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Nr. ioi

K u n ft -

Montag, den 17.

Berichtigung

der in Nro. 83. 84 85. des Kunstblattes enthal-
tenen Beurthcilnng des Theaters zu Darmstadt.

Zur Berichtigung -er in denNro. 8?. 84, 85. des
Kunstblattes enthaltenen Beurrheilung, des nach meinen
Entwürfen erbauten Theaters zu Darmstadt, finde ich
folgendes zu erinnern:

Die erste Forderung, welche man an ein gutes Ge-
bäude macht, ist, daß dasselbe dem Zweck, für welchen es
erbaut ist, so vollkommen als möglich entspreche, und die
damit vereinbare Festigkeit und Dauer bade. Diesen

Eigenschasreu. welche eigenrlich daö Wesentliche eines Ge-
bäudes begründen, müssen alle andern untergeordnet
werden, so wie ihr Mangel durch keine andere Vorzüge
ersezt werden kann. Die zweyte Aufgabe des Baumei-
sters ist, dem Gebäude die mit jenen Haupteigenschaften
vereinbaren und den vorhandenen Mitteln entsprechenden
gefälligsten Formen oder die architektonische Schönheit zu
geben- Aus diesem Grunde, und weil die Begriffe von
Schönheit so unbestimmt sind, ist es sehr fehlerhaft, ge-
wisse für ftlchn gehaltene architektonische Formen dem
Gebäude als etwas Fremdartiges aufzuzwingen; die wahre
Schönheit eines Gebäudes muß aus dem Wesen und dem
Inneren desselben hervorgehen. Die Entfernung von die-
sem Grundsätze und das Haschen nach einer eingebilde-
ten, nickt aus der Sache selbst hervorgehenden Schönheit,
ist die Ursache der Aufführung so vieler geschmack- oder
zweckloser Prachtgebäude, welche man nur mit Bedauern
der Summen ansieht, die darauf verwendet lwurden,
und welche um so mehr mißfallen, je mehr Ansprüche
sie machen, während diejenigen Gebäude, welche das sind,
was sie seyn sollen, auch ohne alle sogenannte schöne
Architektur schon durch die ordnungs- und zweckmäßige
Anordnung der Theile gefallen müssen. Wir werden
nun sedcn, in wie fern der Verfasser jener Kritik diesen
Grundsätzen gefolgt ist, und ich werde dabep dasjenige.

Blatt.

December 1827.

was mir irrig scheint, bemerken. Derselbe lobt, mit
Ausnahme des Auditoriums,, die ganze Eintheilung als
zweck- und regelmäßig, aber diese Eigenschaft behandelt
er gewissermaßen nur als untergeordnete Nebensache,
destomehr hält er sich bep dem ästhetischen Theile auf.

Die Gegenstände seines Tadels sind:

1, Die oblonge Form des Ganzen, als cr- ,
m ü d e n d und einförmig.

Hierauf kann ich nur mit Beziehung auf den oben
ausgesprochenen Grundsatz erwidern, daß diese Form
sich aus der zweckmäßigen Eintheilung des Inneren er-
gab, und daß hier kein Grund vorhanden war, willkür-
lich erkünstelte Formen erzwingen zu wollen. ES liegt
in der Natur der Sache, daß solche einfache geometrische
Figuren sich immer miederbolen müssen, und doch ist
unter einem Wohnhaufe, dem Pallast Farnese und dem
Tempel der Minerva zu Athen der größte Unterschied,
obgleich alle im Grundrisse eine oblonge Form haben.
Es ist nach meiner Ansicht unrichtig, in solchen erkün-
stelten Abweichungen von den einfachen Formen die
Schönheit suchen zu wollen. Die Geburten des Unge-
schmacks eines Borromiui und seiner Eollegen ver-
danken ihre Entstehung der Sucht neue Formen in die
Grundrisse zu bringen. Als BerninL den Platz vor der
Petcrskirche zu Nom mit Säulengänge» verschönern soll-
te , war ihm die oblonge Form des Platzes auch zu ein-
förmig, und er machte die Säulengänge in Halbkreisen;
Jedermann stehet, wie zwecklos diese Form ist, um als
Zugang der Kirche zu dienen, und wer in Rom war,
weiß, wie verunehrc diese sonst so schönen Säulengänge
deßhalb sind.

2. Die Form des Auditoriums, als nicht
v v r t h e i l h a f t z n m Sehen.

Ueber die zweckmäßigste Form der Anditorim ist be-
kanntlich viel geschrieben worden. Das Resultat dieser
Untersuchungen war, daß die Weite des Prosceniums
und der Bühne zwischen den vorderen Coulissen nicht
viel größer als 40 Fvß genommen werden darf, weil
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