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Zum Iahresschluh.


Müller. Friedrich Halm iS Jeheimer.Rath und Excellenz jeworden?
Sch ul tze. Des freut mir, deß doch ooch 'mal 'n Dichter zu was kommt.
Müller. Ick denke, die Dichter kriejen sonst immer man bloß'nen Lorbeer.
Schultze. Lorbeer in Lcsterreich in dieses Jahr? — Js nich!
Müller. Na waS wird den nanu? Reist sie oder reist sie nich?
Schultze. Nee, sie reist nich.
Müller. Na worum denn nich?
Sckultze. Na weil sie nich derf.
Müller. Donnerwetter! Deo io jut!
Schul tze. Na worum denn?
Müller. Na weil man daraus sieht, daß es mit des Pantoffel-
rejimcnt an beede Orte vorbei is.
Mer die Mäht hat, hat die üuat.
Der reactionäre Wahlausschuß in Mecklenburg hat beschlossen, nur solche
Candidaten für den Norddeutschen Reichstag auszustellen, „für deren Wahl
die Allerhöchste Zustimmung deö Großherzogö gehosst werden
dürste/ und welche „demnächst zur höheren Approbation gelangen
und als solche leicht erkennbar alSbald an die Oesfentlichkeit
treten dürsten." — Gutem Vernehmen nach hat sich diese Angelegenheit
bisher so verzögert, weil im Schoße jenes AuSschusies ein ernsteS Zerwürfnis;
ausgebrochen ist, indem eine gewicbtige Partei darin der Ansicht Geltung zu
verschaffen sucht, daß es weit einfacher und praktischer wäre, im Lande Unter-
schriften für eine Petition zu sammeln, worin der Großberzog allenrnterthänigst
gebeten werden soll, zur Vermeidung aller Wahl-Agitationen und Austegungen
Allerhöchstselbst die sechs Abgeordneten zu dejigniren und nach
Berlin zu schicken.

Es geht dabin. daS mit gewalt'gen Lettern
Als Jabr deS Kampfes und der Neugestaltung
Sich einschrieb in der Weltgeschichte Blättern.
Noch steht es da in unentichlossner Haltung,
Noch zögert eS. daS aus der Hand zu geben,
WaS erst ein Keim zukünftiger Entfaltung.
O neues Jahr, erhalt' unS das am Leben;
Und was daS alte Jahr geweibt dem Tode.
Laß eS nicht wieder sich zum Licht erheben.
Mit diesem Jahr kommt Manches auS der Mode:
Zum Schreck der Schwätzer und der schwülst'gen Reimer
Liegt hinter uns die Bierfest-Periode —
Liegt hinter uns die Zeit der wirren Träumer,
Und dinier uns, ein Frühstück für die Metten,
Liegt auch, Gottlob, der alte Eschenheimer.
Und Mancher, der voll Dünkel und Marotten
DaS Reckt verdöbnt vom angestammten Throne.
Ward selbst zum Spott und wird nicht weiter spotten.
Dieö Jahr that seine Pflicht: es gab die Krone
Dem Muthigen; wir sind mit ihm zufrieden:
Zur Strafe kam e6 endlich und zum Lohne.
WaS wird unS von dem neuen Jahr beschieden?
O daß eö brächt', was wir ersehnen Alle:
Rach außen Macht, im Innern Recht und Frieden!
Noch steht eS wartend, daß sein Stichwort falle,
Daß cs, geschmückt von srohgeschäst'gen Etfen.
Hellblickend tret' in des Jahrhunderts Halle. —
Wer nichts gelernt bat, dem ist nicht zu helfen!
Wer nicht mit unS kommt als des Fortschritts Streiter.
Der gehe hin und beule mit den Welfen!
Wir aber sind ein gutes Stückchen weiter;
Und unser Trinkspruch zur Silvesterbowle:
Ernst ist die Zeit, wir aber bleiben heiter —
Und .Vorwärts" heißt aufs Neue die Parole.
Kladderadatsch.

Briefkasten. N. N. in Brandenburg: Die „jungen Hunde" haben sich jedenfalls nur aus Mangel an Localkenntniß unter die „Kirchen-
nachrichten der Kur- und Hauptstadt Brandenburg" in Nr. 100. deS „Anzeigers" verlaufen. — Oarolus Ü1ie88nieu8 in B.: ES war aller-
dingS eine unserer .böswilligen Erfindungen". — X. in Landeck: Was wir zu dem „theurcn Kuß" sagen? Wilhelm Teil sagt: „Du kennst den Schützen,
suche keinen andern! Frei sind die Hütten, sicher ist die Unschuld vor dir, du wirst dem Lande nicht mehr schaden." — H. B. in Berlin: Die Thatsache ist
längst vergessen. — Wilhelmine F. in Cassel: Noch nicht ganz gerathen. — V. u. B. in H. und K. L. in G.: Nicht recht geeignet. — W. in B.: Bei
nächster Gelegenheit, wenn auch in etwas anderer Form. — Dr. S. in K.: Von zu geringem Interesse.

Zur Benachrichtigung für unsere Abonnenten.
Die bereits in den letzten Wochen versuchsweise gebrachte Jnscraten-Bcilage zum Kladderadatsch werden wir aus
Wunsch vieler Interessenten vom I. Januar 1867 ab regelmäßig wöchentlich bringen. Die Insertions-Gebühren für die vier-
gespaltene Nonpareille-Zeile oder deren Raum betragen l1/, Sgr. Die Beilagen werden der ganzen Ruflage, in Höhe von
37,000 Exemplaren, beigcgebcn. Inserate werden in unserem Eomtoir täglich enlgcgcngcnommcn. Dieselben müssen spätestens bis
Mittwoch Mittag für die zunächst erscheinende Sonnabend-Nummer in unseren Händen sein.
Die Versagshandtimg. A. Hofmann & Comp, in Rerlm, Leipziger Straße 39.


So eben krschicn in unserem Verlage und ist in allen Buchhandlungen zu haben:

Humoristisch - satyrischer
Volks-Wender des Kladderadatsch
für 1867.
Mit 54 Illustrationen von W. Scholz.
In colorirten Umschlag gehestet. Preis 10 Sgr.
Inhalt: Die 12 Monate. — Jüdischer Kalender. — Vom Photo,
graphiren und Photographirtwerden. — Elegien eines verflossenen
klemstaatlichen Staatsmannes. — Zwickauer'S Stücheleien mit seuner
Zündnadel. — Zur Einigung Deutschlands. — DaS All. NeueS

Berliner Uni verfal - Blatt für Alle und Alles. — DaS Geschlecht
der Zukunft. — Lcbensregeln für das ganze Jahr. — Neupreußische
Volkslieder. —Bilder aus d er neuesten Kriegsgeschichte. —Proben
aus dem neuen Stücke: Die Weltgeschichte. — Die Opfer der Verhält-
nisse. Ein Sittenroman mit Hindernissen. — Neueste Nachrichten über
Berlin.— Die Haarnadel. Ein Sonntagsmorgen-Monolog des Geheimrath
Speilzahn. — Es kommt AllenS 'raus. Kriminalaeschichte in be-

liebter Manier.

Die verlagshanölung.

A. Hofmann & Comp., Lrrlill, Leipziger Straße 39.
 
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