Zentral-Dombauverein <Köln> [Editor]
Kölner Domblatt: amtliche Mittheilungen des Central-Dombau-Vereins — 1855 (Nr. 119-130)

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ser nur 3 Fllß 7 Zoll hohe Kranzgesims bildet dle einzkge durchgt-
hende Horizoutal-Bcrdindung über den 55 Fuß hohen Gpi'Hbvgen-
Fenstern, welche die Umfassunge-Mauern luftig durchbrechen unL sie nun
alS einen schwachen Pfeilerbau erscheinen lasseo. Denn Lie Gcsammthöhe
Lieser biS znm Fußbvden der Kirche heruntergehenden Pfeiler beträgt im
Ganzcu l5v Fuß, und außer jencm KranzgesimS kommt nur r.vch eine
Horizontal-Bcrbinduog in dem Lriforium oder in der mittleren, sehr
leicht durchbrocheoen Galeric vor.

Große Sorgfalt mußte daher auf die Construction Les obersn Kranz-
gesimfes gcrichtet werden. Die Werbindung Ler großeu Schichtsteine gc-
schah mittels eiserner Klammcrn, welche im erwärmten AustanLe in Lie
vorgehaueneu Steinlöcher eiugeseHt und mit natürlichem Asphalt rings-
um vergosse» wordeo sind, so Laß hicdurch jeglicher Zutritt von Sauer-
stoff abgehalten und so der OxyLation des Eisens für immer vorgebcugt
ist. Dergleichen Steiu-Berbindungen mitEisen in vollem LsPhaltguß
haben beim Domban seit zwölf Jahren vielfache Anweodung gefunten
und flnd sehr zu empfehlen ; uur darf man sie nicht äußerlich anwenden,
indem dadurch uicht uur das gute Ansehe» gestört, sondern auch durch
die Einwirkung abwechselnder Sonneostrahlea der Asphalt teweglich
wird. Alle anderen Füllmittel zum Ausgießen der Stcinklammern in Stein,
alS: Kalkmörtel, Gyps, Schwefel, und selbst Blei, haben sich, wie an-
dcrwärts, auch am Dome nicht bewährt; überall tießen sie die Lxydation
Lcs Eisens zu und fprengten durch die Ausdehnung seines Wolumens
die Steine aus einander, wie diescs an dcn altcn Gebäudetheilcn des
Domes vielfach wahrgenommen werden kann. Wv daher in neuercr Zeit
Asphaltguß nicht angebracht wcrden konntc, hat man sich statt des Eisens
der Bronze zu den Stein-Bcrbindungen bedient nnd die Löcher mit
Blei ausgegessen. Bevor wir dieseS so construirte Kranzgesims, welches
i» seiner hohen Lage am Dvme wie ein fciner Streifen erscheint, ver-
lassen, möchte es Loch von Jntercsse sein, anzuführcn, daß deffen Her-
stellung auf dem Lang- und Querschiffe rings um den Dom etwa 25,000
Lhalcr gekostet hat, worunter jedoch die beiden schvn früher gefertigten
Pvrtalgesimse auf der Süd- und Nordseite des Domes enthalten sind.

Nicht minder kostspielig war der Aufbau der Wrmberge oder
der GiebelfrontonS üver deu Fenstern des Lang- und Querschiffcs.
Sie bilden kunstreiche Baldachine in ihren kräftig gegliederten aufstei-
genden Giebelgesimscn, auf ihren Abdachungen mit Krabben (Crvchets)
bcsctzt und oberhalb mit reichen Kreuzblumen gekrönt, während die inneren
Giebelselder mit fogenannten Spinngeweben von feinem
Maßwerk in strahlen- und sternförmigen Figurcn zierlich ausgefüllt
sind. Die künstliche Bearbeitung und die schwierigen Steinschuitte verur-
sachten große Kosten.

Avf dcr Südseite deS Langschiffes sind 6 Fenster mit der-
glerchen Wimbergen vollständig hergestellt und gewähren Lieser Fayade
eine» überaus sublimen Schmuck, der nur an wenigen Kathedralen in
solchem Reichthum anzutreffen ist.

Auch am südlichen Querschiffe sind 6 dergleichcn Wimbcrge,
mit Ausschluß der Kreuzblumeu, aufgebaut, welche leHtere wegen dcs
mangelnden Baugerüstes hier noch uicht aufgerichtct wcrden konnten-

Swischen je zweieu solcher Wimbergs erhcbt sich über dem Kranz-
gesims eine 33 Fuß hoch aufsteigende schlankeFiale vder Py-
ramide, alS organischcr Ausläufer Ler Fensterpfeiler entwickelt. mehr
zur Aierde alS zur bestimmungsmäßigen Welastung jener Pfeiler dienend.
Jm südlichen Langschiffe sind LiefeFialen sämmtlich voll-
ständig aufgebaut, wozu ein fliegendes hohcS Bvckgcrüst über dem
160 Fuß hohen Baugerüst angelegt und auf Eiscnbahn-Schienen hin-
und herbewegt worden ist. Das Aufziehen und WerseHen der Steine mit-
tels Lieser küustlichen Maschinerie sah äußerst gefahrvoll aus, crfolgte
jedoch mit ziemlicher Leichrigkeit ohne Unfall. Da tieses Bockgcrüst noch
auf der Rordseite dcs Domes gebraucht werden mußte, so kounten die
Fialen auf den Querschiffen in den oberen Lheilen »icht
aufgerichtet werden. Jndeß sind dazu die Steine behaue», auch bereits
die unteren Schichten bis zur Oberkante der, über dem Kranzgesims 9
Fuß hoch aufgebauteo, Brüstu u gs-Ga lc rie aufgerichtet worden.
Letztere al» AuSfülluug der Räume zwischen den Fialen «nd Wimbergen
dienen hauptsächlich zum Schutze der Passage über de» Dachrinnen, welche
dahinter verdeckt angebracht werden-

Bor Allem aber bieten fie, im Zusammeohange mit den Fialen und
Wimberge», in ihrem leicht durchbrochenen Glieder- und Spitzbogen-
Stabwerk eine äußerst zierliche Echlußkrönung des Mittel-
schiffes dar. Auch im Querschiffe find diese Galerieen bereits aufge-
baut, mitAusnahme des letztenKeldes amPortalgiebel,
zu dessen Errichtung die Anlage eines künstlichen Hauptgerüstcs nöthig
und erst uach seiuer Wiederabnahme die Ergänzung jener Galerie zu-
lässig ist.

Rach dem Dombau-Bctriebsplane svllte auch schon eiu Lheil dieses
Port al-D ach g iebel s in 1854 aufgestellt werden, und waren hierzu
bereitS zu Anfang des Jahres 1853 die Steiue in deu Steinbrüchen iu
Würtemberg in Auftrag gegeben worden. Der sehr kleine Wasserstand
im Herbste desselben Jahres, so wie der lange andauernde Winter und
die ungewö'hnliche Lrockniß in dem darauf solgenden Frühjahre hemmte
indeß die Schifffahrt auf dem Neckar fast gänzlich, und erst um Mitte
Juni v. I., also nach einer mehr als halbjährigen Unterbrechung, trafen
die ersten Steinlieferungen aus Würtemberg auf der Dombaustelle wieder
ein. Um dicse Zeit waren Lie großen Steinvorräthe hier so erschöpft,
daß eine gänzl'che Stockung der Bauthätigkeit dadurch einzubrechen drohte.
Um daher für die Fvlge dergleichen Störungen vorzubeugen, mußte auf
Heranziehung noch größcrer Steinvorräthe Bedacht genomme» und, wegen
der hicrzu uöthigen FondS, der Aufba« des Portalgiebels ausgesetzt
werden.' Jndeß find dazu viele Skeine während dicses Wioters bereits
zugehauen worden, so daß sie mit dem Anfange des Frühjahres, nach
Aufstellung des dafür erforderlichcn künstlichen Baugerüstes, versetzt
werden könneu.

Die Restaurations-Arbeiten an der südlichen Chor-
flügel-Mauer wurde», so weit es mit den Neuarbeite» zu vereinigcn
war, unter sehr schwierigen Berhältnissen vorgenvmmen und könne» erst
im Lanfe dieseS ncueu Baujahres vollendet werdeu.

Dagegen find im Jnner» deS Laug- uud QuerschiffeS die
Haupt-Gurtbogen aufgestellt und übcrmauert worden. Dieselbeu
bilden die wesentlichsteu Haupt-Co nstructio neu deS Mittel-
fchiff-GewölbeS und siud sämmtlich aufgerichtet, mit Ausnahme
der beiden Längengurte in der Kreuz vieru n g, woselbst sie znrückblei-
ben mußteu, indem deren Constructivn von dem projectirten Aufbau des
Mittel-Khurmes abhängig bleibt, über dessc» Ausführung die Allerhöchste
Entscheidung noch zu erwarten steht.

Auf dcr Westseite des Dvmes wurde für Königliche
Rechnung der Fortbau Les nördlichen Khurmes, innerhalb
der im Baubetriebs-Plane bestimmten engen Gränzen, vorgenommen. Nach
Ler Allcrhöchsten Destimmung Seiner Majestät des KönigS soll nämlich
für den Khurmbau jährlich nur etwa der sünfte Lheil der zum Ausba«
des Don es bewilligten Staatsfonds verwendet werden. Der überauS
große Reichthum der architektonischen Formcn und Gliederungen, in Wer-
bindung mit dcn schr umfangreichen Stcinmassen, läßt daher die Fort-
schritte nur sehr mäßig erscheinen. Am Jahresschlusse 1853 waren bereits
die Mittelhalle, so wie die Seitenhalle vollständig eingewölbt worden;
über denselben sind nun im Iahre 1854 Lie Anfänge der Krönungsgiebel
angelegt und die kolossalen Constructionsmassen horizontal ausgegliche»
worden bis zur Höhe dcr Capitäle Les Mittelpfeilers. Auch wurde der
nördliche Seitenpfeiler deS Khurmes an der Nebenhalle biS
zu jener Capitälhöhe, im Ganzen 42 Fuß hoch, mit seinem rcicheu Glie-
derwerk fortgesetzt.

Anf drr Nordseite des Domrs tvurden die Bauarbeite« für
Rechnuug des Ceutral-Dombau-Dereins planmäßig vorgenommen.

Jm Jahre 1853 waren Lieselben wegen Mangels an Fonds gege»
die gleichnamigen auf der Südseite, für Königliche Rechnung gefö'rderten
Bautheile zurückgeblieben.

Namentlich wareo die großenFensterauf der Westseite des
Qu erschiffes noch nicht vollständig überwölbt, und der ganze, sehr
massenhafte und daher kostspielige Ueberbau derselbcn blieb noch nach-
zuholen. Lctzteres ist demnach erst im Jahre 1854 erfolgt; außerdem
sind hier die Bauarbeitcn so kräftig gefördert worde», daß sie mit den
oben bcschriebenen neuen Bautheilen auf der Südseite des
Domes ganz symmetrisch hergestellt werden konnten. Ohne die Be-
schreibung Lieser Arbeiten, welche für die Südseite bereits näher ange-
geben sind, hier specicl zu wiederholcn, möchte es genügen, fie nur im
Allgemeinen übersichtlich hier anzuführen.

Das Kranzgesims auf der Nordseite über dem Lang-
und über dem nördlichen Querschiffe ist vollständig auf-
gelegt; die Wimberge über Leu Fenstern des Langschiffes,
mit den inmitten befindlichen Fialen und Galerieen, sind
ebenfalls vollendet uud am nördlichen Querschiffe ge-
rade so weit aufgebaut worden, als es an dem südliche»
Querschiffe der Fall ist. Gleichfalls mußre aus den dort angege-
benen Gründen der im Wetriebsplan vorgesehene Aufbau des nördliche»
Portalgiebels auf die Worbcreitung dcr^ Lafür erforderlichcn Hau-
steine beschränkt wcrdcn. Die an Ler nördlichen Chorflügel-
Mauer vorgenommenen RestauratiouS-Arbeiten waren abcr vo»
weit größerem Umfange, als an der södöstlichen Chorflügel-Mauer, und
haben hier die Pfeil.r und Fenster fast ganz erneuert werden müssen.

Diese äußerst gefahrvollen ui:d schwierigen Operationen sind noch
nicht beendigk und niüffen dahcr im nächsten Banjahre fortgesetzt werde».
Der im Mittelschiffe und Querschiffe cingewölbten Haupt-Gurtbögen
ist schon vben Erwähnung geschehen. Die für getrenute Rechnung auf
der Nord- «nd Südseite aufgeführten Bautheile fanden i» den eingefüg-
tcn Dchlußsteinen der H a u p t-Gu rtb ö g en ihren Bereini-
gungspunct; was bei allen Dauleutcn ein sehr freudiges Gefühl er-
weckte uud die Hoffnung auf eine glüüliche Vollendung der Gewölbe vo»
Reuem belebte.

Bevor jcdoch die Gewölbe selbst ansgcfuhrt werden können, ist «S
nothwendig, die zu ihrer Stabilität erforderlichen Lußercn Strebeböge»
aufzubauen, wie solche am hohcn Chore angebracht sind. Denn ohne
dieselben wurdeo die sehr Hohen, wenig standfähigen Umfassungs-Mauer»
des weite» Mittelschiffes vcrmöge dcs Seitenschuds der Gewölde aus eiu-
auder gedruckt werde». Bei der sehr geringen Stärke dieser aus schwir-
chen Pfeilern und weiten, hohen Fenstern gebildetcn Umfaffungß.Maner«
waren selbst dei ihrem Anfbau Lie Schwankungen so bemerklich, daß fie
eine correcte Lusführung im Wersetzen der Hausteine erschwerteu.

Es mußten daher stab il e Berstrebu ng en aogebracht wer-
den, welche gleichzeitig noch anderen Constrnctions-Bedingnnge» zu ge-
nügen haben. Die dazu iu Anwendung gebrachten hölzerncn Balke«
dienen nebenbei alsdurchgehende Anker zum Zusammenhalten der
Gewölbpfeiler, wodurch es allein möglich geworden ist, die oben gedach-
ten Gewölbgurtuugen einzusetzen «nd die hiefür nöthigen Lehrbö'gen, un-
adhängig von dem unteren Hauptgerüste, auszustellen. Um dei der be-
deutenden Länge der Ankerbalken ein Durchbiegen z« vcrhüten, siud
dieselben mit Sprengwerken so verstärkt worden, daß sie zur Uuter-
stützung des weiter hinaufreichenden Baugerüstes dienen- Dasselbe sollte
bekanntlich durch die Construction des über dem Lang- und Querschiffe
im Jahre 1848 errichteten Nothdaches getragen werden und war dem-
nach mit letzterem in Berbindung ausgebaut worden. Da aber die Ge-
rüsthölzer über dem Dache ohne Schutz gegen die Einwirkungen Ler Nässe
angebracht werben mußten, uud das dazu verwcndete, hier allgemei»
übliche Lanven-Bauholz keine laoge Dauer versprach: so hatte der Un-
terzeichuete bereits im Iahre 1850 auf das Bedenkliche dieser sehr kost-
spieligeu Hülfs-Coustruction ausmerksam gemacht und die Herbeischaffung
größerer Baufonds znr Beschleunigung des Baues als nvthig erachtet,
um nicht ein so kostspieliges Baugerüst eroeuern z« müssen. — Hatte»
fich auch i» Folge dieser Darstellung die Dombau-Bereine bemüht, größere
Beiträge zu sammeln, und folgten auch auf den, die Dombau-Sach« den
Diözesanen dringend anS Herz legenden Hirtenbrief Seiner Eminenz des
Hochwürdigste» Herrn Erzbischvfes vo» Köl», Cardiuals von Geiffel, vvm
18. Februar 1851 reichlichere Gaben: fo waren sie doch nicht hinreichend,
um den sehr kvstspieligen Dombau fo zu beschleuuigen, daß derselbe biS
zu der bezeichueten Gränze in dem kurze» Zeitranme gefördert wcrden
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