Die Wacht im Osten: Feldzeitung der Armee-Abteilung Scheffer — 1916 (Januar - Dezember)

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Feldzeitung der 12. Arnree

Sonntag, 1. Ottober

1918

Nr. 386

Deutscher Heeresbericht.

Amtlich. Eroßes Hauptquartier, 3V. 9. WTB.

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
Wie am vorgehenden Tage griffen die Eng-
länder auch gestern mit starken Kräften zwi-
schen der Ancre und Courcelette an.
Nach wechselvollen Nahkämpfen stnd sie ab-
geschlagen. Sonst nur kleinere Teilvorstötze
und Artilleriekampf, der fich nördlich der Somme
und in einzelnen Abschnitten südlich des Fluffes
nachmittags verschärfte.

Östlicher Kriegsschauplatz.

Front des Eeneralfeldmarschalls Prinzen
Leopold von Bayern. An der Stochod-
front machte eine Kompagnie der polnischen
Legionen einen erfolgreichen Vorstotz bei
Sitowitsche,' südwestlich von Wytonjetz
griffen die Russen vergeblich an. Bei einer
gelungenen llnternehmung in der Eegend von
Hukalowce (nördlich von Sboroff) in der
Nacht zum 29.9. nahmen wir 3 Offiziere,
70 Mann gefangen.

Front des Een. d. Kav. Erzherzog Karl.
Südlich Str.-Klausura (Ludowa-Gebiet)
und am Coman hatten wohloorbereitete Ee-
genangriffe von Truppen des Eeneralleutnants
von Conta vollen Erfolg. Vei Str.-KIau-
zura stnd 4 Offiziere, 532 Mann ge-
fangen genommen und 8 Maschinengewehre
erbeutet. Jm Kirlibaba-Abschnitt wurden
russische Angriffe abgewiesen.

Kriegsschauplatz in Siebeftbürgen. An
der Osffront sind die rumänische Nord- und
2. Armee im Eoergeny-Gebirge, aus der
Linie Parajd-Oderhellen (Szekely—Ud-
varhely) und von Fogaras her zum Angriff
Lbergegangen. Jm Eörgenygebirge wurde der
Feind abgewiesen. Weiter südlich wichen die
Sicherungstruppen aus. Deutsche Truppen
griffen vorwärts des Haarbaches südlich
von Henndorff (Hegen) eine der rumänischen
Kolonnen mit Erfolg an, warfen sie zurück,
nahmen 11 Offiziere, 591 Mann
gefangen und erbeuteten 13 Maschinen-
gewehre. Die am 26. September einge-
leitete Umfassungsschlacht von Hermann-
ftadt (Nagy Szeben) ist gewonnen. Unter
dem Oberbefehl des Eenerals von Falken-
hayn haben deutsche und österreichisch-un-
garische Truppen starke Teile der 1. rumäni-
schen Armee nach hartnäckigen Kämpfen ver-
nichtend geschlagen. Nach schweren blutigen
Berlusten flüchteten die Reste der feindlichen
Truppen in Auflösung in das unwegsame Berg-
land beiderseits des von uns durch kühne Ee-
brrgsmärsche bereits am 26. Sept. früh im
Rllcken des Eegners besetzten Rothen-
thurmpasses. Hier wurden sie von dem
verheerenden Feuer bayerischer

Truppen unter dem Eeneralleutnant Krafft
von Delmensingen empfangen. Der Ent-
lastungsstotz der rumänischen 2. Armee ist zu
spät gekommen. llnsere Truppen kämpsten
mit grötzter Erbitterung, nachdem bekannt
wurde, datz die mit dem Vierverband für die
durch Deutschland bedrohte Kultur kämpfenden,
habgierigen Rumänen wehrlose Verwun-
dete ermordet hatten. Die Zahl der Ee-
fangenen und die zum Teil in dem bergigen
Waldgelände verstreute sehr erhebliche Beute
stehen noch nicht fest. Jm Hötzinger (Hat-
szeger) Eebirge und im Mehadia-Abschnitt
find rumänische Angriffe gescheitert.

Balkan-Kriegsschauplatz.

Keine Ereigniffe von Bedeutuyg. llnsere
Flugzeuggeschwader haben mit Erfolg die
Eisenbahnbrücke von Tschernawoda und feind-
liche Truppenlager angegriffen.

Der Erste Eeneralquartiermeister.

Ludendorff.

Österreichischer Heeresbericht.

Wien, 29. September.

Amtlich wird verlautbart:

Östlicher Kriegsschauplatz.

Front gegen Rumänien. Die Ru-
mänen wurden bei Nagy Szeben
(Hermannstadt) geschlagen. Die Höhen
südlich und südöstlich der Stadt gelangten nach
heftigen Kämpfen in den Besitz der verbündeten
Truppen. Die Schlacht isKnoch nicht abge-
schloffen. Jn den Karpathen wird weiter
gekämpft. Die Lage ist unverändert. Bei der
Armee des Eeneralobersten oon Terschtyan-
schky wurden vorgestern insgesamt 41 rus-
sische Offiziere, über 3000 Mann, 2
Geschütze und 33 Maschinengewehre
eingebracht.

Ztalienischer Kriegsschauplatz.

Auf der Karsthochfläche starkes italienisches
Geschütz- und Minenwerferfeuer gegen unsere
Stellungen und die dahinterliegenden Räume.
An der Fleimstalfront griff der Feind
gestern nachmittag unter dem Schutze dichten
Nebels den Kardinal und die C ima Vusa
Alta an, er wurde abgewiesen. Die Cimone-
spitze steht andauernd unter leichtem und
schwerem Artilleriefeuer, trotzdem hatten die
Rettungsunternehmungen Effolg. Unseren bra-
ven Truppen gelang es unter grotzen Schwierig-
keiten, noch 7 Jtaliener, die vollkommen er-
schöpst waren, auszugraben und zu bergen.

SSdöstlicher Kriegsschauplatz.

Unverändert.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes.
v. Höfer.

Bulgarischer Heeresbericht.

Sofia, 28. September.

Mazedonische Front. DieLage istun-
verändert. Stellenweise schwaches beiderseittges
Artilleriefeuer.

Rumänische Front. Längs derDonau
Ruhe. Bei Orechowo schoffen wir ein feind-
liches Flugzeug ab, es fiel aufs linke Donau-
ufer. Jn derDobrudscha schwaches beider-
seittges Arttlleriefeuer. An der Küste des
Schwarzen Meeres beschoh ein russtscher
Kreuzer Mangalia 1 Stunde 20 Minuten
lang: keine Menschenverluste, Schaden unbe-
deutend. Unsere Flugzeuge haben bei Tuslar
und Tasladschaköj (ungefähr 10 km östlich
von Tuslar) 2 feindliche Torpedobootszerstörer
effolgreich angegttffen.

Sofia, 29. September.

Mazedonische Front. Jm Tale von
Lerin(Flottna) schwaches Arttllettefeuer. Auf
der Höhe oon Kaimaktschalan lebhastes
Eeschützfeuer. Wir wiesen einen schwachen
Angttff des Feindes ab und besetzten durch
Eegenangttff einen Eraben seiner Haupt-
stellung. Jm Moglenitzatale schwaches
Arttllettefeuer und Minenkämpfe. Auf beiden
Seiten des Wardar und auf der Belaj-
schitza-Planina Ruhe. An der Struma-
sront schwaches Arttllettefeuer und Pa-
trouillengefechte. An der Küste desÄgäischen
Meeres unaufhörliches Kreuzen der feind-
lichen Flotte. Längs der Donau Ruhe. Zn
der Dobrudscha schwaches Artillettefeuer.
An der Küste des Schwarzen Meeres be-
schotz ein russisches Kttegsschiff 1 Stunde 20
Minuten lang das Doff Kapladshaköj.
Die Veschießung blieb effolglos.

Türkischer Heeresbericht.

Konstantinopel, 28. September.
Das Hauptquartter teilt mit:

An der Front von Felahije beiderseittges
zunehmend hefttger werdendes Feuer. An der
persischen Front fand auf der Stratze von
Hamadan nach Kaswin ein für uns gün-
stiges Patrouillengefecht statt. Auf dem linken
Flügel wurde ein schwacher feindlicher Angttff
abgeschlagen. ,

Kaukasusfront. Auf'dem linkenFlügel
Zusammenstötze zwischen Erkundungspatrouillen
und zeitweise unterbrochenes Eeschützfeuer. Wir
machten einige Eefangene. Jm Zentrum wiesen
wir durch Eegenangriff einen Überfall ab, den
der Feind, begünsttgt von Nebel und Schnee-
sturm, ausführte. Auf dem linken Flügel be-
setzten wir einen Teil der feindlichen Vorposten-
linie. Von den anderen Fronten sind keine
Ereigniffe von Bedeuttmg zu melden.

Der stelloerttetende Oberbefehlshaber.
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