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Friederichs, Karl
Berlins antike Bildwerke (Band 2): Geräthe und Broncen im Alten Museum — Düsseldorf, 1871

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https://doi.org/10.11588/diglit.815#0011
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Α. Die Oerätiie.

Einleitung.

I. Der künstlerische Charakter der antiken
Metall-Geräthe.

Die Sitte, das zum Leben Nothwendige mit Ammutii zu
zieren,, ist so alt wie die Menschheit. Wir kennen kein Volk,
dem die Kunst in der elementaren Bedeutung als Verzierung
des praktisch Nutzlichen fehlte, und die historische Betrach-
tung vermag in den früheren Perioden der Geschichte nirgends
eine Zeit oder ein Volk oder auch nur die Berechtigung zur
Annahme eines solchen zu entdecken, das in seiner Thätigkeit
ausschliesslich den Gesichtspunkt des bloss Nützlichen ver-
folgt hätte. In Zeiten einseitiger, abstracter Verstandesbildung
freilich, in materialistisch gesinnter Denkungsweise, da löst
sich das Band zwischen Nutzen und Schönheit und der Nutzen
tritt mit roher Prätension unverbaut hervor, etwa wie in den
Fabrikgebäuden in Manchester, grossen Kasten von Stein
mit ausgesparten Löchern, die auf Schinkel einen so höchst
unheimlichen Eindruck machten *). Aber wenn wir in die
frühere Geschichte der Menschheit blicken, wo die Poesie des
Mythus erwachsen, wo die Sprache in reicherer Fülle der
Formen dahinrauscht, wo kindliche Anschauung und Phantasie
herrschen, da kann nicht getrennt werden, was auch in der
Natur nicht getrennt ist, Zweck und Schönheit. Dem kind-

x) \rgl. Scbinkel's Nathlass von Wolzogen HI. p. 114.
Friederich^ Berlin's Antike Bildwerke II. 1
 
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