Lanckoroński, Karl [Editor]
Der Dom von Aquileia: sein Bau und seine Geschichte — Wien, 1906

Page: 118
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feststellen,1) es dürfte aber bei der geringen Entwicklung unseres Domes in jenen späten
Zeiten nicht zu wertvoll gewesen sein. Auch die angebliche alte Statue Poppos scheint nichts
anderes als ein Deckenrelief in einem Seitenschiffe aus der Mitte des 16. Jahrhunderts gewesen
zu sein. Sie ist gegenwärtig nicht mehr vorhanden. Bei der Neupflasterung der ganzen Kirche
sind gewiß auch interessante Niveaudifferenzen ausgeglichen worden.

Das Kegeldach des heiligen Grabes, eine genaue Wiederholung der früheren Eindeckung,
stammt von dieser Restaurierung. Dem Baptisterium drohte 1856 eine Rekonstruktion mit
Kuppelüberbau, was die k. k. Zentralkommission für Kunst= und historische Denkmale haupt-
sächlich über Van der Nülls Eintreten verhinderte. Die 1873 durchgeführte Notbedachung
der Piscina erscheint gerechtfertigt, insofern dadurch dem alten Bestand kein fremder Charakter
aufgedrückt wurde.

Bei Egalisierung des uralten Mörtelbewurfes im Innern des Domes traten interessante
Malereireste zu Tage, wovon einige erhalten sind. Diese Arbeiten sowie die vollständige
Erneuerung des Gebälkes in den beiden Seitenschiffen begannen 1872 und erstreckten sich auch
auf den Turm, dessen äußere Steinverkleidung eine gründliche Auswechslung erforderte. Das
Gesamterfordernis betrug rund 16.700 Gulden.2)

Im Jahre 1881 hatte Kustos Schellein die Erneuerung der Palla des Pellegrino durch-
geführt.3) Leider wurde 1891 und 1892 auf eine irrige Annahme Ferrantes zurückgegriffen und
ein «marmornes Orgelgehäuse» streng symmetrisch als getreue Wiederholung des gegenüber-
stehenden Pietä=Altares aufgestellt. Die Formensprache eines Altarziboriums ist damit voll-
ständig verkannt.

Mag auch dem Vorurteil der Stileinheit Manches zum Opfer gefallen sein, bleibt doch die
Gesamtwirkung des Domes auf den nachdenklichen Betrachter eine übermächtige, denn er-
schütternd ernst ist das Mysterium der Geschichte, von dem dieser schweigende Bau erzählt.

T) J°PPi urteilt über die Restaurierung von 1845 un(i :
L' opera perö se fu utilissima per assicurare la conservazione dell' edi-
ficio non riesci a rimetterlo internamente nel antico stato e carat-
tere ne a togliergli quanto di barocco era stato in esso introdotto
dal 1600 in poi. Basilica, S. 17.

2) Daran erinnert die Inschrift an der Westwand:
HAS-AEDES
DEO • 0PTIM0 • MAXIMO
IN- HONOREM -VIRGINIS- IN • COELVM • ASSVMPTAE
ET• SS. HERMAGORAE• ET • FORTVNATI ■ Em
A- POPONE • AQVILEIENSI • PATRIARCHA
IIJ. ID. JVL. MXXXIDICATAS
ATQVE • E • VETVSTATIS • SQVALORE

EX- MVNIFICENTIA • FRANCISCI • IOSEPHI • AVG.
IMPERATORIS • AVSTRIACI
NVPER -VINDICATAS
ANDREAS ■ GOLLMAYR ■ ARCHIEP. GORITIENSIS • ET • PRINCEPS
HJ. ID. JVL. MDCCCLXXVJ
DENVO • SOLEMNITER ■ CONSECRAVIT
PONTIFICATVS • SS. D. N. PII. IX. ANNO • XXXI
CVIVS-REI-PERPETVAM-MEMORIAM-ESSE-VOLVIT
ANTONIVS • VELISCIG • AQVIL. ARCHIPRESBYTER

3) Das am meisten beschädigte, früher bewegliche Mittelbild,
Petrus und Paulus, wurde weggenommen und wird jetzt getrennt
im Dome aufbewahrt.

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