Zentral-Dombauverein <Köln> [Editor]
Kölner Domblatt: amtliche Mittheilungen des Central-Dombau-Vereins — 1862 (Nr. 203-214)

Page: 48
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/koelnerdomblatt1862/0048
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
bereit find, die Dinge nach ihrem wahren. bleibenden Werthe zu bezahlen.
Tanz inSbesondece absr ist eS von den Vorstehem dsr Kirchen zu erwar-
ten, daß sie fich von dem vorstehend bezeichneten SuruS fecn halten, damit alleS,
waS dem Gottesdienste gewidmet werden soll, echt und recht sei. Fehlt eS an
Mitteln zuc Beschaffung eineü kostbaren StosseS, so wähls man jedenfallS
einen dauerhaften. der seine Raiur nicht zu verläugnenbraucht, und ver-
leihe demselbsn daS G-wcäge echter Kunst; daS traurige, auf Täuschung
becechnete Surrozaten-Unwcsen aber bleibe stets dem Heiligthum ftrn!

8.

Zwei Urkunden

des Erzbischofs Conrad von Hochstaden.

Mitgetheilt von Z. 3- Merlo.

Neben dem, waS die alten Chronisten über den gewaltigen Erzbischof
von Köln berichten, durch dessen überwiegenden Einfluß im römisch-deutscheri
Reiche drei Gegenkönige nacheinander auftraten (Heincich, beigenannt Raspe,
Wilhelm von Holland und Richard von Cornwall), find in jüngerer Zeit
eine Menge Urkunden veröffentlicht worden, welche von vereinzelten That-
sachen aus dem Leben deSselben Kunde geben und damit zugleich die interes-
santesten Zeugnisse und Aufschlüsse übec Zustände und Einrichtungen dama-
liger Zeit dem GeschichtSfreunde vorführen. Die Werke Kcemer's, Günther'S,
und ganz besonderS deS um die GeschichtSforschung unsereS engeren, nieder-
rheinischen DaterlandeS so hochverdientsn ArchivratheS Sacomblst in Dissel-
dorf enthalten eine beträchtliche Anzahl solcher schätzbaren Tocumente. Wir
hätten fteilich daS von dem Licentiaten beider Rechte P. A. Bossart herauS-
gegebene, mit Urkunden-Belegen reichlichst auSgestattete Werk: Seeuris Ȋ
rsälesm posit», voranzustellen gehabt, wenn demselben nicht der Vorwurf
abfichtlicher Entstellungen anhaftete.

Conrad, angelangt aus dem Höhepuncte seiner weltlichen Größe und
Macht, trachtete dann auch nach einem Ruhme edlerer Art, einem Ruhme,
der noch jetzt nach mehr alS sechS Jahrhundecten seinen Namen strahlend
umgibt. Ein zweiter Salomon wollte er werden, den schönsten Tempel der
Chnstenheit beschloß er dem Herrn zu erbauen. Die Koelhof'sche Chronik von
Aöln (1499 gedruckt) berichtet darüber:

,Jn dem Jahre unseres Herrn 1248 begann Bischof Conrad, weil
er sehc auS dec Maßen reich war an Gold, Silber und Edelgestein,
so daß er ftinen Schatz für unverzehrlich und unerschöpflich hielt,
große köstliche Dinge mit Bauen und mit Kaufen.

.Er ließ beginncn den großen, köstlichen und ewigen Bau, den
Dom, der nun zur Zeit im Zahre deS Herrn 1499 noch täglich
fortgebaut wird. Und der genannte Bischof legte den ersten Stein
auf unserec lieben Fcau Himmelfahrt-Abend in dem besagten
Jahre.'

Bei dieser nächsten Beziehung Conrad'S zu unserem Dombauwerke dücste
eS nicht an ungeeigneter Stelle ssin, wenn die nachfolgenden beiden noch
ungedruckten Urkunden, welche dec Erzbischof in den letzten Jahren seines
thaienreichen LebenS auSgestellt hat — er starb 1261, — in diesem Blatte,
nach den Originalen wiedergegeben, ihre erste Veröffsntlichung findcn.

Die ältsre derselben ist vom Jahre 1258, auS Neuß datirt, woselbst flch
der Erzbischof damalg befand. Sie verkündigt die Tntscheidung über das
streitige AbhängigkeitSverhältniß dsr Erben einec gewiffen Aleydis von Wa-
laken, indem fie feststellt, daß dieselben Ministerialen der kölnischen Kirche
seien:

„Oonraäus clsi Arutia sanots Oolonisnsis eeolsslo uroliis-
piseopus xtnlis nroftioanoelluriuL IVotum fuoimus uniuersis
UtteruM duno uisuris czuoil ouin üäelis noster Rsinuräus*)
vuxiker Iionstaäeneis soultstus Lertrensig Iiereäes oliru sls;'-
äis äe IValaken inpeterst supsr dvnis czns ips» äsosäsns
reliczuerut duo äs oausu czuoä ipsa st sius xueri esssnt mun-
vixi» nostre Ourtis, Lvontrario uutem ipsi nsserersnt ss st
sue proxsniei oonsÄNAuinsos esss nostrs ministeriÄles soole-
sis. tsnäsm oum donu ipsius Oupiksri uoluntuts prekuti ds-
reäss pro se st omnibus illius propaAinis ssn Unss oonsun-
Auinsis odtivuerunt ius suum ministeriuls in nostra et mul-
torum prssenoia per iurumsnts, donorum uirorum minislsriu-
lium nostrorum st osrta tsstimoniu ueritutis Kos ituczus
ipsos äs oetsro oupientes iurs ministsriuli Zauäsrs littsrum
nostram ipsis truäiäimus in tsstimonium supsr so, Outum
Uussis uuno äni. dl° oo° l-°>°vilj, vi° ^äus äunij."

Die jüngere ist zwei Jahre später (1260) zu KLln gethätigi, woselbst
damalS noch die bischöfliche Residenz war. Jn ihr bestätigt Conrad dts LoS-
gebungen, welche sein verlebter Bruder, Graf Lothar von Hochstaden**), zu
Gunsten der Abtisstn und deS Klosters zu Eppinghoven bei Neuß, Cister-
cienser-OrdenS, bewilligt hatte. Neben den Befteiungen im Allgemeinen wird
inSbesondere ein gewisser LutbertuS, Bürgcr von Ncuß und Bruder deS dor-
tigen CanonichS Lambert, erzbischöflichen ClerikerS (womit hiec wohl die
Eigenschaft eineS SchreiberS oder SecretariuS bezeichnet werden soll), aus
dem HörigkeitS- oder LehenSverhältnisse zum Grafenhause enthoben und ihm
und ftinen Erben die biSher wegen eineS AckerhofeS demselben geleistete
Huldigung erlassen:

*) Jn einer Urkunde Theodcrich'S, älteren SohneS deS Grafen von Cleve,
vom I. 1255 ist er unter den Zeuaen alg „Lsiuarä äs Läsrag mllss"
— in einer anderen dcS ErzbischofS Conrad vom I. 1259 wiederum
als Zeuge mit der Bezeichnung „Reiusräus äs Läsrna äaxiksr
Sonstaäsusis" genannt. (Lacomblet, Urkundrnbuch. II, 419 und 470.)

**) Nach dem Tode seiner beiden Söhne wurds sein Bruder Fciedrich,
Pcopst zu Xanten, Ecbe der Grafschaft Hochstaden. Di-ser refignirte
am 16. April (nicht 39. März) 1246, indem er die Grafschaft Hoch-
staden nebst den Schlöffern Are, Hart und Hochstaden mit allen ihren
Zubehörungen dem heiligen PetruS und dcr Kicche von Köln schenkie,
Nur eine Nente von 60 Mark behielt er stch füc seine Lebensdauer
vor, nach seinem Tode solle dieselbe an daS Domcapitel fallen und
eine Memorie damit gestiftet ftin.

„Oonraäng äei Aratia sanots Oolollisnsis eoolesis Krokio-
xisoopus. Italie ^rolüoanoeULrius. iösotnm knoimus vninersis,
cznoä iUIns oonoessionom lidertntis. sen inänlti (znsm keoit
äilsotns Oermanns nostsr I-otks.rin8 olim Oomes Ilonstn-
äensis dono msmorie äilsotis in xpo. (Odristo) KbdÄtisss et
Oonueutuj in Lppinodonen Oisteroiensis oräinis aämittimns
et ratnm dadsmue czno sä eurtim äs cznn noster esee äs-
deret domo I.ntdertus oiuis iölusziensis krnter äileoti elerioi
nostri Onmdsrti osnonioi Dsnssisnsis. et domnZIo czuoä nodis
inäs tieri äsdsret psr ipsnm Ontdsrtnm st eins dereäss re-
nnneinmns simxlioiter et xrsoise. dnins czniäem libertutis
oonosssio ssn inänltnm tnlis knit, yuoä czueonmgue bonrr
keoänlin prsknts nbdntissn et Oonnentus sibi oompurnrent
inkis. Oomitatnm konstaäsnssW cznoä illn ipsnrnm sssent
propiietns, nse äederent a Oomitibns pro tempors konsts-
äknzidlls nliczuo inrs kooäuli äs oetsro impnAnnri, 8sä a tnli
oners penitlls sxewptn. In dnins itnguo rsi testimonium prs-
8entsm littsrnm nostri siZsilli mnnimins ksoimns rodornri.
vntnm Oolonie. ig'. kul. ksdr. .4nno äni. ül°. oo". 8sxa§esimo."

Ausstellung

von kirchlichen Kunst- und GewerbSerzeugniffen.

Wie längst schon in England, so regt sich auch in Deutschland auf evan-
gelischer Seite daS Jntereffe füc die kirchllche Kunst, inSbesondere für die deS
MittelalterS, mehr und mehr. Gern bringen wir eine Aufforderung zu einer
AuSstellung von kirchlichen Kunst- und Gewerbserzeugnissen,
welche vom 4. Juli 1863 ab in der Stadt Hohenstein, im Königreich Sachsen,
bei Gelegenheit einer Pastoral-Conferenz Statt haben soll, hiermit zu weiterer
Kenntniß, indem wir zugleich einige Stellen aus dem Programme hier folgen las-
sen: «DerZweck dieserAuSstellungist: demoft beklagten geschmack- undgeoanken-
losen, rein handwerksmäßigen und profanen Gebahren beim Bau und nament-
lich auch bei AuSstattung von Kirchen entgegenzuarbeiten und den Sinn sür wahr«
haft künstlerische und kirchliche Gestaltungen durch Vorführung möglichst muster-
gültiger Probestücke zu wecken und zu nähren; — denjenigen .Künstlern,
Kunstwerkstätten und gewerblichen-EtabliffemsntS, deren Sireben darauf ge-
richtet ist, den kirchlichen Bedücfnissen und Anforderungen zu genügen, eine
paffende Gelegenheit zu bieten, um ihre Erzeugnisse zur Anschauung z'u bringen
und in den enlsprechenden Kceisen bekannt zu machen, indem in den gropen
Kunst- und gewerblichen AuSstellungen die hier besonderS in Frage kommenden
Gegenstände gewöhnlich verschwinden und unbeachtet bleiben; — Geistliche,
Kirchenpatrone, ganze Gemeinden, cinzelne Gemeindemitglieder, welchs mit
würdiger Herstellung oder AuSstattung ihrer Kirchen odec mit Stiftungen für
dieselben umgehen, mit benjenigen Bezugsquellen bekannt zu machen, an die
sie fich mit Vectrauen wenden können. (Es folgt nunmshr eine Aufzählung
der einzelnen in Betracht kommenden Gegenstände.)

,Daß wir in dem Allem nur daS Bedürfniß evangeli scher Kirchen
'im Auge haben, wird aus den vorstehenden Beispielen erhellen und unter
unseren Verhältniffen nicht anderS erwartet werden. Man denkt dabei
durchauS nicht vorzugSweise an große, prachtvolle und kunstreiche Arbeiten,
im Gegentheil werden einfache und durch mäßigen PreiS auch ärmeren Kir-
chen zugängliche Arbeiten nicht weniger willkommen sein ; nur find auch dabei
Solidität, accurate uud saubere Ausführung, so wis strenge kirchliche
Form unerläßliche Bedingung, und wir bitten diese drei Ersordernisse recht
fest inS Auge zu faffen. Mit leichter Waare, welche durch eine gewisse Ele-
ganz und durch Billigkeit besticht, wie mit allem, waS nur auf ven Schein
berechnet ist, ist unS für unseren Zweck nicht gedient eben so wenig mit allem,
waS nach Form, Gehalt und AuSführung an den Salon oder sonst pcofanen
Gebcauch erinnert.

.Obwohl wir zunächst beabsichtigen, den kirchlichen Kunsttrieb durch
Vorführung neuer Productionen anzuregen, so würde eS unS gleichwohl zur
größten Freude aereichen, wenn wir in den Stand gesetzt würden, auch ältere
Wecke, namentlich Werke der mittelalterlichen Kunst, vorzuführen
und der Gegenwart zum Muster der Nacheiferung aufzustellen. Wir richten
daher an Kirchenvorstände, Directorien von Kunstvereinen und Kunstsamm-
lungen, auch an die Befitzer von Privatsammlungen, so wie an AntiquariatS-
Handlungen die ergebenste Bitte, von den ihrer Obhut befohlenen odec in
ihrem Besitze befinvlichen Kunstwsrken uns solche Gegenstände, welchs (abge-
sehen von ihrem antiquarischem Werthe) alS Muster oienen können, für die
Dauer der Ausstellung anzuvertrauen. Wir werden dafüc eine besondere
Abtheilung bilden.

„Die auSgestellten neuen Gegenstände werden der Prüfung einer Com-
misfion von Kunst- und Sachverständigen unterzogen und daS Ergsbniß der-
selben unter namentlicher Aufführung der alS empfehlenSwerth erkannten
Arbeiten und ihrer Aussteller öffentlich bekannt gemacht werden. Die Ver-
-eine für kirchliche Kunst in Sachsen, Preußen und Würtemberg
haben unS ihre gütige Unterstützung bereits zugesagt, mit der LoolesloloAieal
Looist^ und mit der Lrokitsotural kubliostiou ZooieH- werden wir uns
demnächst in Vernehmen setzen; wir werden aber nicht mindec von allen,
welche sich für das angekündigle Werk interessiren, entsprechende Wünsche und
Rathschläge mit Dank entgegen nehmen, und eS wird daSselbe einer kcästigen
Unterstützung um so mehr empfohlen, als eS von den Veranstaltern selbst alS
erster und vielleicht gewagter Versuch erkannt wird. Aber eben darum
werden dieselben auch -alleS aufbieten, um die entgegentretenden Schwierigkeiten
zu überwinden und um gediegenen Werken b ei und auch nach der Aus-
stellung Anerkennung in den weitesten Kreisen zu sichern. Sie betrachten fich
in dieser Angelegenheit nur alS Pioniere. Gelingt der an einem kleinen Orte
gemachte erste Versuch, so werden fich zu rechter Zeit gewiß Männer stnden,
welche ihn in noch größeren Verhältnissen erneuern.'

Berantwortlicher HeranSgeberr I. I. Nelles in Köln.
CommissiouS-Verlag und Druck von M. DuMont-Schauberg in Äöln.
(Erpedition der Kölnischeu Zeitung.)
loading ...