Hiller von Gaertringen, Friedrich [Editor]
Thera: Untersuchungen, Vermessungen und Ausgrabungen in den Jahren 1895 - 1902 (Band 1): Die Insel Thera in Altertum und Gegenwart: mit Ausschluß der Nekropolen — Berlin, 1899

Page: VII
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/hiller1899/0007
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Vorwort.

Epigraphische Untersuchungen haben die Entstehung des vorliegenden Buches ver-
ursacht. Für die Sammlung der griechischen Inschriften von den Inseln des ägäischen Meeres,
welche die K. Akademie der Wissenschaften in Berlin unternommen hat, ging der Herausgeber
auch nach Thera. Er fand dort, daß die Inschriften einer Erklärung aus dem Boden heraus
bedurften, dem Felsen, auf dem sie geschrieben stehen und von dem sie nicht getrennt werden
können, ohne den besten Teil ihres Inhalts zu verlieren. So ergab sich als notwendige Folge
eine Ausgrabung und Vermessung dieses Bodens. Was dabei aus der Erde hervorgezogen
und festgestellt wurde, kam zunächst dem Werke zugute, das für den Herausgeber an erster
Stelle stand: das dritte Heft der Inselinschriften konnte im Oktober des vorigen Jahres aus-
gegeben werden. Aber man findet beim Suchen oft statt des Gewollten etwas ganz anderes;
zuweilen, wenn ein freundliches Geschick waltet, wirklich das Gehoffte und darüber hinaus
auch noch weit mehr, als im Bereich der Erwartungen lag. Dann mag es freilich eintreten,
daß der glückliche Entdecker sich seinen Funden allein nicht gewachsen fühlt. Doch als es
soweit war, traten andere für ihn ein. Keiner, dessen Hilfe angerufen wurde, schlug es ab,
aus dem besonderen Schatze seines Wissens und Könnens heraus das zu geben, was ihm für
die Sache ersprießlich schien. So ist das Buch freilich mehr geworden, als es in der ersten
Absicht des Urhebers lag. Als ein, wenn auch mit besonderer Liebe und Sorgfalt behandeltes
Parergon zum Inschriftcorpus war es gedacht; eine Monographie über Thera, die nur das aus-
schloß, worüber nichts Eigenes geboten werden konnte, dafür aber selbständigen Beiträgen
aus allen Zweigen der Wissenschaft geöffnet war, ist es geworden, eine Monographie, die für
den Herausgeber selbst neben der Inschriftsammlung das Parergon bleiben mag, für seine
Mitarbeiter jedoch und für den Leser ihre Daseinsberechtigung in sich selber enthalten muß.

Ein einziger Teil der Ergebnisse, die Gräber und ihr reicher Inhalt, hebt sich so völlig
von dem Uebrigen ab, daß es möglich und sogar geboten schien, ihn einem zweiten Bande
zuzuweisen, für den der Leiter dieser besonderen Ausgrabungen, Hans Dragendorff, die alleinige
Verantwortung übernommen hat. Die Vorarbeiten sind soweit gediehen, daß der Beginn der
Drucklegung schon im Laufe dieses Jahres in Aussicht genommen ist.

Dem Herausgeber dieses Bandes aber bleibt die angenehme Pflicht, seinen Mitarbeitern
zu danken für das, was sie gespendet haben und die Art, wie sie es zu spenden wußten. Zu
den Mitarbeitern gehören nicht nur diejenigen, welche wir die besondere Freude hatten auf
dem Titel oder im Laufe der Darstellung als solche verzeichnen zu können, sondern auch alle
loading ...