Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern [Editor]; Württembergischer Altertumsverein [Editor]; Württembergischer Anthropologischer Verein [Editor]; Württembergischer Geschichts- und Altertumsverein [Editor]
Fundberichte aus Schwaben — 1.1893

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See erwähnt werden, welche jedoch bis jetzt nur Gegenstände der
neueren Steinzeit lieferte.

Der Kupferdepotfund von Schussenried ist von besonderem
wissenschaftlichem Wert, denn er ist der erste unvermischte Fund
dieser Art. Kein anderer Gegenstand lag dabei, weder ein solcher
von Stein noch von Bronze u. s. w. Er ist aber auch deshalb von
grossem Interesse, weil alle Gegenstände desselben Formen besitzen,
die von der Mehrzahl der in Europa gefundenen Kupfergeräte voll-
ständig abweichen. Diese bestehen nämlich fast ausnahmslos nur
in Flachbeilen, öfter auch in Dolchen oder Pfriemen, und zwar die
beiden ersteren häufig in ganz rohen, den Steinartefakten nach-
gebildeten Formen9. Der Schussenrieder Fund dagegen enthält
keinerlei Werkzeuge oder Waffen, sondern nur Schmucksachen:
Spiralscheiben und Cylinderspiralen von Draht10, sowie Tutuli11 von
dünnem Kupferblech, alle von sehr entwickelter Technik.

Erwägt man nun, dass derartiger Drahtschmuck
charakteristisch ist für die Bronzezeit, und dass ganz
nahe bei dem Kupferdepotfund und dem grossen Kupfer-
ringe auch einige Bronzen und mehrere Bronzezeit-
scherben gefunden wurden, so ist es ganz zweifellos,
dass auch ersterer, obwohl er nur Kupferobj ekte ent-
hält, aus der Bronzezeit und zwar der jüngeren stammt.
Aus dem nahen Beisammenliegen der in der „Lissen“ gefundenen
Objekte und ihrer Gleichalterigkeit entsteht aber von selbst die An-
nahme, dass sie alle — auch der Kupferdepotfund — ein und der-
selben Niederlassung (Pfahlbaute?) der Bronzezeit angehören.

Vermutlich erfolgte die Anfertigung dieser Kupfer gegen-
stände der Bronzeperiode in einer Zeit, in welcher, wie dies
öfter der Fall gewesen sein mag, die Zufuhr von Zinn zur Anfertigung
von Bronzen durch Kriegszüge oder andere Umstände unterbrochen
und man genötigt war, sich des reinen Kupfers zu bedienen. Viel-
leicht tauchte auch während der Bronzezeit da und dort der Ge-
schmack auf, sich mit Geräten aus dem rotglänzenden Metall zu
schmücken. Unwahrscheinlich aber dürfte die Annahme sein, dass
die Gegenstände des Depotfundes aus solchem Kupfer bestehen, das
durch wiederholtes Umschmelzen alter Bronzen entstanden sei, welche
hierdurch ihren Zinngehalt verloren hätten. Dies kann insofern nicht
der Fall sein, als auch trotz eines solchen Prozesses das Zinn sich
nicht ganz verflüchtigt. Ausserdem hat aber auch die exakte
chemische Analyse keine Spur von Zinn ergeben.

Aus den vorangegangenen Untersuchungen ergiebt sich ferner,
dass der Begriff von Kupferzeit für Mitteleuropa (aus-
schliesslich Ungarn) auf die primitiveren Kupferobj ekte zu
beschränken ist, welche dem Ende der jüngeren Steinzeit, sowie
teilweise der ältesten Bronzezeit angehören und in einfachsten Beilen,
Meissein, Dolchen u. s. w. bestehen. Diese Annahme dürfte um so
weniger Zweifeln begegnen, als der eigentliche Gebrauch kupferner
Gegenstände aufgehört hat, sobald die Vorteile der Bronze bekannt
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