Hübsch, Heinrich
Bauwerke: Text zum ersten und zweiten Heft — Karlsruhe und Baden, 1838

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jedoch ohne Verputz und Anstrich. Ich behalte mir vor, in einem folgenden Hefte Zeichnungen
über die sehr schwierige Construction dieses Thurmes zu geben, und bemerke hier nur noch,
dass die Thurm-Fenster ganz offen bleiben, indem der Boden, worauf der Glockenstuhl steht,
nach allen Seiten etwas Fall erhält, und mit Metall bedeckt wird, so dass das Wasser
ablaufen kann.

In einigen Wochen soll die Einweihung der Kirche statt finden.

DIE POLYTECHNISCHE SCHULE ZU CARLSRUHE.

Als diese Anstalt im Jahre 1.831 neu organisirt war, und eine viel grössere Ausdehnung
erhalten hatte, indem den mathematischen Classen fünf Fach-Schulen (die Ingenieur-Schule,
die Bau-Schule, die Forst-Schule, die höhere Gewerbs-Schule und die Handels-Schule)
beigefügt wurden; so konnte das bisherige Local nicht mehr genügen, und es wurde ein für
die ganze Anstalt ausreichender Neubau beschlossen. Der gegebene, au der Hauptstrasse
gelegene Bauplatz hatte bei einer Tiefe von 150' eine Länge von 230', welche aber nicht ganz
überbaut werden durfte, theils wegen der bestehenden nachbarlichen Gebäude, theils um
möglichst viele Fensteran den Seiten-Faqaden anzubringen, weil die Fenster der vorderen,
gegen Mittag gerichteten, Facade kein so zweckmässiges Licht geben konnten.

Da das Gebäude, ausser einer Portier-Wohnung, sonst kein Logis enthalten sollte; so
bestand das Bedürfniss fast in lauter grösseren Sälen, welche indessen in Bezug auf ihre Grösse
sehr verschieden seyn mussten, und daher schwer in ein Ganzes zu vereinigen waren. Auch
sollte — wegen der anwachsenden Sammlungen und dergl. — der Plan leicht vergrössert
werden können. Daher wählte ich (wie der Grundriss zeigt) als Grundgestalt die T-Form,
wobei ohne Veränderung der Haupt-Facade der Mittel-Flügel beliebig nach hinten verlängert
werden kann, und wobei die Haupt-Treppe immer so ziemlich im Mittelpuncte des Ganzen
bleibt. Ueber den hinter dem Gebäude sich ausdehnenden Hof ist hinsichtlich des Verschlusses
auf beiden Seiten noch keine definitive Verfügung getroffen.

Es kann hier nicht von Interesse seyn, die doch wohl dem Wechsel unterliegende
Bestimmung eines jeden einzelnen Saals anzugeben. Es sey nur bemerkt, wie (den gestellten
Aufoderungen gemäs) auf der einen Seite viel grössere Säle als auf der andern durch Ver-
schiebung des Mittels um XX Fuss gewonnen wurden, ohne dass diese Ungleichheit bei der
Facade zu entdecken wäre. Im unteren Stockwerk liegen zu beiden Seiten des Vestibüls
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