Journal für die Baukunst: in zwanglosen Heften — 3.1830

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20. Dietlein t Vorlesungen über Sirafsen- Brücken- und JVasser -Bau. 421

189. Läfst man die wagerechten Schichten der Häupter, bei glei-
cher Höhe derselben und bei gleich breiten oder starken Wölbsteinschich-
ten, immer so weit fortlaufen, bis eine Fuge der ersten mit einer der letz-
ten zusammentrifft, so werden die Lagerfugen der Wölbsteine in der Ge-
gend der Mitte der Schenkel so lang, dafs sie unangenehm in die Augen
fallen; man läfst daher von dem Anfänge nach dem Schlüsse zu immer
mehr Lagerfugen des Gewölbes bis zu einer einzigen von den wagerech-
ten fortlaufen, wie z. B. Perronet an der Brücke bei Neuilly gethan
hat. Dann kann man die Wölbsteine fast gleich hoch machen, oder vom
Schlüsse nach den Anfängen zu fast gleichförmig zunehmen lassen, was
sehr nützlich ist (Taf. XI. Fig. 44.).

190. Läfst es sich nicht vermeiden, dafs die Anfänge der Brücken-
gewölbe vom Wasserspiegel der Fluthen überschritten werden, so sucht
man wohl ihre Gestalt der einer kegelförmigen Röhre zu nähern, um die
Nachtheile der Zusammenziehung des Strahls zu vermeiden. Entweder
macht man dann die innere Wölblinie im Haupte gleichlaufend mit der
Projection der des mittlern Theils des Gewölbes auf die lothrechte Ebene
des Haupts, oder auch nicht. Im letztem Falle kann man sogenannte
Ochsenhörner anwenden (wie Perronet bei der Brücke von Neui 11 j);
diese sind dann Gewölbtheile, deren Projection auf eine wagerechte Ebene
ein rechtwinkliges Dreieck ist (Taf. XI. Fig. 44.).

191. Wenn nicht vermieden werden konnte, die Anfänge der Ge-
wölbe unter den höchsten Wasserspiegel reichen zu lassen, so macht man
auch wohl sogenannte Brücken-Augen, d. h., durch jeden Mittelpfei-
ler eine Öffnung, nach der Länge desselben. Wie verwerflich solches sei,
braucht kaum erwähnt zu werden (Taf. XI. Fig. 40.).

192. Die Form der Wölbsteine in den Häuptern mag sein, welche
sie wolle, so werden die Steine zwischen den Häuptern dennoch fast im-
mer gleich hoch sein, und es wird daher immer möglich sein, die Über-
maurung und die Hintermaurung der Gewölbe, einerseits vom Scheitel
der äufsern Wölbung, andererseits von der Mitte jedes Pfeilers an, etwas
abfallen zu lassen *), und so eine Rinne zu bilden, die wieder abwech-

*) Gut ist es wohl, wenn die Wölbsteine nach den Anfängen zu an Höhe zu-
nehmen, vorausgesetzt dafs ihre Dicke im Scheitel hinreichend sei. Wiederholt dürfte
bei dieser Gelegenheit an die Wichtigkeit und deu Nutzen der Übermaurung der Bö-
gen zu erinnern sein. Sie dient keinesweges blofs zur Ausgleichung und Ausfüllung,
sondern sehr wesentlich zur Verstärkung des Gewölbes. In diesem Betracht ist es
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