Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 44.1891

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Hl'. 44. ßerltn, den 1. November 1891. XLIY. Mrgang.

Montag, den 2. November.

'Run inachl sich nach dem Süden ans
Ein Häuslein von Biedermeiern,

Ter Völkerverbrüderung lwhcS Fest
Am Tiberstrand zu feiern.

Dienstag, den :r. November.

Ich wünsche den Herren glückliche Fahrt
Und manches treffliche Essen,

Und gebe ihnen den guten Ratl,,

Daß Trinken nicht zu vergessen.

Mittwoch, den 4. November.

Hier wird daö Zechen zur ernsten Pflicht.
Weil nirgend so glatt die Phrase
Dem Redner von bei Vippc fließt
Wie bei dem vollen Glase.

Hiotsieiisilileiiiser.

Donnerstag, den November.

Drum ist cS besser, das Trinkell wird
Nicht bis znm Abend verschoben;

Schon Morgens während der Sihnng kann
Man einige Sorten proben.

Areitag, den G. November.

Und wenn zuletzt auch Trimkenheit
Befällt die frohen Zecker,

Was thnl'ö? Als mildenidcr Umstand kommt
Zn gut sic jedem Sprecher.

Konnavend, den 7. November.

Die 'Welt spricht: „Nicht verspotte ich
Die FriedcuSschwärmer-Jnnung.

Bon allen, die gesprochen in Rom.

War keiner bei Besinnung."

Kladderadatsch.

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eglückt ist, wer der Lsauptstadt wildem Treibe»

fern,

wie seine Väter schon gethan,

Auf der ererbten Scholle still alsLandwirth sitzt.
Nicht nimmt am Tanz ums goldne Kalb
Tr theil, nicht jagt im Schatten er des Giftbaums nach
Dem Glück, das selten treu sich zeigt;

Zufrieden ist bescheidenen Sinnes er mit dem,
was ihm im Lserbst sein Acker schenkt.

Denn schweren Baupts der Städter kaum vom

Spieltisch sich

Erhoben, springt vom Lager er
Mit Hellem Blick und macht sich an sein Tagewerk.
Das schönste Morgenständchen dünkt
Der Kühe Brüllen und der Schweine Grunzen ihn.
Irisch reitet er aufs Feld hinaus,
wo sich die rüstigen Knechte ihm und Mägde mühn.
"»frieden sieht er, wie die Saat

Die Auster, die zu Hunderten der Schlemmer schlürft,

Doch herrlich schmeckt zum Schwarzbrot ihm

Der Schinken, der vom selbstgezogenen Schweine stammt.

Nicht ziert am Mittag seinen Tisch

Der Sterlet, den für schweres Geld der Börsenfürst

vom Wolgastrome sich verschreibt,

Doch besser wahrlich mundet ihm der fette Schlei,
Den er im eignen Teiche zieht.

Kehrt Abends wieder müde er vom Feld zurück,
Gönnt er dem Reichshauptstädter gern
Des Schauspiels und der Oper viklbeftaunte Fracht
And des Ballets frivolen Reiz.

Im Kreis der Seinen harmlos plaudernd sitzt er da,
Bis früh er schon sein Lager sucht.

Fest ist sein Schlaf und ruhig, während stöhnend sich
3„t prunkbett wälzt der Speculant
In bangem Traum, weil lastend auf die Brust sich ihm
Der Pleite grauser Alb gesetzt." —

Gedeiht und spricht: „D schenkte uns ein gutes Jahr So sprach, indeß er eifrig las das Börsenblatt,

Der Bimmel doch! Nicht denke ich
An mich dabei, doch wünsche ich's dem armen Volk,

Dem sonst der Speculanten Heer ...

Das Brot vertheuert, bis es kaum erschwingbar noch." And nehme jedes (puantum noch dazu, das ich

Der Majoratsherr, und sogleich
Schickt' er an seinen Makler ab ein Telegramm:
Ich halte meinen Weizen fest

Nicht wartet sein, wenn heim er kehrt,

'i Jum letzten Preise haben kann.

Alaööera hatsch.
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