Der Kunstwart: Rundschau über alle Gebiete des Schönen ; Monatshefte für Kunst, Literatur und Leben — 12,2.1899

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das aus ciucm Koniinuo aufgebaute Jntermezzo, und vor allcm das dritte
Stück, cinc Art Nachtstück Schumannscher Art, das wie ein unheimlicher Traum
uorüberjagt — sie bezcugen cine von innen heraus arbeitende Eigenart, die
ihrcm Schöpfer erhalten bleiben möge als ein heutzutage gar seltenes Gut-
Wie cr, so gehürt auch ein junger deutschböhmischcr Tonsetzer, Camiblo Horn,
zu den Hoffnungsvollen; von letzterem liegen mir drei Klavierheste vor: op. 3,
zwei Stücke, op. ,5, Sonate, und op. 25, Konzertetüde (alles bei F. Rörich in
Wien). Ein Brausekopf ist nun zwar Horn nicht, wenigstens vergißt er nie
künstlerisch Maß zu halten, und er stellt seiner Subjektivität eine objcktive
Kühle entgegen, die einen vielleicht weniger eindringlichen, aber sicher abge-
klärten Eindruck seiner Werkc zur Folge hat. Die Chopinschen Geist verratende
Etude sowohl, wie die August Stradal gewidmete Sonate sind Werke von
fortreißendem Schwung, dem aber nie ein gewisses bosonnenes Einhalten, ein
stilles Sinnen als Widerspiel fehlt- Die Sonate steigert sich zudcm in ihrem
Wert von Satz zu Satz, der erste Satz ist etwas zurückhaltend, das Andante
zu klein in Jdee und Form; dann aber gehts mit prachtvollem „Elan" in ein
knappes, aber blendendes Scherzo, und im Finale stehen wir vor einem ganzen
Könner, der mit fester Hand und überlegenem Sinn durchs Gewoge zum Ufer
steuert. Der Sonate gegenüber kommen die Stücke op. z nur als hübsche
Belege für den Werdegang des Künstlers in Betracht.

Auch einige neue Werke „nationaler" Tonsetzcr habe ich zu erwähnen;
so drci Miniaturen von C. Antipow vp. y sBelaieff), zart abgestimmte Ton-
sätze, aus denen die delikate Mazurka und eine leichtgeschwungene Fughette
bcsonders hervorzuheben sind. Einen kräftigeren spezifisch jungrussischen Ein-
schlag zeigen die „Pastels", 5 Stücke op. z von A. Gretchaninow (Belaieff),
ohne aber je in jenem Schwelgen in Mißklängcn aufzugehen, das aus Nuß-
land so oft als angeblichc „Musik" herübergebracht wird. Die Stücke sind alle
so eigcnartig schön, daß ich keinem den Vorzug geben kann. Wer die Stimmung
der ersten „Plainte", nachgefühlt hat, der rvird auch die ernste „Meditation",
den zart-melancholischcn „Herbstsang" und den mit neuen Farben gezeichneten
„Sturm" auf sich einwirken lassen und in dem feierlichen, verklärten Ausklingen
deL „Nocturno" wieder Beruhiguug finden. Und noch eine Novitüt schließt sich
gleichwertig an: „Auf der Wanderung", s Stücke von Emil Sjögren op. ;z
(Leuckart), srische, warmblütige Aiusik, von keinem Hauch norwegischer Manier
angekränkelt, stets vornehm und herzlich zugleich. Hervorgehoben sei die
träumerische Barcarole „Auf dem See", das dcrbe Genrebild „Jn der Dorf-
schenke" mit seiner zum Greifen dargestelltcn Strcitszene (Fugato) und dem
von der Tafelrunde angestimmten biederen Chorlied, und endlich die Abcnd-
stimmung, welche die zarten Klänge der Sankt-Valentinsglocken geheimnisooll
durchtönen. ljerinann Teibler

/Dusrerslücke tu 1kuustgewerbe-/Duseeil.

Das war einmal sür unsere p. t. Kunstgewerbetrcibcnden an allen Orten
eine bequeme Zeit, die Siebziger und Achtziger Jahre unseres Jahrhundertes,
als man in dem oder jenem gegcbcnen Falle nur in das nächstgelegene Museum
zu gehen brauchte, um für eine beltimmtc Bestellung das cntipicchende alte

Runstwarl
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