Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern [Hrsg.]; Württembergischer Altertumsverein [Hrsg.]; Württembergischer Anthropologischer Verein [Hrsg.]; Württembergischer Geschichts- und Altertumsverein [Hrsg.]
Fundberichte aus Schwaben — 13.1905(1906)

Seite: 63
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Eine römische Villa hei Betzingen, ausgegrahen im September
und Oktober 1905.
Dazu 1 Plan (Taf. II) und 3 Abbildungen.
Von Carid. phil. Ludwig Sontheimer in Tübingen.
In einem Acker einige 100 m nordöstlich von Betzingen, ober-
halb der Weggabel, Welche die alte Straße Betzingen—Reutlingen
mit dem vorrömischen nach Metzingen führenden „Dietweg“ bildet,
zeichneten sich nach Aussagen der Besitzer in trockenen Jahren an
dem Stand der Frucht deutlich die Grundmauern eines Gebäudes
ab; Hindernisse beim Pflügen veranlaßten zu Nachgrabungen, bei
denen die Eigentümer auf ein Gewölbe und eine Sandsteinsäule
stießen.
Dem Reutlinger Altertumsverein und besonders Herrn Fabrikant
Emil Gminder, der die nötigen Arbeitskräfte für Ausgrabung und
zeichnerische Aufnahme zur Verfügung stellte, gebührt das Verdienst,
die Ausgrabung angeregt und durchgeführt zu haben. Den Plan hat
sein Bauführer, Herr Widmayer aufgenommen. Die Vorderfront der
Anlage geht nach Süden, also der Albkette zu, die von dieser An-
höhe ein schönes Landschaftsbild bietet. Das ganze Gebäude zeigt
eine unverkennbare Aehnlichkeit mit Resten römischer Villae rusticae,
wie sie besonders K. Miller für Oberschwaben zusammengestellt
hat (Programm des Realgymn. Stuttg. 1888). Rechts und links
flankieren den Mittelbau (111 des Plans) zwei größere heizbare Wohn-
räume (II und IV). Dieser selbst hat einen kellerartigen Souterrain
mit Lichtschächten, die in annähernd symmetrischer Anordnung gegen
die Sommerseite gerichtet sind. An den Raum II ist noch das kleine
Gelaß I angefügt, ebenfalls heizbar. Die östliche Außenmauer dieses
Anbaus (0,70 m breit) geht in die äußere Hofmauer (0,90 m breit)
über, zu der parallel 4 m westlich eine stärkere von 1,20 m Breite
läuft. Die nördliche Hofmauer bildet den Abschluß des dadurch
entstandenen langgestreckten Raums V.
Gelaß I (Maße 3,25 m X 4,05 m und 0,70 m Mauerbreite) hat
einen aus Kalk, Sand und kleinen Ziegelstückchen zusammen-
gebackenen Mörtelboden, der auf einer kräftigeren Unterlage von Kies
und Kalk ruht; darunter kommt Lehm, dann Schiefer. Ueber dem
an der Oberfläche gräulichschwarzen Boden fanden sich gestrichene
Ziegelplättchen sowie Heizkacheln mit hartgewordenem Rußbelag,
ferner Ziegel, die ihrem Aussehen nach lange Zeit im Feuer gelegen
sein mußten. Doch ist eine nähere Beschreibung der Heizanlage
unmöglich, weil der Boden, auf dem sie sich befand, höchstens
0,10 m unter dem heutigen Niveau hegt. Besonders an der Nord-
mauer stieß man auf viele Heizkacheln sowie auf einen herabge-
stürzten ganz erhaltenen Dachziegel. Der Eingang geschah von dem
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