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Friederichs, Karl
Berlins antike Bildwerke (Band 2): Geräthe und Broncen im Alten Museum — Düsseldorf, 1871

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https://doi.org/10.11588/diglit.815#0303
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T. Theile von Gerätken, Henkel, Griffe,
Beschlag nnd Aelmliches.

1) Henkel von Gefässen.

In allen Museen befinden sich viele Henkel ohne die zu-
gehörigen Gefässe. Der Grund ist dieser, dass der dünn ge-
triebene Bauch der Gefässe der Zerstörung nicht so widerstand,
wie die dicken, gegossenen Henkel. Vom Hals der "Vase hat
sich manchmal ein Stück am Henkel erhalten, weil der Hals
dicker zu sein pflegt, als der Bauch.

Hinsichtlich der tektonischen Principien, die bei der Bil-
dung des Henkels maassgebend waren, begnügen wir uns hier
mit wenigen Bemerkungen. Besonders beachtenswerth scheint
uns, dass die höchste Ausladung des Henkels der Regel nach
nicht über die höchste Ausladung des Bauches hinausgeht. Der
Henkel sitzt gewöhnlich so am Gefäss, dass seine Ausladung
in einer Einziehung des Gefässes beginnt, folglich in derselben
Grenze mit der Ausladung des Bauches bleibt. Und eben darin
liegt eine Hauptschönheit antiker Geräthe. Der Henkel steht
nicht ab vom Gefäss, er isolirt sich nicht, sondern bleibt in
dem Zusammenhang des Ganzen. Zu den schönsten antiken
Henkeln gehören die Henkel der Weinkannen, die auf der
Ausbauchung des Gefässes aufsetzen und dann schmal und
hoch, immer in der Grenze des Gefässprofils bleibend, in sanft
geschwungener Linie aufsteigen.

Dass die Form der Henkel nach dem Zweck der betreffenden
Gefässe variirt, ist ohne Weiteres klar. Man erkennt sofort
aus der Form der Henkel, ob es bei dem Gebrauch des Ge-
fässes wesentlich aufs Heben oder aufs Ausgiessen u. s. w. ab-
 
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