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Journal für die Baukunst: in zwanglosen Heften — 3.1830

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https://doi.org/10.11588/diglit.19264#0240

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232

13. Rose nthal, über Griechische Baukunst.

13.

Über die Entstehung und Bedeutung der architeetoni-

sehen Formen der Griechen.

(Von dem Herrn Bau-Inspector Rosenthal zu Magdeburg.)

J3ie Frage: „Soll man in der Kunst den Griechen nachahmen oder nicht?”
so häufig sie auch in Anregung gebracht sein mag, ist noch immer nicht
völlig entschieden. Vielleicht wäre es vorteilhaft gewesen, sie früher,
als es geschehen, grade auf die Baukunst anzuwenden, denn keine an-
dere Kunst ist so abhängig von Zeit und Ort, und spricht den Volks-
character so deutlich aus, als sie; aber dazu haben wir die Ruinen Athens
zu spät kennen gelernt. Da die Römische Kunst, seitdem sie sich im
sechszehnten Jahrhunderte von Italien aus über Europa verbreitet hatte,
so lange Zeit unter dem heiligenden Namen der Antike allein gekannt war
und geehrt wurde, und da zugleich der mikiinstleriche Geschmack der
Römer, aus Gründen, die sich hier nicht weiter erörtern lassen, in keiner
andern Kunst einen so tiefen Verfall herbeiführte, als in der Baukunst:
so konnte die erste Wirkung der gegen Ende des vorigen Jahrhunderts
eröffneten Bekanntschaft mit den reinen Griechischen Mustern keine an-
dere sein, als ein Enthusiasmus für eigentliche Griechische Baukunst, der
jeden Zweifel über ihre Anwendbarkeit unter allen Völkern und zu allen
Zeiten ausschlofs, ein Zweifel, der um so weniger zu erwarten war, da er
sich selbst früher, bei Anwendung des Römischen Baustyls nicht geäufsert
hatte. Erst jetzt, nachdem sich die vorurteilsfreieren Blicke auch der Bau-
kunst des Mittel-Alters mit Wohlgefallen zugewendet haben, und seitdem
sogar einzelne Versuche gemacht sind, dieselbe nicht allein wieder anzu-
wenden, sondern auch dem jetzigen Zeitgeiste anzupassen, scheint es zeit-
gemäfs, der obigen Frage eine ernstliche Aufmerksamkeit zu widmen, wo-
mit untern Andern Hübsch in seiner Abhandlung: ,, In welchem Style sol-
len wir bauen?” schon einen lobenswerten, freilich aber noch nicht ge-
nugsam vorbereiteten Anfang gemacht hat.
 
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