Müller, Hinrich
Die Brückenbaukunde in ihrem ganzen Umfange: ein Handbuch für Ingenieure und Baumeister (Band 3): Die Erbauung der steinernen Brücken — Leipzig, 1860

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Viertes Capitel.

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immer mit vielen Umständen und Schwierigkeiten verknüpft ist, die aber bei
bedeutenden Bauwerken weder berücksichtigt werden können noch dürfen.

Soll der Bogen noch mehr als y4 verdrückt, also noch flacher werden, so
wendet man nicht mehr die Korbbögen an, sondern man wählt alsdann
Kreisstücke.

Zuweilen findet auch die Korblinie aus ihrer kleinen Achse stehend Anwen-
dung und zwar hauptsächlich dann, wenn die Pfeiler sehr hoch sein müssen.
Wenn nun auch in diesen Fällen das Halbkreisgewölbe eine sehr schickliche
Wölbungslinie darbietet, so hat man doch Fälle gehabt, wo der Schub der
Erde gegen die Widerlager und der des Gewölbes gegen den obern Theil der-
selben, wie ein Hebel der andern Art wirkte und die Widerlager herausgebogen
wurden. Man kann nun zwar, und dies geschieht auch am häufigsten, um
dem vorzubeugen, die Widerlager immer so stark machen, daß sie dem
Schube des Grundes vollkommen Widerstand leisten und dann ein Halbkreis-
gewölbe wählen, allein diese Einrichtung ist jedenfalls dann kostbarer.

In Figur 481 ist noch die Zeichnung einer parabolenartigen Linie ge-
geben, die sich bei Anwendung kleinerer Bögen durch ihre leichte Ausführbarkeit
zweckmäßig empfiehlt. Man verzeichnet nämlich ein Rechteck von der Weite und
Höste des Bogens, theilt dann jede Hälfte der Weite in eine willkürliche An-
zahl gleicher Theile; ferner theilt man die Höhen in eben soviel gleiche Theile.
Verbindet man dann die gleichliegenden Theilpunkte, wie die Figur zeigt, durch
Linien, so bildet sich von selbst eine krumme Linie, von der die geraden Ver-
bindungslinien lauter Tangenten sind. Es ist einleuchtend, daß je größer die
Anzahl der gleichen Theile wird, also je mehr Theilpunkte man erhält, desto
genauer die Linie wird.

Viertes Capitel.

Von den Anfängen der Bögen, von den Kuhhörnern
und den Brückenaugen.

§. 9. Von den Anfängen der Bögen und von den Kuhhörnern.

Im vorigen Capitel haben wir die Formen der Bögen näher kennen ge-
lernt; es bleibt nunmehr noch ein sehr wichtiger Gegenstand, nämlich die Be-
stimmung, in welcher Höhe die Bögen anfangen sollen, übrig.

Der Anfang eines Bogens ist derjenige Punkt, wo er sich mit dem Pseiler
vereinigt oder mit demselben zusammentrifft. Da nun von hier aus die Weite
zwischen den Pfeilern durch die Aufführung des Bogens, also auch das Durch-
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