Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Pülz, Andreas; Forstenpointner, Gerhard; Österreichisches Archäologisches Institut [Contr.]
Das sog. Lukasgrab in Ephesos: eine Fallstudie zur Adaption antiker Monumente in byzantinischer Zeit — Forschungen in Ephesos, Band 4,4: Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2010

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.47141#0044
License: Creative Commons - Attribution - NoDerivatives
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
2

Das sog. Lukasgrab in Ephesos

Apokalypse und an die Vision des Ezechiel5 (Symbol des Evangelisten Lukas) eine Deutung als Grab des
Evangelisten vor6. Dieser soll ursprünglich außerhalb der Stadt begraben gewesen, jedoch gegen Ende des
3. oder zu Beginn des 4. Jahrhunderts in dieses neu errichtete, also nicht christlich adaptierte Gebäude, umge-
bettet worden sein. Aufgrund der partiellen Untersuchungen rekonstruierte Wood schließlich das Denkmal als
einen Rundbau von 50 Fuß Durchmesser mit 16 Säulen (bekrönt von ionischen Kapitellen). Auf diesen lag
eine mit Girlanden geschmückte Architrav-Frieszone. Innerhalb der Säulenstellung vermutete der Ausgräber
eine von hohen Fenstern durchbrochene Cella, die von einem Kuppeldach bekrönt wurde (Taf. 5, 2). Das
Gebäude stand nach Auffassung Woods innerhalb einer 153 Fuß großen quadratischen Quadriportikus, die
einen mit Marmor gepflasterten Hof umschloss. Zahlreiche im Umkreis des Monumentes nachgewiesene
Grablegen wurden hierbei als Bestattungen ad sanctos interpretiert.
Eine Dokumentation der archäologischen Aktivitäten von 1865 ist dem Verf. nicht zugänglich gewesen7.
Dennoch sind die Ergebnisse der Grabungen aufgrund des von Wood publizierten Tagebuchs8 in ihren Eck-
daten nachvollziehbar. Eine Aufnahme (Taf. 6, 2) von A. Svoboda9 gibt den Zustand des Monumentes im
Jahre 1869 wieder, auf dem der Südeingang in die Unterkirche zu sehen ist. Deutlich zu erkennen ist, dass
der südliche Kreissektor damals noch von einem Schuttkegel bedeckt gewesen ist. Der idealisierte Grundriss
von Wood (Taf. 5, 1) deutet daraufhin, dass der Innenbereich des Podiums (i. e. das Kammersystem, die
Rundmauer etc.) sowie die angesetzten Räumlichkeiten im Westen und Osten nur teilweise bzw. gar nicht
freigelegt worden sind. Dementsprechend sind auch auf dem von G. Weber 1891 publizierten Grundriss
(Taf. 5, 3) weder der nördliche Eingang in die Unterkirche noch die Gestaltung des Apsisinneren verzeichnet.
Aber auch der Umriss des Raumes A war noch nicht klar, weshalb sich eine zum Korridor hin offene Kammer
strichliert angegeben findet. Die heutigen Standorte der beiden den Südeingang flankierenden Pilaster schei-
nen im Übrigen nicht mit den Auffindungsstellen überein zu stimmen, da beide Werkstücke sowohl auf der
Aufnahme aus dem Jahr 1869 als auch auf dem Plan bei Weber deutlich näher an die Türgewände gerückt
gewesen sind. Auch eine etwa zeitgleiche Photographie von Rubellin bestätigt diesen Befund10.
Das Denkmal war allerdings bereits vor Wood zumindest in seinen Umrissen bekannt, findet sich doch
schon auf einem Stadtplan von E. Falkener aus dem Jahr 1845 (Taf. 2, 1) ein Rundbau samt Quadriportikus
verzeichnet. Zudem wird explizit von »... a small monopteral building enclosed in a square peribolus ...«
gesprochen". Nähere Informationen sind jedoch nicht vermerkt. In diesem Zusammenhang sei auf ein in-
teressantes Detail hingewiesen: Bereits im Jahre 1834 führte der britische Geistliche F.-V.-J. Arundell12
ebenso wie einige Jahre später Falkener13 eine Kirche des heiligen Lukas in Ephesos an, wobei jedoch eine
Gleichsetzung mit einem der damals bereits bekannten Denkmäler nicht erfolgte. Anzuführen ist auch, dass
in der Beschreibung der Stadt Ephesos durch R. Chandler14 im Jahre 1764 am Sattel zwischen den beiden
Stadtbergen eine Kirche sowie ein »stone carved with a Greek cross« erwähnt werden, wobei aber unklar

5 Apk 4, l-l 1 und Ez 1, 1-28. Vgl. hierzu auch die Zuordnung Lukas-Stier in der altkirchlichen Literatur, so etwa bei Iren. adv.
haer. 3, 11,8 (SC 211, 160-170); Hipp., Daniel 4, 1 (GCS 1897, 180-183). Die Zuweisung der vier Wesen an die Evangelisten
schwankt anfangs, letztendlich setzt sich aber jene des Hieronymus, Greg. I (Hom I in Ez4,l [PL 76, 815]) durch: Mensch-Matthäus,
Löwe-Markus, Stier-Lukas, Adler-Johannes.
6 Wood 1975, 58: »... I had found the tomb of St. Luke, or at least his shrine ... and doubtless the Christians had the power of
removing the remains of St. Luke from outside the city, where he would have been buried in the first instance, and according him
the honour of burial within the city.«
7 Auch in den Beständen des British Museums/London konnte keine Dokumentation ausfindig gemacht werden. Allerdings findet
sich in der ebendort verwahrten Korrespondenz Woods zumindest eine Erwähnung des Lukasgrabes (Brief vom 23. März
1866).
8 s. Wood 1975, 56-59.
9 Die Aufnahme stammt aus den Bildbeständen des DAI/Istanbul, dem für die Erteilung der Reproduktionserlaubnis an dieser
Stelle gedankt sei.
10 Diese Aufnahme befindet sich in der Blatchford Collection in der Jafet Library der American University of Beirut (http://almashriq.
hiof.no/ddc/projects/jafet/blatchford/html/090.html).
11 Falkener 1862, 112.
12 Arundell 1834, 255: »There was a church of St. Luke at Ephesos ...«.
13 Falkener 1862, 87 und 112: »Besides the Church of St. John, there were three others at Ephesus, - those of St. Luke, St. Paul,
and St. Mark.« Vgl. hierzu auch Smith 1694, 48, der eine Markus- und eine Pauluskirche erwähnt.
14 Chandler 1817, 139.
 
Annotationen