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lichft kirchlich hergerichtet, eine Kanzel darin auf-
gebaut und nach dem Frühftück wurden die Eltern
mit aller Feierlichkeit in die Kirche geführt, ich in-
tonirte bei ihrem Eintritt auf dem Flügel einen Choral,
die Gefangbücher dazu lagen auf ihren Sitzen auf-
gefchlagen, es wurde wacker gefungen, darauf erfchien
unfer Bruder in, auf fehr einfache Weife hergeftelltem
priefterlichem Ornat, beftieg, die Bibel in der Hand,
die Kanzel und hielt eine Predigt über den Text,
»Ihr Kinder, liebet Eure Eltern in dem Herrn, denn
dies ift billig« in aller Form und wie ich glaube, nicht
fchlechter, als man fie auch fonft oft von der Kanzel
zu hören bekommt. Er hatte fie ordentlich aufge-
fchrieben und ausgearbeitet in verfchiedenen Abthei-
lungen, wie eine regelrechte Predigt gehalten werden
mufs, fprach fie mit wunderbarem Ernft und mit Würde
und hatte dabei ein fehr andächtiges und ergriffenes
Publicum. Der ganze Gottesdienft wurde bis zum
Schlufs in aller Form durchgeführt und die kleine
Gemeinde verliefs tief gerührt die improvifirte Kirche,
unfer Herr Paftor zog fein Ueberhemd wieder aus
und die tolle kindliche Luft trat rafch wieder an die
Stelle des feierlichen Ernftes.«

Die Luft zum Predigerftande erhielt fich noch
Jahre lang, bis gegen Ende der Schulzeit andere Ge-
danken die Oberhand bekamen.

Im Jahre 1824 überlegten es üch die Eltern wieder
von Neuem, ob nicht der durch Jacob's Erkrankung
feiner Zeit vereitelte Umzug nach Coblenz doch noch
auszuführen fei; des Vaters Gefchäfte hatten fich mehr
und mehr nach der franzöfifchen Grenze hingezogen,
feine immer noch häufigen Reifen richteten fich meift
 
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