Lübke, Wilhelm
Geschichte der Architektur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart — Leipzig, 1865

Page: 40
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Resultat.

Das Volk.

40 Erstes Buch.

weil mit Bestimmtheit am Kapital doppelte Voluten Vorkommen, eine Bildungs-
weise , die anderwärts in der griechischen Kunst zu so edlen Gestaltungen
führen sollte. Die Bekrönung der Gebäude mit zackenförmigen Zinnen

erscheint ebenfalls als eine allgemein
Flg‘2S- beliebte. Noch ein auffallender Um-

stand tritt an den Reliefdarstellungen
\ hs** von festungsartigen Gebäuden darin

hervor, dass die Portale meistens im
Rundbogen geschlossen sind. Falls
liier nicht etwa fremde, feindliche
Festungen dargestellt werden, liegt
es um so näher, an wirkliche Wölbun-
gen zu denken, als man mehrfach in
den assyrischen Bauten, so in der
Stufenpyramide beim Nordwestpalast,
Ziegelwölbungen aus jener Zeit
entdeckt hat, und als neuerdings
durch Hrn. Place ein Stadtthor zu
Kh orsabad aufgegraben wurde,
welches wirklich im Halbkreis über-
wölbt ist. Dies Thor zeigt einen
doppelten Eingang, für Fussgänger und für Wagen; beide Eingänge sind bei
12 bis 15 Fuss Weite gewölbt, und die Archivolte des Bogens hat einen Schmuck
von blau glasirten Ziegeln mit gelben Relieffiguren. Ausserdem sind die
Pfeilerwände an dem einen Thorwege mit den bekannten geflügelten menschen-
köpfigeü Stieren ausgestattet.

So viel scheint gewiss, dass der Sinn jener Völker, überwiegend auf das
Praktische mehr weltlicher Zwecke gerichtet war; daher ihre Wasserbauten,
Dämme, Kanäle, Schutzmauern, Königspaläste. Und obwohl ihre Könige sich
die demütliigen Knechte des Bar nennen, so hielten sie neben der unumschränk-
ten Gewalt asiatischer Despoten auch die Priesterwürde in Händen. Im
Königthume ging Alles ohne Unterschied auf. Daher scheint bei ihnen kein
eigentlicher Tempelbau von höherer Bedeutung gewesen zu sein; der Palastbau
trat an dessen Stelle.

DRITTES KAPITEL.

Persische Baukunst.

Schreiten wir mit unserer Betrachtung weiter nach Osten vor, so
treffen wir ein Land, das, vom Indus bis an den Tigris reichend, die Völker-
stämme der Baktrer, Meder und Perser umfasst, die den Gesammtnamen der
Arier führten, heute unter der Bezeichnung des Zendvolkes bekannt. Es war
dies ein für sich geschlossener, durch besondere Sprache und Cultur von den
Nachbarvölkern unterschiedener Stamm, bei dem wir auch eine in vieler Hin-
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