Zentral-Dombauverein <Köln> [Editor]
Kölner Domblatt: amtliche Mittheilungen des Central-Dombau-Vereins — 1842 (Nr. 1-27)

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Sie, meine Herren! unsere Absicht nicht vcrkennen werden, wenn wir,
^,Zhre Thätigkeit „zur höchsten Ehre Gottes, zum Ruhme un-'

, seres Vaterlandes und unserer Zeit" in Anspruch nehmenx
/ weil Sie auch besonders durch Jhre Stellung und Jhren Becuf auf-
die Masse des Volkes wirken und dessen Gefühl für alles Edle und
„Gute wecken und beleben können. Bieten Sie, meine Herre»! uns
Jhre Hand, dann dürfen wir eines schönen Ecfolges gewiß sein und"'
die Genugthuung finden, daß der ausgestreute Same, worüber Gol-
tes Segen walte, reiche Früchte bringen wird! Verkrauensvoll beehren
wir uns, Sie, meine Hcrren! zu der auf Mvntag den 8. August
l. I., Nachmittags drei Uhr, in der Wohnung des Wirthes
Herrn Bodewig hiersrlbst, zu dem angedeuteken Zwecke bestimm-
ten Verssmmlung ganz ergebenst einzuladen, und bitten Sie, in Jh-
rem Wirkungskreise Jeden zur Theilnahme an derselben durch Jhre
geneigte Fürsprache zu ermuntern, damit das gesteckte Ziel bald cr-
reicht und der auSgesprochene Wunsch bald verwirklicht werde.

„Bergheim, 8. Juli 1842. Das provisorische Comite:

„Frentz. v. Harf. Sitt. Steven. Urban."

Jm Landdekanate Kerpen hat sich bereits am 29. April d. I. ein
Filial-Dombau-Verein constituirt und elnen Vorstand gewählt, bestchend
aus den Hcrren:

Landdechant Jöcken, Präsident,

Frciherr Georg v. Rolshausen aufSchloß Thürnich,
v. Kraft,

0. Hattingen,

Fricdensrichter Daniels,

Kirchenrcndant Voiß füc die Casscngeschäfte,

Notar Schiffers, Protocollführer.

Die Wirksamkeit dieses Vereins hatte sich bereits der schönsten Er-
folge zu erfceuen, indem einschließlich eines Beitragcs von 50 Thlrn.
von Seiken eines Mitgliedcs die Statt gehablen, noch bei Weitcm
nichl beendigten Einsammlungen bercits den Betraq von 157 Thlrn.
rrreicht haben.

Wir sehen recht bald weiteren Mittheilungcn von den verehrlichen
Filial-Vereinen entgegen, können aber nichtumhin, heute schon unsern
aufrichtigen Dank gcgcn die thätigen Förderer der Vereinssache öffent-
lich auszusprechen und den Wunsch bcizufügen, daß hier wie überall
es de» Bemühungen der sür das Unternchmen begeisterten Dombau-
freunde gelingen möge, die Theilnahme in das Her; des Volkes zu
pflanzen; denn nur wcnn Alle, reich und arm, mit frommer Gefln-
nung die Mittel zutragen, wird das GotteShaus unter dem Segen des
Himmels zur Vollendung gelangen.

„Ein hochlöblichec Vorstand des Dombau-Vereins wird schon aus
Nr. 128 der „Kölnischen Zeitung" d. I. entnommen haben, daß zur
Bildung eines Filial-Vereins ein Aufruf vom bieiiaen Verein füc
Geschichte und Alterthumskunde isi erlassen worden. Nachdem nun auch
ein provisorisches Comite ist gebildet, und die Unterzeichneten zu Mit-
gliedern dcsselben sind crwählt worden, haben wir zwar mit der Samm-
luug von Subscriptionen und Beitragen vorerst nicht geeilt, um dem
Wohlthätigkeitssinne, dcr durch die Sammlungen für die so sehr be-
drängte Stadt Hamburg in Anspruch gcnommen wurde, nicht in den
Weg zu treten; wir haden aber auch keinen Auqenblick das schone Ziel
dieses Unternehmens, für ein so erhabeneS und yeiliges deulsches Bau-
werk, aus dcn Augen verloren, und sind überzeugt, daß der En-
thu>iasmus für dassclbe unter unsern Mitbürgern sich nur steigern
und die Hoffnungen, die uns gleich Anfangs beseclt haben, mehr und
mehr erfüllen werde.

„Wir haben daher auch nicht länger anstehen wollen, einen hochver-
ehrten Vorstand des Central-Vereins von unserm Unternehmen ofsiciel
in Kenntniß zu setzen, und indem wir einige Exemplare des von uns
vcrtheilten Aufcufs hierneben überreichen, iragcn wir gan; ergebenst
darauf an, unsern Verein unter die Hülfsvereine mit aufzunchmen.
Wir werden uns nach den dortigcn Statuten übcrall bemessen, und
über dcn Erfolg unserer Bemühungen demnächst ausführlich Rechen-
schaft geben.

„Ein in unsercr Mitte ausgesxrochencr Wunsch geht dahin, daß
wir eine'Anzähl 'Steinmeben oder andcre nölhige Werkleme zu dem
Bau stellen, und sür diese unsere Beiträge der dortigenDvmbau-Casse
überweisen möchten, damit aus „«njerm. vaterlSMschen Gaue nicht bloß
Geldmtttel, sondern auch werkthätige Hände den hohen Bau fördern
hülfcn. Wic bitteki einen hochlöblichen Vorstand um gefällige Nach-
richt, ob und unter welchen Bedingungen diesem Wunsche viellcicht
cntsprochen werden dürste.

„Möge übrigens Gott das große und herrliche Friedenswerk dcs
DombaueS mit seinem bestm Segen krönen!

„Wetzlar, 8. Juli 1842.

„Provisorisches Comite des wetzlar-wetterauischen Filsal-Vcreins für

„v. Wigand. v. Hantschke. Engisch. Julius. Wolf.
„v. Frobel. Münch. Jäger."

Köln, 22. Juli 1842.

Der Verwaltungs-Ausschuß
des Central-Dombau-Vereins.

Vergangenheit und Zukunt't des Dombauee.

Diefunten folgenden, bei uns cingegangenen sehr erfrculichen Schrei-
ben von Aachen und Wetzlar übergebm wir, da sie für jedenDom-
baufreund von Jnteresse sein werden, der Oeffmtlichkcit:

„Jndem wir uns beehren, dem wohllöblichen Verwaltungs-Aus-
schusse des Central-Dombau-Vereins vor Allem unsern innigsten Dank
für das ebm so freundliche als herzliche Schreiben vom 16. v. M.
hiermit aus;usprechen, glaubm wir im Sinne dieses verehrlichen Schrei-
bens die Versicherung geben zu können, daß unscre Stadt Alles auf-
bieten werde, um unter dm das großartige Unternehmm des dortigm
Dombaues unterstützmden Städten der Rheinprovinz eincn würdigm
-:Platz einzunehmen. Neben dcr Jdee, daß wir in der Förderung des
^Baues des erhabenen Tempels ein gottgefälliges Werk mit aussühren
helfen, findet die andere, daß damit zugleich auch das schönste Denk-
mal der Liebe und Eintracht zwischen zwei in ihren wesentlichen Jn-
, tcressm so eng verbundenen Städkm für alle Zeiten, in Freud' und
l-Leid, erblühm möge, hier nicht weniger Anklang. Es zeigte sich darum
auch, als wir am 18. März d. I. einen Vercin für den kölner Dom-
bau gründeten, von allen Seiten sür das Unternehmen die lebmdigste
Thcilnahme. Die Mitglieder des unterzeichneten provisorischm Vor-
standes, flebenzehn an der Zahl, waren im Begriffe, ihre Mitbürgcr per-
sönlich zum Anschlusse an den hier aebildetm Verein einzulaven, als
durch die Kunde vo'n dem großcn Brandunalücke Lamburas das Ün-
ternehmen von selbst in Stockung gerieth. Wir beabsichtigen aber, das
glücklich Begonnene in dm nächsten Tagen wieder aufzunehmen, und
nach Genehmigung eines Vereins-Statuts zur Einsammlung der ver-
schiedenen Beiträge und demnächst zur Wahl eincs desinitiven Vor-
standes zu schreiten. Die 87 Namm von hiefigen und burtscheider
Dombaufreunden, welche sich dort als Mitglieder schon früher cinge-
zrichnet hatten, werdcn wir unsercn Listen cinverleiben und die Bei-
träge von diesen sammt allen übrigen und einem vollständigen Ver-
zeichnisse der Mitglieder des hiesigen Vereins zur Zeit cinem wohllöb-
lichm Verwaltungs-Ausschusse übermachen. Zedcnfalls werden wir es
unS angelegen sein lassen, AUes möglichst bald zu ordnen.

„Wir schließm mit dem aufrichtigsten Wunsche, daß fich allmthal-
ben, wo die deutsche Zungr klingt, cine dem lebendigen Znteresse, wel-
ches wir für das großartige Unlernehmen in unscrm Herzen tcagen,
entsprechende Theilnahme kund gcben möge.

„Aachen, 12. Juli 1842.

„Der provisorische Vorstand deS Dombau-Bereins:

„Claessen, Stiftspropst."

* . *

Von Zwirner.

(Fortsetzung. S. Nr. 1, 2 u. 3 d. Bl.)

Diese, ursprünglich zur Unterbrechung der großen Fläche angeord-
nete, Wandmalerei war aus denselben Gründen ihrer Entstehung jetzt
herzustellen nothwendig; obgleich ihre Dauer nur von kurzer Zeit sein
dürste, da die ganze Giebelmauer herausgebrochm wecdcn soll, sobald
das vordere Langhaus ausgebaut scin wird. Doch wer vermöchte wohl
diesen lang' ersehntm Zeitpunct vorauS zu bestimmen, nachdcm jene
— nuc sür einen vorübergehendm Aweck, nämlich für dcn Schluß
des Hochchores während der Bauzeit der vordcren unvollendetm
Kirchcnräume, errichtete — Giebelmauer längcr als ein halbes Jahrtau-
send die Kluft zwischen dem Wollm und dem Vollbringen bezeichnete!

Bei dem großen Gedanken, den zum Himmcl anstrebmden Rie-
senbau, woran die Kraft der früheren Jahrhunderte scheiterte, in der
nächstcn Zukunst zur Vollendung zu sührcn, mögen seltsame Gefühle
in dem nachdenkenden Beschauer rege werden, und ihn bald mit an-
genehmer Hoffnung, bald mit bangem Aweifcl über das wirkliche Ge-
lingen eines so großm Wcrkes erfüllcn. Jn unscrem Zeitalter fehlt
es freilich nicht an Unternehmungsgeist für kolossale Anlagm, wie
wir dies im Gebiete der Jndustrie im Allgemeincn, und hier zunächst
an dcn vlelen Eisenbahn-Anlagen schen, welche nach allen Richtungm
hin sich ausdchtien und mi'ttclst gigantischer Bauwerke Berge und
Thäler, Seen und Flüsse überschreitm, um auf dem kürzestm Wege
die mtfernt liegendm Aielpuncte zu verbinden. Millionm werden da-
für in kurzer Aeit zusammengebracht; die Aussicht auf unmittelbarm
Gewinn gibt hiefür eine rastlose Triebfeder, da vielleicht die meistm
Theilhaber an diesem gemeinnützigen Unternehmm auf dessen eigent-
liche Bestimmung kaum achten. Es lieg't aber in der Natur der
Sache, daß durch die so erleichterten Communicationsmittel Handel
und Gewerbe immer mehr belebt, neue Erwerbsquellen in allen in-
dustriellen Zweiqen sich bilden und dcm speculativm Geiste zur Aus-
beute dienen werden. Daher wird es an Geldmiktcln zu solchen Ge-
winn versprechendcn Awecken nie fehlen; aber die zum Dombau er-
fordecliche große Summe crscheint als cin zinsloses, verlorenes Capi-
tal, und aus diesem materiellen Standpuncte betrachtet, möchte also
für dcren Aufbringung wenig Hoffnung bleiben. Blicken wir aber in
die Geschichte, so sehm wir, daß überall, wo Handel blühte, auch
Kunst und Wissenschast gedeihliche Pflege fanden, wie dies selbst die
Gegenwart auss Ncue bekundet.

Der zeitgcmäße Standpunct der «issenschaftlichen Bildung übt auf
den Bolksgeist wesentlichen Einfluß und weckt ein Bedürfniß für
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