Müller, Hinrich
Die Brückenbaukunde in ihrem ganzen Umfange: ein Handbuch für Ingenieure und Baumeister (Band 3): Die Erbauung der steinernen Brücken — Leipzig, 1860

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Zwölftes Capitel.

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indem diese Verbindung wieder nnr durch Erde hergestellt werden kann, die
Erde mit dem Mauerwerk sich aber nicht so vereinigt, daß ein Durchsickern des
Wassers ganz verhindert werden kann. Bei dem Aquaduct des Leina-Canals
wurde diese Verbindung durch eine 3 Fuß starke Thonlage, welche horizontal
und vertical hakenförmig in und um das Mauerwerk greift, bewirkt, wie
in den Figuren 572 und 573 näher angedeutet ist. In den Figuren 601 bis
603 ist die Brücke des Lancaster-Canals über den Fluß Lune dargestellt. Man
hat auch zur Dichtung des Canalbettes mehrfach noch außerdem eine Asphalt-
schicht angewendet und zu dem Zweck, um eine möglichst innige Verbindung zu
erlangen, die Plattschicht, auf welche der Asphaltgnß gebracht wurde, nachdem
dieselbe vollständig ausgetrocknet war, noch durch aufgesetzte flache Schalen, in
welchen sich glühende Holzkohlen befanden, angewärmt. Ferner ist die Vorsicht
gebraucht, daß beim Ausgießen des flüssigen Asphalts immer 6 Zoll breit über
die zuletzt gegossene Lage übergegriffen wurde, welche dadurch in dieser Breite
wieder flüssig wurde und mit der Lage daneben einen vollkommen wasserdichten
Verband bildete.

Nachdem alle diese Arbeiten hergestellt sind, wird das Aeußere der Brücke,
wo es nöthig ist, noch nachgeputzt und ausgebessert. Dieses geschieht entweder
von Hängegerüsten, Schiffsgerüsten oder Backgerüsten aus, je nachdem man
das eine oder das andere dieser Gerüste vortheilhafter anwenden kann. Die
einzelnen Fugen werden, wo es nöthig ist, ausgekratzt und aufs Neue ansge-
strichen oder ansgekittet und überhaupt mit großer Sorgfalt noch einmal Alles
nachgesehen. Nachdem die Brücke dann ganz vollendet ist und eben so auch
die Anschlüsse an die zur Brücke führenden Straßendämme vollständig herge-
stellt sind, wird die Brücke dem Verkehr übergeben.

Zwölftes Capitel.

»

Die schiefen und krummen Brücken.

§. 34. Die schiefen Brücken.

Schiefe Brücken kommen vorzugsweise bei der Ueberführung einer Eisen-
bahn über eine Fahrstraße, so wie auch im entgegengesetzten Falle vor. Nicht
selten sind sie aber auch nothwendig bei dem Uebergange einer Eisenbahn über
einen Strom, wenn die Richtung der Eisenbahn den Strom nicht unter einem
rechten Winkel schneidet und also die Brückenrichtnng nicht auf der des Wasser-
laufs winkelrecht steht. Da nun die Pfeiler von Brücken, namentlich aber bei
schnellfließenden Gewässern, um die Durchgangsöffnungen für das Wasser, für
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