Journal für die Baukunst: in zwanglosen Heften — 3.1830

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5. PötzschT neue Bedec7cungs-u4rt flacher Dächer.

Nachdem das Dach gelattet ist, werden die Bieberschwänze, wie
bei den böhmischen Dächern, mit Kalkmörtel, wozu gesiebter Sand als
Zusatz genommen wird, eingedeckt. Nachdem nemlich ein Dachstein
tüchtig genetzt ist, wird er mit einer schwachen Kalkfuge an seinen
Nachbar angerieben. Die darauf folgenden Schichten werden auf dieselbe
Weise gedeckt und, gut angefeuchtet, auf die untern Schichten mit einem
Querschlag aufgelegt. Der Kalk, welcher auf der äufsern Seite des Daches
aus den Fugen hervortritt, wird mit der Kelle nicht abgestrichen, son-
dern es werden vielmehr sämmtliche Ziegelreihen, nachdem sie zuvor wie-
der tüchtig angefeuchtet worden, mit einer Lage Kalk überzogen. Des bes-
sern Haltes wegen wird der Kalk von unten nach oben zu an die Stein-
reihen kräftig angeworfen; und es kann dieser Mörtel mit gröberem Sande
zubereitet sein, als der vorige. Nachdem der erste Bewurf völlig trocken
ist, wird unter beständigem Annetzen eine zweite und endlich eine dritte
Lage Mörtel auf gleiche Art aufgetragen, so dafs der ganze Mörtel-Überzug
der Steine eine Stärke von 1 bis | Zoll, dicht am Anfänge einer Ziegel-
reihe gemessen, erhält, und also die Ziegel an den abgerundeten Enden
noch \ bis -§ Zoll hoch bedeckt. Dadurch erhält die ganze Bedeckung,
mit Einsehhifs der Dicke der Ziegel, eine Stärke von 3 bis 3J Zoll. Die
letzte Schicht Mörtel mufs möglichst glatt aufgetragen und durch ein
nach der Höhe des Daches gerichtetes Richtscheit öfters abgeglichen wer-
den. Hat nun dieser Bewurf etwas angezogen, so wird er mit der Kelle,
jedoch ohne ihn anzufeuchten, glatt gerieben. Das zu schnelle Trocknen
im Sommer, und das daraus erfolgende Aufreifsen des Mörtels, mufs durch
Bedeckung mit Strohmatten und dergleichen verhindert werden.

Nachdem die ganze Kalkkruste vollständig getrocknet ist, läfst mau
die Dachfläche, wenn es die Lage des Gebäudes erlaubt, von der Sonne
recht erwärmen, und überzieht sie alsdann mit heifsem Steinkohlentheer,
der mit einem grofsen Pinsel, aus starkem Borsten, aufgetragen wird. Ist
auch dieser Anstrich völlig trocken, und hat er sich in den Mörtel gut ein-
gezogen, so wird die ganze Dachfläche zum zweiten Male ebenfalls mit
heifsem Steinkohlentheere überzogen, und während der Arbeit mit schar-
fem, aber feinem Sande überstreut. Dieser wird mit einem Reibebrette
dergestalt ein gerieben, dafs die kleinen Vertiefungen des Kalkmörtels da-
mit ausgefüllt werden und so eine möglichst glatte Oberfläche entsteht.
Hiermit ist die Arbeit vollendet.
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