Helbig, Wolfgang
Führer durch die öffentlichen Sammlungen klassischer Altertümer in Rom (Band 1): Die vatikanische Skulpturensammlung. Die kapitolinischen und das lateranische Museum — Leipzig, 1891

Page: 414
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Der Konservatorenpalast,

Die Halle.

R. vom Eingänge:

530 Kolossalstatue des Julius Caesar (?).

Nach einer nicht sicher beglaubigten Überlieferung
gefunden auf dem Forum des Caesar. Sie gehörte im
16. Jahrhundert dem Bischof von Melli, Alessandro
Rufflni (Aldroandi bei Mauro le antichitä di Koma p. 180).
Ergänzt die Nasenspitze, Splitter an der Stirn wie an der
r. Wange, beide Arme, die Unterschenkel, die Plinthe.
Der abgebrochene Kopf scheint zugehörig.

Der auf das Ende des ersten oder den Anfang des
zweiten Jahrliunderts n. Chr. deutende Stil der Statue
scldiesst die geläufige Benennung keineswegs aus, da
damals der Kultus des Divus Julius noch fortdauerte
und dies recht wohl zur Herstellung von Statuen des-
selben Veranlassung geben konnte. Allerdings unter-
scheidet sich der Kopf von den Münzporträts des Caesar
dadurch, dass die Schädelbildung etwas rundlicher, das
Gesicht weniger ältlich und etwas voller erscheint. Nichts
desto weniger aber ist der Gesammtcindruck dem der
Münzporträts wie dem eines aus ägyptischem Basalte ge-
arbeiteten , zweifellosen Caesarkopfes, der letzthin aus
Alexandrien in die Sammlung Barracco gelangte, nahe
verwandt. Es scheint demnach nicht unmöglich, dass
wir in der That in dieser Figur eine mehrere Menschen-
alter nach seinem Tode gearbeitete, stark idealisierte
Porträtstatue des Caesar zu erkennen haben.

Clarac V pl. 921B n. 2318A. Bernoulli römische Ikonographie
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