Deutscher Altphilologenverband [Editor]
Mitteilungsblatt des Deutschen Altphilologenverbandes — 17.1974

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Fachinhalte des altsprachlichen Unterrichts wie auch jedes anderen Unterrichts
mit einem fachspezifischen Substrat schafft.
Daß man mit dieser Inhalt-Ziel-Dialektik in einen deutlichen Gegensatz zu
Robinsohns Curriculum-Begriff gerät, ist deutlich. Doch ist sie offenbar die ein-
zige Möglichkeit, der geradezu gigantischen Überschätzung der Lernzielfrage
zu wehren und die „Ffochstapelei mit Lernzielen“ (Klaus Westphalen, AU XVI
4, 1973, 12) abzubauen. Nachdem es der Forschergruppe des DAV gelungen ist,
tatsächliche Fachleistungen des Unterrichts zu validieren, die Valenz der Fach-
inhalte für die Realisierung fächerübergreifender Lernziele zu erschließen und
damit die Fachleistungen des Lateinunterrichts der Gesellschaft im Sinne eines
Angebotes verfügbar zu halten, ist die Voraussetzung dafür geschaffen, daß -
wenigstens im Bereich der Didaktik der Alten Sprachen - die Lernzieldiskussion
nicht mehr isoliert von der Diskussion der fachspezifischen Inhalte geführt wird.
Mit dem unüberhörbaren Bekenntnis zu einer dialektischen Inhalt-Ziel-Korre-
lation sind die „Lernziele und Fachleistungen“ in der Tat Wegweiser zu einer
neuen Didaktik des „gelehrten Unterrichts“.
Rainer Nickel

Zeitschriftenschau

Wiener Studien 86 - NF 7 (1973): E. Kirsten, Ur-Athen. und die Heimat des So-
phokles, 5—26: Nach beherzigenswerten Bemerkungen zu der Suche nach „Anspielun-
gen“ auf politische oder topographische Gegebenheiten vor allem in der griech. Tra-
gödie wendet sich Vf. dem „Extremfall solcher Heimatverbundenheit“, dem Oed. Col.
des Sophokles, zu. Entgegen der Meinung, der Dichter habe sich „Umgestaltungen des
Mythos“ aus „Lokalpatriotismus“ erlaubt, so daß er Mythen und Kulte, die urspr. zur
Akropolis, zu „Kydathen“, gehörten, an den Kolonos Hippios übertragen habe, wird
wahrscheinlich gemacht, daß dieser Prozeß eher in umgekehrter Richtung stattgefunden
habe, daß vielmehr um Kolonos und Akademie ein „Ur-Athen“ anzusetzen sei, wo
diese Kulte und Mythen ursprünglich hingehörten. - A. G. Tsopanakis, Korrelative
Pronomina und Adverbia als Faktoren metrischer Anomalien im homerischen Hexa-
meter, 27—38. — W. Fauth, Kulinarisches und Utopisches in der griech. Komödie, 39—62,
zeigt den Übergang des „gastrophilen und kulinarischen Elements“ vom Possenreißer
über die Typisierung zur „Überlagerung und Durchdringung mit den dramatischen
Eigenheiten des . . . chorischen Kontos“ und endlich zu den „grotesken Überspanntheiten
der Utopie“. - E. Woytek, Viri Capitones, 65—74 (zu Plaut. Pers. 60). - E. A. Schmidt,
Zwei Liebesgedichte Catulls (c. 7 und 51), 91-104: Die Konjunktion „aut“, die in 7, 6
das Gedicht in zwei gleiche Teile gliedert, korrigiert die Vorstellung einer in die Zeit,
vom „Orakel“ bis zum „Grab“, projizierten Leidenschaft in die Erfüllung eines Augen-
blicks, die sich jeder Messung entzieht. In c. 51 zeigen die Strophen 2 und 3, wie sich
das Übermaß des Schauens und Hörens in das Versagen gerade dieser Sinne verkehrt,
wie eben das Übermaß, die Hybris (si fas est, superare divos) in der Liebe sich selbst-
zerstörerisch auswirken kann, wie das Übermaß des otium reges und urbes zerstört. -
W. Wimmel, Ciceros stellvertretendes'Opfer (cum pop. gratias egit, § 1), 105—112: Das
entscheidende Schlußwort „deficeret“ ist offensichtlich korrupt; Vf. schlägt (im An-
schluß an Lambinus) „defigeretur“ vor: das Bild der Waffe (hier „odium"), die im

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