Hirt, Aloys Ludwig; Hirt, Aloys Ludwig [Editor]
Die Geschichte der Baukunst bei den Alten (3): Die Lehre der Gebäude bei den Griechen und Römern — Berlin: Reimer, 1827

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In der Baukunst habe ich die Grundsätze aufgestellt, nach welchen Griechen
und Romer in den glänzendsten Perioden ihre Baue führten. Zehn Jahre
darauf folgte die Geschichte der Baukunst bei den Alten, worin ich die
Anfänge, die Fortschritte, die Höhe, das allmählige Sinken und den Verfall
dieser Kunst entwickelte. Es blieb noch eine dritte Arbeit: die Darstel-
lung der Gebäude selbst.
In der Geschichte der Baukunst konnte ich die Gebäude in der Zeit-
ordnung, wie sie vorkamen, nur nach ihrem historischen Charakter aufrüh-
ren. In der Darstellung der Gebäude aber kommt es nicht so viel auf das
Geschichtliche der einzelnen Bauwerke an, als aus die Grundsätze, Formen
und Einrichtungen, welche jeder Gattung und Art von Gebäuden als eigen-
thümlich zum Grunde liegen. Solche Einrichtungen erlitten nach der Zeit-
folge mannigfache Abänderungen; und erst vielfältige Erfahrungen konnten
das Bessere und Vorzüglichere in den Anlagen begründen, und die Gesetze
festsetzen, nach denen man sich zu benehmen hatte. Diesen Gesetzen in
der Anlage nachzuspüren, wie sie sich in der blühensten Epoche der grie-
chisch-römischen Kunst geltend machten, ist hier der Zweck. Rücksicht
auf die Erfordernisse, Rücksicht auf die Formen, welche den Erfordernissen
in einem gegebenen Falle am vollkommensten entsprechen, Rücksicht auf
die Verhältnisse und den Charakter jeder Art von Anlagen sind hier die
allgemeinen und ersten Bedingungen. Das Clima, das Oertliche, das Ge-
bräuchliche und Herkömmliche, so wie religiöse und bürgerliche Einrich-
tungen, Erziehung, Lebensweise, Spiele und Erholungen, Vermögensumstände
und selbst das Material üben hierauf entschiedenen Einssuss, und bewirken
mehr oder weniger bedeutende Abänderungen; und ein Gleiches thut die
Zeit. Was man für zweckmässig und bequem zu einer Zeit hielt, ist es
nicht mehr für eine andere. Was sür die Väter anständig und selbst pracht-
voll galt, ist es nicht mehr für die Söhne und Enkel. Die Zeit führt eine
Steigerung der Bedürfnisse, und hiemit eine Verfeinerung in den Formen,
in den Anlagen, in den Verhältnissen und in den Zierden herbei. Eine
Darstellung der verschiedenen Gattungen der Gebäude in den glänzendsten
Perioden der Griechen und Römer würde also nicht genügen, wenn dabei
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