Lübke, Wilhelm
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart — Leipzig, 1865

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Vorwort zur dritten Auflage.

IldS sind gerade zehn Jahre, seit ich den Versuch wagte, mit einer
allgemein verständlichen Darstellung der Architekturgeschichte das grössere
gebildete Publikum für die Entwicklung einer so wichtigen Kunst wie die
Baukunst zu inleressiren. Der Erfolg hat gezeigt, dass mein Streben kein
vergebliches war. Die Theilnahme an den Schöpfungen der bildenden
Künste ist ohne Frage im Zunehmen begriffen. Dass dieselbe vielfach noch
das Gepräge der Oberflächlichkeit, des leichten Spieles an sich trägt,
darf den ernsten Kunstfreund nicht abschrecken, auf der eingeschlagenen
Balm weiter fortzuschreiten und durch gesunde Kost dem mehr und mehr
erwachenden Verlangen nach kunstgeschichtlicher Erkennlniss Nahrung
zu bieten. Wenn durch solche Bemühungen erreicht wird, dass die
ästhetische Bildung unseres Volkes nicht mehr ausschliesslich auf Poesie
und Musik beschränkt bleibt, sondern einen universelleren Charakter
erhält, so wird damit etwas Wichtiges für eine edle harmonische Durch-
bildung des nationalen Geistes gewonnen sein.

Der neuen Auflage meiner Architekturgeschichte wird man hoffent-
lich die seit einem Decennium wesentlich gereifte Anschauung des Ver-
fassers anmerken. Was ich in jungen Jahren keck wagte, und was
durch das Zeitgemässe in der Idee und vielleicht auch durch die jugend-
liche Frische der Conception sich Nachsicht und. selbst Theilnahme errang,
das habe ich jetzt, nach Jahren einer fortgesetzten ernsten Beschäftigung
mit meinem. Gegenstände, in durch greifender Neugestaltung umgearbeitet.
Kaum einzelne Partien sind unberührt geblieben; fast überall haben Er-
weiterungen, oft hat völliges Umformen den Text betroffen. Meine Ab-
sicht war, das Bild der Architekturentfaltung abzurunden und in. allen
Theilen gleichmässiger bis in’s Einzelne auszuführen. Während ich da-
durch dem Fachmann ein brauchbares Handbuch zu bieten hoffe, das ihm
alles irgend Wesentliche und Erhebliche aus dem Entwicklungsgänge vor-
führe, denke ich von der ursprünglichen Wärme der Behandlung genug
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