Zentral-Dombauverein <Köln> [Editor]
Kölner Domblatt: amtliche Mittheilungen des Central-Dombau-Vereins — 1842 (Nr. 1-27)

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ganzen gebildeten Mrnschhrit an, habe er überall seine Heimar, wo
man seine hobe Schönhcit empfinden und sich derselben erfreuen könne.
Hier zu fördern und zu helfen, müsse den Gebildeten aller Nationen
gestatket sein. Ein ferneres Unrecht liege endlich auch dadurck in der
Ausschließung des Nichtdeutschen, daß man den Zweck zum Mittel
umwandle. Nächster Zweck unsereS Vereins sei Fortbau und Vollen-
dung des Domes, nicht Kräftigung und Verherrlichung deutscher Na-
tion; und wie sehc es auch gewiß ;u des Vaterlandes Stolz und
Freude gereiche, diese Krästigung und Verherrlichung gleichzeitig mit
erreicht zu sehen, so dürfe dadurch doch der Zweck selbst nicht zum
bloßen Mittel werdcn. Zu Gottes Ruhm und Ehre hätten die Väker
das Werk gegründet, und diesec Bestimmung müsse es vor allen Din-
gen rein und unversehrt erhalten werden. Uebrigens bürfe man ja
fest vertrauen, daß die Liebe zum deutschen Vaterlande, der Gedanke,
daß es deutschcr Boden, worauf das herrliche Gebäude stehe, daß es
Deutsche waren, welche die riesenhafte Concepticn zuerst rn ihrer Secle
auffaßten, das deutsche Volk odnchin an die Spitze des Vereins stel-
^len und erhalren werde. Endlich sei es im Jnteresse des Vereins woM
! zu bedenken, ob nicht Deutschland im schönen Bunde mit der übrigens
gebildeten Welt dennoch mehr vermöge, als in seiner Abschließung
i^nd Vereinzelung. Und wenn auch das große Ziel dcr Vollendung b«
einer solchen Abschließung zu erreichen stehe, größcr und eines edelss
Volkes würdiger erscheine cS doch jedenfalls, den Ehrenpreis in einer
fceien Concurrenz mit dem Streben und der Begeisterung der ganzen
gebildeten Welt davon zu tragen. Nicht vereinzeltes, sondern schönes
Wirken sei wahrhaft verdienstlich, und das wahrhaft Verdienstliche
zcichne sich, um das echl deutsche Wort eines großen Deutschen zu
zu wiederholen, geradc dadurch auS, daß es der ganzen Menschheit
migehöre und zu Gute komme.

Das Resultat war, daß man die Ausschließung des Nichtdeutschen
als unrecht und ungeeignet verwarf, wobei man zum Schlusse auf
das Statut zurückkam, wonach durch königliche Sanction bcreits fest-
stehe, daß Jeder, ohne Ausnahme des Ranges und Standes, Ge-
schlechts und Volkes, durch einen Jahresbeitrag von cinem Thalcr ws
jpso Vereins-Mitglied sei.

Bei der fernern Frage, ob der Nichtdeutsche wie der Deutsche auch
zur Theilnahme aufzusordern sei, ist zunächst des Aufrufs des Ver-
eins-Vorstandes gedacht worden, worin es heißt: Religion, Vaterland,
Kunst, sie rufen mit vereinter Skimme! Eine eigentliche Discusston
hat die Frage noch nicht erlitten.

Filial-Vereine. Die Besprcchung über diesen Gegenstand be-
schränkte sich Anfangs auf den Anschluß der rheinischen Filial-Ver.
eine. Es wurde geäußert: ob nicht der Herr Coadjutor gebeten werden
folle, die Pfarrer und Dekane zur Bildung solcher Vereine besonders
anzuregen, — wozu andercrseits der Wunsch ausgedrückt ward, in ähn-
licher Weise die Vermittelung dcs Herrn Ober-Prästdenten bei den
Localbeamten in Anspruch zu nehmen. Das führte zu der allgemeinen
Frage: ob und in wie fern die Mitwirkung der Beamten, als sol-
cher, wünschenswerth oder angemeffen sci. Äuf dcr cinen Seite wurde
grsagt, daß der Beamte — Landrath, Bürgermeister u. s. w. — an der
Spitze dcs BezirkS, der Gemeinde u. s. w. stehe, daß cr durch diese
seine Stellung cines Einflusses auf die Einwohner gewiß sei, daß
ihn gewinnen auch meist den Amtsbezirk gewinnen heiße, und daß,
von dem Beamten systematisch abgesehen, cs außerordcntlich schwer,
wenn nicht unmöglich sein würde, in der weitern Fecne zur Grün-
dung und FLrderung der Hülfs-Vereine die geeigneten Personen aus-
findig zu machen. Nuf der andern Seite hieß es: Die wahre und
aufrichtige Liede zu dem Vereinszwecke sei von sonstigen Lebensverhält-
nissen und Qualifi'cati'onen gänzlich unabhängig, und nur sie könne
zur Bildung und Frstigung von Hülfs-Vereinen besonderes Vertrauen
erwecken. Läge dem Beamten die Sache wirklich am Herzen, so würde
sich dieS schon zu erkennen geben, und dann doppelt auf ihn zu ach-
len sein; wäre das aber nicht, so dürfte der Gleichgültigkeit und Un-
empfindlichkeit dcs Menschen ducch die Bcamten-Qualität nicht crst
aufgeholfen werden. Die Sache sei rein und heilig, man möge
ihr diesen Charakter bewahren. Nichts würde der Nusbreikung und
Andauer einer wirklichcn und wahrhgftigcn Begeiiierung nachtheiliger
ein, als eineHmtlichr, Uniformirung. j Wenn irgend wo, so sei hier

Vereins überlassen bleiben. Geschehe dies, st würden die Vortheile der
Personen in amtlicher Stellung groß sein, ohne daß Nachtheile dieser
Stellung empfunden würden. Der Beamte, dcr, vom Vorstande er-
sucht, sich des Hülfsvereins thätig annähme, würde dies mit allem
Einfluß seincr Stellung thun, ohne um deßwillen in einer anderen
Eigcnschast, als der eines Vereins-Freundes, aufzutreten. —Diese An-
>sicht erfreute sich des meisten Beifalls; für entschieden wurde die/-

vr.st.rulr slu- vrv mrijlrll ^rlsuuv, sltl rulsu-lrvrll lvurvr ore
IFrage aber keineswegcs gehaltcn; gegenwärtig liegt sie dem Vorstande/
rzur Entscheidung vor.

r. ^ c._. ^ _ ....

Das hamburger Unglück. Ueber die Hülfeleistung, die wir un-
serer schwer getroffenen Schwcsterstadt zu gewähren hatten, ist hier
nicht erst gesprochcn worden. Als wir uns zur festgesetzten Zeit gesell-
schaftlich versammelten, hatte die ganze Stadt bereits gehandelt, und
es blieb nur noch übrig, eines Thcils, des Dombau-Vereins-Vorstandes,
der sich bei der ersten Kunde des UnglückS als HülfS-Verein für Ham-
burg constituirt und mit so sichtlich gesegnetem Erfolge gewirkt hatte,
dankbar zu gedenken, und andcren Theils Bestrebungen mit gerech-
tem Bedauern zurückzuweisen, die, unter dem Vorgeben einer ganz
besondern Tbeilnabme für Lambura. an der Aufrichügkeit ihres Wi-
derwillens aeacn den kölner Dombau krincn Zweifck' ließen. Man war
im Voraus gewiß, daß diese Stimmen machtlos verhallen würden.

und konnte sich so des ungetrübten Bewußtscins erfreuen, daß ein Volk,
welchcs sich des Unglücks einer einzelnen Stadt mit solchcr herzlichen und
allgemeinen Theilnahme angenommen hatte, auch der Vollendung des
herrlichstcn Ehren-Denkmals des ganzen Landes würdig und fähig sei.

Dann bleibt noch anzuführen, daß Herr Professor Kreuser uns
an mehren Abenden über die svmbolische Bedeukung des DomgebäudeS
angenehm unterhalten, und dadurch zu dcm seitherigen Gedeihen der
Ecsellschaft auf das dankenswertheste beigetragcn hat.

Jn diesen Bemcrkungen wird das Hauptsächliche dessen, was uns
bier vereinigt und bisher verbunden gehalten hat, kur; wieder holt
sein. Fügen wir ihnen den Wunsch bei, daß sie geeignet sein mö-
gen, unsere Mitbürger von dem Wünschenswerthcn und Nützlichen
einsr Gesellschast, wie die hier bezweckte, zu überzcugen, und
ducch dieft Ueberzeugung ihre größere Ausbreittuig und sorkschreitende
Ausbildung zu vttbürgen Unserr Stadt ist reich an guten Ma-

zrr

terialien der mannigfaltigsten Art; es kommt nur darauf an, sie
sammeln und nutzbar^zu machen, und dazu bietet eine Gesellschaft,

Dsmes einen f»

strebsamm Handwerker gleich willkommen heißr. die beste Geleaenkeit.

Halten wir dieftn Zweck fest'im Auge, ffchift'ßen'wir von unftren Er-

Freiheit und 'eigener Entschluß nöthig, und allcS, was an mechanische
Eincichtung streife, müsse von vorn herein beseitigt werden. Zwischen
beide Ansichtcn trat dann vermittelnd folgende ein: Der Geistliche
fti hier als Beamter nicht anzufthen, da er, wie auch der Herr Coad-
jutor ftlbst sich ausgesprochen, geborener Mithelfer, ftine Theil-
nahme also zunä'chst Gewissens- und Standespflicht sei. An die Geist-
lichen möge man sich demnach immer vertraucnsvoll und zuerst wen-
den. Es dürfe nicht angenommen werden, daß sie nicht ihren ganzen
Einfluß zum Besten dcs Vereins mit Freuden verwenden sollten. Was
dagegen die Beamten, als solche, betreffe, so seien die Vortheile ihrer
Stellung zum praktischen Zwecke unmöglich zu verkennen, wenn cs
andererseitS auch eben so klar vorliege, daß ein amtliches Guberni-
rtn und Einrichten mit der Jdee des freien Liebewerkes verfeindet seü

Man möge also davon abstehen, den Herrn Ober-Prästdenten um ein
> Aufbieten der unteren Beamten zu bitten, und es auf diese Weise ver-
' meiden, daß dieselben Zügel, welche die Local-Verwalkungen leiten,
auch die Hülfs-Vsrein- zu leiten schienen. Es könne ein desfallsiqes
Einwirken auf einzelne Personen lediglich dem Vorstande des Central?

dis in der geistigen Mithülfe beim' Ausbau unftres Dsmes einen so
fthönen Zweck hat, und die jeden, dem die Erreichung dieses Zweckes
,am Lerzen liegk. den Künstler und Grlehrten wie den Kaufmann und

örterungen unnachsichtlich aus, was ihm nicht angehört, streben wir,
Jeder nack Krästen, nicht bloß uns angenehm zu unterhalten, sondern
uns durch die Unterhaltuna qeqenseitiq zu föcdern, fahren wir fort,
dabei jenen Geist des Ernstes zu nähren,^den wurdäge Bcstrebungen
nie verlieren dürfen: so können wir uns überzeugt halten, daß die
Wi'rksamkeit der Geftllschast dem Vereinszwecke zu wirklichem und
bleibendem Nutzen und uns selbst zu großer Freude gereichen wird;
ja, wir mögen uns der Hoffnung hingeben, in dieftr Gesellschaft den
schönen Anfanq eines erhöhten geistigen Lebens für unsere Stadt ge-,

funden zu haben.

Lorretpon-en; - Nachri cht.

München, 19. Juli. Bei der Vercinscasse für den kölner Dom-
bau im Kreise Oberbaiern sind im 1. Semestec 1841—42, nämlich
bis Ende Juni, 6324 fl. 48 kr. eingewieftn wocden; cingcgangen wa-
ren bis dahin 3037 fl. 48 kr., sohin noch zu perci'pircn: 3287 fl.,
von denen ftit 1. Juli etwa 1000 fl. eingegangen sind. An die Haupt-
casse (Haus Eichthal) wurden bis letzten Juni 2800 fl. baar abgeliefert.
Uebrigens ist zu bemerken, daß noch Einweisungen erwartet werden, so daß
sich die Beiträge im Kreise Oberbaisrn wohl auf 7000 fl. bclaufen werden.

Der deutlche Dombau *).

Baut nur und fügt dre Sterne, wohl den Sternen,
Führt hoch dre Pferler, sprenget weit dre Bogcn.
Und laßt zuletzt am Lhurm emporgezogen
Den Wolken nah das goldne Kreuz erschernen.
Es gilt nicht todte Maffen nur zu ernen:

Sie morschten, als der Geist hinweggeflogen.
Jhn gilt es aus der Zeiten Sturm und Wogen
Zurückzuführen in das Haus der Seinen.

Drum rcgt und rührt Euch weit umher im Sande,
Laßt Art und Hammer überall erschallen
Bom Belt heran bis nach der Jsar Etrande.
Dem Geist der Eintracht bauen wir die Hallcn,
Ein Volk von Werkgcsellen «nd von Mcistern,
Deutschland drin zu versammeln, zu bcgeistern.
München, 4. Juli 1K1S.

Dieses Gedicht ist der Redactions-EommiMon durch die
telung dcs Hrn. S. Boifferöe aus München zugegangen.

Fr. Lhiersch.
gütige Bermit-

Verantwortlicher Herausgeber: Jos. DuMont.

Druck und Commissions-Verlaq des Verlegers dcr Kölnischen Zeitung,
M. DuMont-Schaubcrg.
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