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Pülz, Andreas; Forstenpointner, Gerhard; Österreichisches Archäologisches Institut [Contr.]
Das sog. Lukasgrab in Ephesos: eine Fallstudie zur Adaption antiker Monumente in byzantinischer Zeit — Forschungen in Ephesos, Band 4,4: Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2010

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https://doi.org/10.11588/diglit.47141#0015
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VORWORT DES GRABUNGSLEITERS UND INSTITUTSDIREKTORS

Die Ruine des Rundbaues auf der Höhe des Sattels zwischen den beiden Stadtbergen von Ephesos wurde
1865 von J. T. Wood entdeckt und als sog. Lukasgrab bekannt gemacht. Wood führte auch die ersten Unter-
suchungen durch, ohne allerdings zu einer näheren Klärung des Monumentes zu kommen. Nach ihm hat erst
R. Heberdey 1908 in einer kurzen Kampagne das Lukasgrab vollständig freigelegt, wodurch er den erhaltenen
Bestand des Unterbaues, nicht aber Funktion und Rekonstruktion des Bauwerkes sichern konnte. Die beiden
deutlich zu trennenden Bauperioden, ein mittelkaiserzeitlicher Rundbau und die sekundär eingebaute früh-
byzantinische Kirche, haben dem Monument seither großes Interesse gesichert, wobei allerdings mangels
folgender moderner archäologischer Untersuchung des Bestandes die im 20. Jahrhundert vertretenen theo-
retischen Interpretationen nie über den Charakter von Lehrmeinungen hinauswachsen konnten.
Eine möglichst umfassende archäologische Neubearbeitung des Monuments war deshalb ein langes Desi-
derat der Ephesos-Forschung, welches schließlich A. Pülz übertragen wurde. Den kontinuierlich organisierten
fünf Forschungskampagnen in den Jahren von 1997 bis 2001 folgte im Jahr 2004 eine weitere feldarchäolo-
gische Untersuchung südlich und westlich des Rundbaues, die sich auf Anregung von V. M. Strocka mit den
umgebenden Hallen beschäftigte, um die Einbindung des römischen Rundbaues in sein urbanistisches Umfeld
klären zu können.
Als gültiges Resultat der Feldforschung, die zu den zentralen Fragen des Bauwerkes wesentliche Klärun-
gen erbracht haben, liegen mit dieser Publikation nun eine exakte Dokumentation des architektonischen
Bestandes und eine detaillierte Beschreibung des stratigraphischen Befundes der archäologischen Sondagen
vor. Damit war es möglich, nicht nur die Rekonstruktion des römischen Rundbaues als hypäthralen Monop-
teros mit offener Fontaine im Zentrum des Säulenrings zu sichern, darüber hinaus konnte die rechteckige
Platzanlage, die an mindestens drei Seiten von Portiken umgeben war, als Maceilum interpretiert werden. Die
Anlage ist eines der nicht allzu seltenen Beispiele für die Verbindung höchst praktischer Nutzbarkeit zen-
traler Einrichtungen der städtischen Nah Versorgung mit aufwändiger Gestaltung der öffentlichen Architektur,
die oft als Stiftungen errichtet wurden.
Die Einbindung des gesamten Baukörpers in das römische Straßenraster kann darüber hinaus als wichtiger
Beitrag zur topographischen Entwicklung der Oberstadt von Ephesos bezeichnet werden. Weiterführenden
allgemeinen Überlegungen zur kaiserzeitlichen Urbanistik und insbesondere zur frühbyzantinischen Verände-
rung der städtischen Struktur von Ephesos ist ein eigenes Kapitel gewidmet, in welchem der Autor neue und
interessante Interpretationsansätze zur Diskussion stellt.
Da aus den alten Grabungen keinerlei archäologische Daten zum byzantinischen Monument zur Verfügung
stehen und neue Grabungsergebnisse zum Umbau nur im inneren Bereich der Unterkirche möglich waren,
beruht die vorgeschlagene Datierung in das zweite Viertel des 5. Jahrhunderts n. Chr. eher auf allgemeinen
Überlegungen. Die weiteren Umbauten an der Kirche sind klar erkannt und ausführlich beschrieben. Der
Eingangspfeiler im Süden mit der bekannten Darstellung des Buckelochsen gehört zum antiken Bestand und
wurde offensichtlich bewusst in die christliche Gestaltung des Einganges einbezogen. Hinsichtlich der Dedi-
kation der ersten Kirche scheint damit tatsächlich Lukas an Wahrscheinlichkeit zu gewinnen.
Der vom Autor zusammengestellte Steinkatalog aller dem Bauwerk zuweisbarer Fragmente ist für die
Fragen der Rekonstruktion von entscheidender Bedeutung.
Dieser Teil der Publikation hat der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien im
WS 2008/09 als Habilitationsschrift vorgelegen.
Die Auswertung der Keramik und die Vorlage der Inschriften und Münzen, sowie der archäozoologischen
und anthropologischen Befunde erfolgten durch die ausgewiesenen Spezialisten des ephesischen Teams, die
mit ihren Beiträgen die komplexe wissenschaftliche Aussage der Arbeit in entscheidender Weise ergänzen.
So darf die vorliegende Publikation als gelungenes Beispiel einer mehrfachen und gediegenen Zusammen-
arbeit gelten, die sich nicht nur auf die einzelnen Autoren bezieht, sondern auch die Verbindung zwischen
 
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