Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern [Editor]; Württembergischer Altertumsverein [Editor]; Württembergischer Anthropologischer Verein [Editor]; Württembergischer Geschichts- und Altertumsverein [Editor]
Fundberichte aus Schwaben — 1.1893

Page: 60
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Weiter kamen einige nicht gut erhaltene eiserne Beschlägteile
zum Vorschein, welche keine Zeichnung bezw. Tauschierung auf-
weisen. Die Tiefe dieses Grabes betrug 60 cm. Weitere Nach-
forschungen, die ich in gleicher Linie anstellen liess, ergaben ein
weibliches Skelett, das aber nichts bei sich führte. Zwischen diesem
Skelett, das ebenfalls 60 cm tief lag, und dem LoßCH’schen Hause
fand man einen mit Bein beschlagenen Griff eines Messers,
dessen obere Einfassung aus Bronze ist. Bemerkenswert sind bei
diesem Friedhof die zierlichen Bronzebeschläge, ebenso die ungewöhn-
lich tauschierte Riemenzunge, ferner die merkwürdig schmalen Eisen-
beschlägteile, wie auch noch zu erwähnen ist, dass von letzteren
2 Schnallen zu einem Gürtel gehörten, was auch in dem andern
Kriegergrab mit dem Bronzeschnällchen der Fall ist. Die ehemaligen
Besitzer dieser interessanten Sachen müssen, nach den aufgefundenen
Knochen zu urteilen, sehr grosse und starke Leute, gewesen sein.
Auffallend ist, dass so wenig bewaffnete Krieger hier angetroffen
wurden.

M i s c e 1 i e ii.

Trepanierplatte von Mist lau bei Kirchberg a. d. Jagst. Vom Histori-
schen Verein in Hall wurde eine kleine Schädelplatte zur Untersuchung eingeschickt,
welche von einem dortigen Händler zusammen mit 2 Bronzeringen, 2 Backzähnen
vom Menschen und einem Regenbogenschüsselchen gekauft worden war. Alle diese
Stücke stammen nach Angabe des Händlers von Mistlau a. d. Jagst und sollen
dort von einem Bauern ausgegraben worden sein. Die unregelmässig abgerundete
Knochenplatte hat einen Durchmesser von 40 mm und weist 3 sauber gearbeitete
Durchbohrungen von je 5 mm Weite auf, welche so angebracht sind, dass sie den
Ecken eines gleichseitigen Dreieckes entsprechen würden. Die Knochenplatte ist
aus dem Parietale eines menschlichen Schädels herausgesclmitten, wie aus dem
Verlauf der rückseitigen Gefässeindrüeke bestimmt werden konnte. Allem An-
scheine nach ist das Herausschneiden durch Trepanation erfolgt und zwar dürften
wohl die 3 Löcher den Ansatzstellen des Spornes der Trepane entsprechen. Ist
der Fundbericht über dieses Stück richtig, so hätten wir es mit dem interessanten
Falle einer Trepanation aus der Bronzezeit zu thun. Dieser Fall gewinnt noch
dadurch an Wichtigkeit und Wahrscheinlichkeit, dass bereits an mehreren andern
Orten, so im Marnegebiet, im Departement Lozere, in Mähren und in Dänemark
sichere Belegstücke von Trepanation aus neolithischer Zeit gefunden worden sind.

Dr. E. Fraas.

Verwendung von Versteinerungen als Schmuck. Herr E. Andree in
Heidelberg berichtet in der Zeitschrift für Ethnologie 1892 Heft II S. 120 über
2 Ringe oder Anhängsel aus Kupfer und Messingdraht, an welchen kleine Am-
moniten und zwar von der Species Amaltheus margaritatus gefasst waren. Die-
selben stammen von Salach a. d. Fils und sollen dort ausgegraben worden sein.
Ueber das Alter lässt sieh nichts Bestimmtes sagen; es wäre aber von Interesse,
wenn auf derartige Sachen geachtet und uns hierüber berichtet würde.

Dr. E. Fraas.

Litteratur.

Eduard Paulus, Kurzer Ueberblick über Kunst un.dAltertum
in Württemberg. Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Württem-
bergischen Altertumsvereins. Stuttgart 1893.

Was Paulus im Text seines Denkmälerwerkes ausführlich im einzelnen
darstellt, von den Trümmermalen längst vergangener Völker bis auf unserer
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