Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 51,1.1858

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Nr. 24.

HEIDELBERGER

1858

JAHRBÜCHER DER LITERATUR.

Annales Ecclesiastici, quos post Caesarem S. R. E. Card. Baronium,
Odoricum Raynaldum} ac Jacobum Lader chium Presbyteros
Congregationis Oratorii de Urbe ab Ann. MDLXX1I. ad nostra
usque tempora continuat Augustinus Th ein er, ejusdem
congregationis presbyler, Consültor S. S. Congregationum Indi-
cis Librorum prohibitorum, Episcoporum et Regulariuin ac
sancti officii, socius collegii theologorum Archigymnasii Roma-
ni, Academiae Pontificiae archaeologiae, et Academiae Hercu-
lanensis, Tabulariorum 8. R. E. Praefectus etc. Tom. I. II. III.
Romae 1856.
Das grosse Werk der Kirchengeschichte, wozu die Reformation
und die der katholischen Kirche entgegengesetzten Bestrebungen die
Veranlassung wurden, ist noch nicht vollendet. Auch mit dem jetzt
anzuzeigenden Werke geht die Arbeit nur bis zu dem Todestage
eines der berühmtesten Päbste Gregor’s XIII. Unter ihm, und nach-
dem das Concilium von Trient in die Wirksamkeit getreten war, be-
gann eine neue Fortbildung der Kirchengeschichte, welche in drei
Jahrhunderten wieder zu einer Art von Abschlüsse gebracht wurde.
Mit dem Sturze des durch eine unglückliche Philosophie zerrü-
tteten Staatensystems in der französischen Revolution,
und der damit zusammenhängenden Beraubung der Kirche unter
Pius VI. und VII. kam es zu einer neuen Periode der Kirchenge-
schichte, in der wir stehen, und die in dem mit Pius VII. anfan-
genden durch den berühmten Namensgenossen Gregor’s XIII. —
Gregor XVI. prophezeiten Aufschwung der katholischen
Ordnung in dessen eigenen Werke il trionfo etc. ihre Bezeichnung
findet.
Eine sonderbare aber natürliche Erscheinung ist es, dass sowie,
der Völkerzustand einer neuen Entwickelung entgegen ging, auch
jeder Einzelne, der dieser Zeit angehört, sich selbst in seinen Stu-
dien reformiren, eine neue Grundlage seiner geistlichen Bestrebung
legen, und so aus sich selbst gleichsam zum Verständniss seiner
Zeit, die im Laufe ist, sich herausbilden muss. Man sieht dieses
besonders an der Bestrebung des Mannes, dessen Werk wir hier in
das Auge fassen.
Der Verfasser dieser drei Bände, in der ersten Zeit dieses Jahr-
hunderts, hervorgegangen aus einem deutschen Lande, wo in einer
auf das feinste fortgeführten kirchlichen Revolution die katholische
Kirche die letzte Anfeindung erhielt, welche als Staatskirchenrecht
bis in unsere Tage fortgeführt wurde —- aus Schlesien — einge-
weiht in die geistigen Bestrebungen des modernen Kirchenwesens
LL Jahrg. 5. Heft, 24
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