Gramsch, Robert
Das Reich als Netzwerk der Fürsten: politische Strukturen unter dem Doppelkönigtum Friedrichs II. und Heinrichs (VII.) 1225 - 1235 — Mittelalter-Forschungen, Band 40: Ostfildern, 2013

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2.3. Die Rolle des Deutschen Ordens

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worden. Das Versprechen, den Kreuzzug aktiv zu unterstützen, war ein Trumpf, der
im Juli 1225 sowohl beim Papst als auch beim Kaiser stach und alle andersgerichteten
Erwägungen hinwegfegte. Das Nachsehen hatte Erzbischof Engelbert mit seinem engli-
schen Eheplan und König Heinrich (VII.), der sich bereits auf Agnes von Böhmen als
Braut festgelegt hatte. Gerade in letzterem liegt die besondere Bedeutung dieser hier
sehr ausführlich geschilderten Vorgänge, nämlich dass es hier erstmals zu einem (auch
für Außenstehende sichtbaren) politischen Dissens zwischen Kaiser und König kam. Da
es sich um eine engste „Familienangelegenheit" handelte, mochte Friedrichs Auftritt
als legitim sein, aber er barg politischen Zündstoff, wie Heinrichs späteres
Verhalten gegenüber der ihm aufgezwungenen österreichischen Braut und die Vorge-
schichte der ersten Unterwerfung des Sohnes unter den Vater zeigt (siehe unten). Und
auch hinsichtlich der Motive, die für Friedrichs Handeln maßgeblich waren, zeigen sich
Parallelen zu den späteren Phasen des Vater-Sohn-Konflikts, worauf noch ausführlicher
einzugehen sein wird.

2.3. Die Rolle des Deutschen Ordens

Der Tag von San Germano zog einen Schlussstrich unter das diplomatische Tauziehen
um die Verheiratung Heinrichs (VII.). Auch in der Vorbereitung seines Kreuzzugsplanes
war der Kaiser einen großen Schritt weiter. Um den gerade hergestellten Kontakt zu
den deutschen Fürsten nicht wieder abreißen zu lassen, sprach er zum Abschluss der
Verhandlungen die Einladung zu einem allgemeinen Hoftag aus, der Ostern 1226 in
Cremona stattfinden sollte.^ So knüpften die Hoftage von San Germano und Cremona
nahtlos aneinander an. Dies gilt auch für ein weiteres wichtiges Ereignis aus dem Frühjahr
1226 - die Belehnung des Deutschen Ordens mit Preußen: Auch für diese entscheidende
Weichenstellung der Deutschordens- und baltischen Geschichte hat es bereits 1225 einen
wichtigen Verhandlungsvorlauf gegeben.
Der Deutsche Orden war nach den Templern und Johannitern als der dritte große
geistliche Ritterorden 1198/99 im Heiligen Land gegründet worden.^ Lag auch der
Sehr weit auseinandergerissen sind Kreuzzugs- und Eheproblematik auch in der Darstellung
WiNKELMANNs: Friedrich II., Bd. 1, S. 237-242 (zum Vertrag von San Germano) und S. 460-
463 (zur Entscheidung der Ehefrage). Er äußert auf S. 241 immerhin die Vermutung, das
Erscheinen der deutschen Fürsten habe nicht nur der Verfolgung ihrer Anliegen, sondern auch
der Vermittlung in der Kreuzzugsfrage gedient. Im Unterschied zu ihm und Hechelhammer
sehe ich diesen Zusammenhang sogar als zwingend an, weil nur im GcsHmfpaLcf aller zu San
Germano getroffenen Maßnahmen die politischen Leistungen und Gegenleistungen zwischen
Kaiser und Fürsten ausbalanciert werden konnten. Siehe dazu die allgemeinen Erwägungen
in Kap. 5.2.
9" Wortlaut des kaiserlichen Schreibens in der älteren Redaktion der Chronik des Richard von
San Germano (Muratori 7/2, S. 125f.). Siehe dazu WiNKELMANN, Friedrich II., Bd. 1, S. 241f.;
STÜRNER, Friedrich II., S. 98. Zum Hoftag von Cremona siehe unten S. 171ff.
98 Als Überblick über die Geschichte des Deutschen Ordens vgl. nur etwa MARIAN TuMLER,
Der Deutsche Orden im Werden, Wachsen und Wirken bis 1400, Wien 1955; HARTMUT
BoocxMANN, Der Deutsche Orden. Zwölf Kapitel aus seiner Geschichte, 3. Auf!., München
1989; KLAUS MiLiTZER, Von Akkon zur Marienburg. Verfassung, Verwaltung und Sozialstruktur
des Deutschen Ordens 1190-1309 (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens,
56), Marburg 1999. Siehe auch als Kurzüberblick: HARTMUT BoocxMANN, Art.: Deutscher
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