Hartlaub, Gustav Friedrich
Das Paradiesgärtlein von einem oberrheinischen Meister um 1410 — Berlin, 1947

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MARIS NAMEN

Heinrich von Laufenberg (f 1460 in Straßburg). Übertragen von
Will Vesper. Abgedruckt mit freundlicher Erlaubnis des Verlages
Bertelsmann, Gütersloh.

Gleich als eine grüne Wies ist gziert
lustlich mit Lenzes Bliimlein schön,
so ist Maria figuriert
geistlich mit edler Namen Krön.

Dies ist die wahre Sunamith
und unsre Saitenspielerin,
ein edle Reb, ein Wegelied,
ein zarte Zell und Wein darin.

Dies ist ein Thron König Salomons,
ein lustlich Frau von hoher Art,
durch die des alten Pharaons
Bürde hinweggenommen ward.

Dies ist des Paradieses Schein,
ein Fenster und ein Tür daran.

Dies ist die edle Mutter rein,
von der der geopfert Widder kam.

Dies ist der Welte Arzenei,
die alls Unkraut hat ausgereutt.

Dies ist ein Ros von Dornen frei,
ihr Keuschheit ein Lilie bedeutt.

Dies ist ein Turm, den hat umfangen
unzerbrechliche Festigkeit.

In dies Kastell ist eingegangen
allein die göttlich Wahrheit.

Dies ist das gezimmert Lädelein,
darin das Kind versendet ist.

Dies ist Mutter und Mägdelein,
die Mutter ward, vom Mann nichts wüßt.

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