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- 3§4 -

Zeichen einer weitgehenden Specialifirung flehen,
würden fich mindeftens der Anatom, der Phyfiologe
und der Vertreter der allgemeinen Pathologie in diefe
Fächer theilcn. Damals, wo erft die Grundlagen für
das heutige Arbeitsfyftem gefchaffen werden follten,
konnte noch Ein Mann Alles umfaffen und es ift ein
Glück für uns Epigonen, dafs es einen Henlc gab,
welcher diefe Grundlagen fo ficher zu Fundiren wufste.
Man rechnete in jener Zeit den Eiter mit zu den
histologifchen Objecten und liebte es, gerade an ihm
Zellenftudien zu machen. Auch im Uebrigen benutzte
man die pathologifchen Veränderungen der Gewebe
gern als Beihülfe zum Studium der normalen. Kein
Wunder alfo, dafs einem Manne wie Henle auf beiden
Gebieten die reformatorifchen Gedanken zuftrömten.
In der Ausarbeitung zwar weichen die beiden Lehr-
bücher weit" auseinander, wie dies nicht anders fein
kann, der Ausgangspunkt aber ift entfehieden ein ge-
meinfchaftlicher. Seine allgemeine Anatomie blieb
Mufter und Vorbild bis zum heutigen Tage, feine
rationelle Pathologie mufste mit der grofsen Zahl
neuer Funde, welche die letzten dreifsig Jahre brach-
ten , rafch veralten; die Hypothcfe nahm nothge-
drungen einen fehr breiten Raum ein. Trotzdem
aber war auch diefes Buch bahnbrechend und die
darin niedergelegten Hypothefen ftarben, nachdem fie
ihre Pflicht gethan hatten, eines ehrenvollen Todes.
Die gefprochenen und gefchriebenen anthropologifchen
Vorträge aber fammelten aus dem Material beider
Bücher diejenigen Abfchnitte, welche fich befonders
für eine Betrachtung von höherer Warte aus, in philo-
fophifchem Lichte, eigneten. Es bedarf keiner Aus-
 
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