." — „Was sagen Si« zu
dittemschwarzgetupsten, karmoifinroten Klatschmohn,
der .WuNtembergill'? Was die Hyazinthen an-
betrifft, so steht die vollgestillte blaye ,Prinz von
Sachsen-WeimaN on der Spitze chrer Schwestern.
Diese Zwergpttargonien mtt den oolftn Scharlach-
bWen geben besonders reiche, bei der Skautzchin-
derei bevorzugte Wttkung. Sft heitzen ,Graf
Zepprlin'. Und nun will ich Zhnen noch einige
Verketer der Phloxfamllft zeigen. Da ist gleich
hier eme Rose mü den lichtweitzen, am Schumde
lllafarbig getupsten Blüten, die den Namen ,Frau
Ükonomierat Buchnett fichrt." — Zetzt tttz mk aber
dft Geduld. „Zum Teuftt," schrie ich, „das ist ja
rin d«ttscher Vlumengarten, den Sie mir da zeigen.
Elauben Sie denn, datz em Franzoft Lust verspüren
sollte, jeden Morgen oie Dustwünsche ttnzuatmen,
dft Sie .Erütze des Admirals Tttpitz' nennen?" —
„Bitte, nicht Tttpitz, Teplitz." — „llnd nun gar
Zhr scharlachroler, mafiiver,Eraf Zeppttm'! Haben
Sie denn noch nie daran gedacht, alle diese Bttimen
umzutaufen? Entdeutschen Sie vor allen Dingen
Zhre Rosen und Pelargonien, wenn Sie Wert
darauf legen, datz man sie kaust. Diese Elenden,
sttbst dft Blumen haben fie germanisiett!" —
„Mein Herr, das ist etn Gedanke, den man in den
Zeitungen wrtter ausführen solüe." — Das hat

A»» drr Ruhestellung.

Trara, kara, der Morgen graut,

Wer weitz, wohin der Ritt heut geht?
Und M ein Retter zum Htmmtt schaut,

Er spttcht sein Morgengebet.

Trara, trara, die Sonne so rot! —

Sie retten und stngen von ftrn —

Vom Morgenrot, vom Rettettod —

Wk lauschen — wk hören's so gern!

Und drüben am dunklen Waldessaum
Da hat fich ein Ktteger ermannt,

Er schüttttt von sich den triiben Traum

Und jubell: Hoch Vaterlund!-

Gest. Waller Faubtt.

denn auch Herr Waleffe getan, ohne fteflich im
blinden Eifer zu bedenken, datz er mtt seinem Not-
schrei der deutschen Eartenbaukunst, die chren Er-
zeugnifien tn dem durch seine Gartenkunst berühm-
ten Jrankreich einen Vorzugsplatz zu erobern wutzt«,
das schmeichtthastest« Zeugnis ausftttlt.

Ouerschlchger.

Manch« einsache Verbeugung ift doppelle Vor-
beugung. -

Die Zigarre iin Kriege.

Bismarck erzähll: „Es war, als unsere Iruppen
in Paris einzogen und «inen Tell der Stadt aus
einig« Tage befttzten. Zch konnte der Versuchung
nicht widerstehen, wenigstens ein Stück mtt hinein-
zuretten. Die Leute am Tore mutzten mich erkannt
baben und blickten mich finster und drohend an,
deionders die Männer.

Jch kannte aber meine Leuft.

So ritt ich auf einen zu, der bttonders trotzig
und verwegen aussah, zog etn« Zigarre heraus
und bat ihii höflich um Feuer. Sogleich gab er
md seine kurze Tonpfeife, und Mar mtt der ver-
bindlichsten Gebärde." ,

Als Bismarck einst während einer Schlacht, es
war bei Königgrätz, mtt Mollke zusammenkaf,
hittt er dem Schlachtendenker ftine Zigarrentasche
hin, in der fich nur noch zwei Stück vorsanden.

Moltke gttff zu und wählle mtt weiftr Vorsicht
die befiere.

„Zch schlotz hftraus," erzShlte Bismarck, ^atz
unsere Ausfichten keineswegs schftcht sein konnten."

Dei der «upernng.

„Was stnd Sie?"

„Prioatdozent!"

„Donnerwetter, Sft haben fich aber stüh ins
Privalleben zuttickgezogen."

Eine a»stnerksa»ee NSchft».

Frau Eeheimrat: „Bnna, warum haben Sie denn
die Kattoffelklötze so fürchterlich grotz gemacht?"

Anna: „Damtt unftr kurzstchtiger gna' Herr
beim Efien ntt daneben sticht!"

Genr)sfe«haster She«a«».

nken jas — haben wohl

„^>->>>, »-„> . . . übermorgen ist der Eeburtstag
meiner Frau, und da kag' ich sett 8 Taae, schon
eine Erbft im Stiestt, damtt ich ihn nicht wieder
oergefie." -

Selbstverrat.

Richter: „ ... Der Angeklagte befketttt, in der
Nacht ruhestörenden Lärm verursacht zu haben!"

Zeuge (Nachtwächter): „Aber i bitt' schön die
^erren — wie hätt' i denn sonft wach werd'n

LSndliche Delehr»»g.

Sepp (zu seinem Sohne, der einen Städter ins
nächste Dorf führen soll):

„Wannst mtt 'n Herrn gehst, da mutzt d' aiif
der linken Sett'n geh'n — g'rad' als wannst an'
Ochfin aufn Martt fiihrst!"

D«r Tierfre»»d-

Student Nimmersatt: „Nein, was so ein Hunds-
vieh geftätzig ist! Zetzt ist es schon dae oiette
Knöcherl, was ich meinem Hektor gebe, und «r hat
noch nicht genug. . . . Kttlner, noch etn Koftlttt!"

Bettler: ^Zch bttt' schön um ein Almosen!"

Rentner Müller: .Luerst mutz ich Zhnen sagen,
dak ich arundsäÄich . .

Betüer: „Zch empfehl' mich! Werm mk einer
Wt ^Wundfttzsn kommt, dann weih ich schon, datz

«»»ttsch.

Der 6jährige Kutt: „Mama, sag« mal, «o bift
du geboren?"

Mama:

Kutt: ..

Mama:

Kutt: ^lnd wo ist denn der Papa geboren?"

Mama: „Jn Leivzig."

Kutt (nachdenllich): „Komisch, wft rvk uns so
gekoffe» haden!" _

Skätsel.

(Auflöstingen in der nächsten Nummer.)

ma: „Zn Hamburg."

t: ,^iü> ich in Bettin — nicht wahr?"

Mtt „P" mutz es aar vittes drücken,

Mtt „T" so manche Kleidung schmücken:

Mtt ,Fl" wächst es in meinem Gatten,'

Ts gibt davon verschieden« Atten. —

Scherzsragen.

Wttche SKLmpfe find die wSrmsten?

Was kann man in einer fteren Tasche immer

noch haben? -

StreichholzrStsel.

10 Skeichhölzer werden nebeneinander auf den
Tisch gttegt. Es sollen S Kreuze daraus entstehen,
doch darf man 2 nur aufeinanderlegen, indem man
2 andere überspringt.

I I I l I I I I I I

123<S67SS10

«»flSf»ug der RSflel i» Rr. »2:

Revamr, Makeft. — Scepter, Respect. — Di«
Kultur, denn sie belecki alles. — Der Eonnabeud.
— 12.
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