Journal für die Baukunst: in zwanglosen Heften — 3.1830

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18. Zimmermann, über Bogen aus Bohlen.

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18.

Bemerkungen über das Tragvermögen der Bögen aus
eichenen Bohlen und über ihre Anwendung zu
Brücken, nach Versuchen*).

(Von dem Herrn Bau-Inspector Zimmermann zu Lippstadt.)

"Vor einigen Jahren wurde mir von einem Gutsbesitzer der Antrag ge-
macht, eine Brücke über den Lippflufs, auf der Strafse von Olfen nach
Recklinghausen, in der Nahe des Hauses Ruschenburg, zu entwer-
fen, welche Brücke dort sehr nütliig ist, da die Fahre an dieser Stelle we-
gen der sehr bedeutenden Geschwindigkeit des Flusses, zu Zeiten gefähr-
lich ist. Die Bedingung war, dafs die Brücke dauerhaft und standhaft ge-
gen den Eisgang sein, hinreichendes Tragvermögen besitzen, Stirnmauern
von Ziegeln haben, übrigens von Holz sein, und wenig kosten solle; ihre
Ausführung ist wegen Veränderung der Verhältnisse bisher unterblieben.

Das Grundbette des Flusses an dieser Stelle, besteht aus Thon-
Mergel, der in Verhärtung übergehet und in welchen sich Brückenpfähle
nur etwa 4 Fufs tief eintreiben lassen, weil das Gestein dann zerklüftet
und der Pfahl wieder lose und beweglich wird, was mit nahe stehenden
Pfählen eines Brückenjoches um so mehr geschehen würde. Die Weite
der Brücke mufste im Lichten, oder zwischen den Stirnmauern, wenigstens
100 Fufs sein, um einer Fluth von etwa 8000 Cubic-Fufs in der Secunde,
welche hier nicht über die Ufer tritt, ohne zerstörende Geschwindigkeit

*) Dieser Aufsatz ist dem Herausgeber von dem Herrn Verfasser zugleich, mit
dem Aufsatze No. 1. im ersten Hefte dieses Bandes „Über Beton -Mörtel” für das
Journal mitgetheilt worden, konnte aber damals wegen Mangel an Raum nicht so-
gleich mit aufgenommen werden. Der Herausgeber eilt jetzt um so mehr den gegen-
wärtigen Aufsatz zu liefern, da der Herr Verfasser desselben leider inzwischen verstor-
ben ist. Herr Zi m m er in a n n war ein wohlunterrichteter, thätiger und ehrenwerther
Baumeister, und der Herausgeber glaubt sein Andenken um so mehr hier öffentlich
ehren zu müssen, da er vor mehr als 20 Jahren Herrn Zimmermann, schon fast
beim Eintritt in dessen architectonische Laufbahn, kennen und schätzen zu lernen Ge-
legenheit hatte. Anm. d. Herausg.

Crelle’s Journal d. Baukunst, 3. Bd, 4, Hft. £ 48 j
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