Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 51,1.1858

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Nr. 2. HEIDELBERGER 1858.
JAHRBÜCHER DER LITERATUR.

Verhandlungen des naturhistorisch-medizinischen Vereins.

(Schluss.)
Dagegen ist durch eine geburtshülfliche Behandlung
jener prophylactische Zweck'ganz wohl zu erreichen, nämlich durch
absichtliche Unterbrechung, Aufhebung der Schwangerschaft, somit
durch die Einleitung der künstlichen Frühgeburt, bevor noch die
früher namhaft gemachten, unmittelbar das Leben der Schwangeren
und mittelbar auch jenes ihrer Leibesfrucht bedrohenden Folgezu-
stände des Morbus B. eintreteD.
Allein kommt es erfahrungsgemäss schon zum Ausbruche der
Eklampsie beim Morbus B. bei weitem nicht immer, so gehören
durch diese Krankheit bedingte hydropische Affectionen, welche, wie
diess namentlich mit hochgradiger Bauch- und Brusthöhlenwasser-
sucht der Fall sein kann, das Leben, und zwar durch Erstickungs-
gefahr, wirklich bedrohen, bei Schwangeren zu den grössten Sel-
tenheiten. Nach der Niederkunft aber verschwindet der durch die
Schwangerschaft hervorgerufene Morbus B. nicht nur in der Regel
sehr bald von selbst, sondern er lässt sogar in jenen seltenen Fäl-
len noch nachträglich ungleich leichter Heilung zu, als bei Nicht-
schwangeren und bei Männern, in denen er, anstatt bald wieder rück-
gängig zu werden, ausnahmsweise in die chronische Form übergeht.
In der weit überwiegenden Mehrzahl der Fälle würde demnach die
Schwangerschaft ohne wirklich begründete Nothwendigkeit absicht-
lich zerstört werden, die Hervorrufung der künstlichen Frühgeburt
geradezu und einzig und allein des vorhandenen Morbus B. wegen
zu dem erwähnten rein prophylactischen Zwecke nach meiner Ueber-
zeugung somit nicht zu rechtfertigen sein.
Bei meiner früher dargelegten, mit Gründen unterstützten An-
schauungsweise, nach welcher der Ausbruch der puerperalen Eklampsie
höchst wahrscheinlich stets an schon vorhandene Geburtsthätigkeit
geknüpft ist, halte ich diesen Eingriff in das Walten der Natur als
Präventivmaassregel zur Verhütung der Fraisen insbesondere um so
weniger für gerechtfertigt, weil der Ausbruch dieser, bei Gleichheit
der übrigen • Umstände, nach künstlich eingeleiteter Geburt minde-
stens eben so sehr zu befürchten steht, wie nach dem spontanen
Eintritte der Letzteren am naturgemässen Ende der Schwangerschaft,
den man in der ja oft genug in Erfüllung gehenden Hoffnung, es
werde zur Eklampsie gar nicht kommen, abwartet und der bei an
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