Die Wacht im Osten: Feldzeitung der Armee-Abteilung Scheffer — 1916 (Januar - Dezember)

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Feldzeitung der 12. Armee

Rr. 214

Tagesbericht der
Obersten Heeresleitung

Grotzes Hauptquartier, 3V. Juni.

Westlicher Kriegsschauplatz.

Auch gestern «nd im Berlaufe der Racht
schlugen unsere Truppen englische und
französischr Borstöhe an mehreren
Stellen, bei Richebourg durch sofortigen
Segenangriff, zuriiL Die feindlichen Eas-
angriff« werden ergrbnislo» fortgesetzt. Die
staÄe Artillerietätigkeit hielt mit Unter-
brechungen an.

Südöftlich von Tahure «nd beim Eehöst
Maison de Champagne vorgehrnde
franzöfische Abteilungen wurden blutig ab-
gewiesrn.

Linls der Maas wurden an der Höh«
3V4 oon «ns Fortschritte erzielt.

Rechts des Flusies gab es keine Znfan-
terietätigkeit. Die Sesamtzahl der Lei «n-
serem Erfolg oom 23. Zuni und bei Abwehr
der grotzen franzöfischen Eegenangriffe ein-
gebrachten Gefangenen brträgt 7V Offi-
zier«, 32VV Mann.

Hauptmann Bölcke schotz am Abend
des 27. Zuni beim Sehöft Thiaumont
sein neonzehntes Flugzeug ab, Leut-
nant Parschau nördlich »on Peronne am
2S. Zuni sein fünftes. Zn der Segend
»on Boureuille» (Argonnrn) wurde ein
franzöfischer Doppeldecker durch Abwehrfeuer
heruntergeholt.

Lstlicher Kriegsschauplatz.

Abgesehen oon einem für uns günstigen
Sesecht nördlich des Ilsensees (südwestlich
oon Dünaburgj, ist oom nördlichen Tril der
Front nichts Wesentliches zu berichten.

Heer«sgruppe des General» ». Lin-
singen. SLdöstlich »on Linjewka
blieben Segenangriffe der von unseren
Truppen erneut aus ihren Stellungen ge-
«orfenen Ruffen ergebnislos. Es wurden
Lber 1VV Sefangene gemacht, 7 Ma-
schinengewehre erbeutet.

Balkan-Kriegsschauplatz.

Die Lage ist unverändert.

Oberste Heeresleitung.

Lsterreichischer Heeresbericht.

Wien, 30. Juni.

Amtlich wird oerlautbart:

Russischer Kriegsschauplatz.

Nordöstlich vonKirlibaba schlugenunsere
Abteilungen rusfische Angriffe ab. Bei Pistyn,
nordwestlich von Kuty, kam es gestern neuer-
lich zu erbitterten Kämpfen. Jnfolge des

Sonnabend, 1. Anli

Druckes der hier angesetzten überlegenen feind-
lichen Kräfte wurden unsere Truppen in den
Raum westlich und südwestlich von Kolomea
zurückgenommen. Nördlich von Obertyn
brachen mehrere russtsche Reiterangriffe unter
schweren Verlusten in unserem Feuer zusam-
men. Westlich von Eokul am Styr versuchte
der Feind vergebens die tags zuvor von den
deutschen Truppen eroberten Stellungen zurück-
zugewinnen.

ZtaKenischer Kriegsschavplatz.

Die Kämpfe im Wschnitte der Hochfläsche
von Doberdo dauern fort und waren nachts
im Raum von San Martinv besonders
heftig. Unsere Truppen schlugen wieder alle
Angriffe der Italiener ab: nur östlich von
Selz ist die Säuberung eimger Eräben rwch
imEange. DerEörzer Brückenkopfstand
unter starkem Eeschütz- und Minenwerferfeuer.
Versuche der feindlichen Jnfanterie, gegen
unsere Podgora-Stellung oorwärtszu-
kommen, wurden vereitelt.

Ander Kärntner Front scheiterten gegne-
rische Angriffe auf den grotzen und kleinen
Pal, sowie auf den Freikofel. Jm Puster-
tal stehen die Orte Sillian, Jnnichen und Tob-
lach unter dem Feuer weittragender schwerer
Eeschütze. Jm Raume zwischen Brenta und
Etsch hat stch das Bild der Tätigkeit der Ita-
liener nicht geändert: Stärkere und schwächere
Abteilungen griffen an zahlreichen Frontstellep
fruchtlos an. Bei einem solchen Angriffe auf
unsere Borcola-Stellung feuerte die italie-
nische Artillerie krästig in ihre zögernd vor-
gehendenJnfanterielinien. Die gestrigenKämpfe
brachten unseren Truppen 3VV Gefangene,
darunter 5 Offiziere, 7 Maschinen-
gewehre und 400 Gewehre ein.

SLdSstlicher Kriegsschauplatz.

An der unteren Vojusa Vorpostengefechte.
Sonst nichts von Belang.

Der Stellvertreter des Chefs des Eeneralstabes.
v. Höfer.

Türkischer Heeresbericht.

Konstantinopel, 28. Iuni.

Das Hauptquartier teilt mit:

An der Irakfront nichts von Bedeutung.
Nach zwei verzweifelten Angriffen gegen unsere
Stellungen rwrdlich Sermil Lberlietzen die
russtschen Streitkräfte, die keinen Erfolg, doch
ziemlich grotze Verluste hatten, uns am 27.6.
ihre befestigten Stellungen. Östlich Sermil
zogen fie in Richtung auf Kerind, 10 km
südöstlich Sermil, zurück. Unsere Truppen ver-
folgen den Feind.

An der Kaukasusfront kein besonderes
Ereignis.

Am 27.6. nachmittags erschienen 1 Panzer-

1S1«

schiff, 1 Monitor und 2 Torpedoboote und be-
schossen wirkungslos die anatolische KLste der
Dardanellenstrahe. Unsere Batterien er-
widerten das Feuer.

Ein feindlicher Flieger, der aus der Rich-
tung von Mytilene kam, wurde bei Fotscha
durch unser Artilleriefeuer vertrieben. Sonst
nichts zu melden._

Köln, 29. 6. K. Z. aus Berlin: Das Ee-
rücht von Unstimmigkeiten zwischen Deutschland
und Dänemark, weil dieses beschädigten eng-
lischen Schiffen nach der Skagerrakschlacht Zu-
flucht gewährt habe, ist aus der Lust gegriffen.

Hamburg, 28. 6. WTB. Ein Hochsee-
Segelkutter geriet mit dem Netz auf Mine,
die beim Einholen das Fahrzeug sprengte.
2 Schiffer getötet, der Junge, schwer verletzt,
wurde von einem Marinefahrzeug geborgen.

London, 27. 6. Times schreibt: Die
Schlacht bei Verdun habe einen kritischen Stand
angenommen. Die ftanzöfischen Komman-
danten hätten nicht die Absicht, Verdun
zu verlieren, wenn ste es vermeiden können.
Znzwischen sei das Feuer an der englischen
Front so hestig geworden, datz man den Ee-
schützdonner in den südöftlichen Erafschaften
Englands hören könne.

Lugano, 28. 6. Der gut unterrichtete
Pariser Mitarbeiter des Secolo drahtet ver-
blüffend pessimistisch Lber die Lage bei Verdun.
Die deutschen Fortschritte seien bedeutend. Der
Abstand zwischen den Deutschen und der Feftung
sei nur uoch gering. Ohne entschiedenes Ein-
greifen anderer Elemente, besonders der Eng-
länder, zur Ablenkung der deutschen Kräste
müffeVerdun ernstlich gefährdetgenanntwerden.

Kopenhagen, 28. 6. Dagens Nyheter:
Jn Paris folgt man der Entwickelung der
Begebenheiten bei Verdun mtt ungeheurer
Spannung.

Radical schreibt: Man kann jetzt Sturm-
angriffe auf Verdun erwatten, die fich in
nichts von den letzten Stürmen auf Thiau-
mont unterscheiden werden.

Berlin, 29. 6. V. Z. Bei den erbitterten
RLckeroberungsversuchen lietzen die Franzosen
schon im deutschen Flankenfeuer eine ungeheure
Anzahl Toter liegen, bis fie an die deutschen
Hinderniffe gelangten, wo fie einen unüber-
windlichen Eegner fanden. Beim Zuriickfluten
erhielten ste durch das deutsche Sperrfeuer
den Rest. Wohl niemals haben die Franzosen
vor Verdun soviele Männer liegen laffen, wie
in diesem Kampfftück. Die deutschen Stellungen
find nirgends auch nur einen Futz brett zuttick-
genommen.

Paris, 29. 6. Jn einem Versuchslaborato-
ttum für die Landesvetteidigung bei La Plaine
St. Denis entstand eine hestige Explofion, die
das Eebäude zerstötte. 3 Lhemiker erlttten
schwere Brandwunden, 1 starb.
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