Müller, Hinrich
Die Brückenbaukunde in ihrem ganzen Umfange: ein Handbuch für Ingenieure und Baumeister (Band 3): Die Erbauung der steinernen Brücken — Leipzig, 1860

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Drittes Capitel.

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oberhalb der zu erbauenden Brücke sich befinden und hier die verschiedenen
Wirkungen, welche dnrch den Aufstau und durch die vergrößerte Geschwindigkeit
auf den Grund und Boden entstehen, zu beobachten. Findet man aber keine
derartigen Bauwerke, so sucht man ober- oder unterhalb der Brückenstelle einen
regulären Flnßbezirk, der sich auch beinahe immer fiubet, wo sich die abzufüh-
rende Wassermenge ermitteln läßt. Hiernach und unter gehöriger Berücksich-
tigung der sonstigen Localumstände sucht man dann eine angemessene Brücken-
öffnung auszumitteln.

Steht an der Brückenstelle schon eine alte Brücke, welche abgebrochen
werden soll, oder hat daselbst eine solche gestanden, so läßt sich ohne Schwie-
rigkeit eine zweckmäßige Oeffnung ermitteln, wenn inan die ftattgefundenen
Stauungen mit den früher vorhandenen Brückenöffnungen vergleicht.

Ist aber der Aufstau allzu groß, wie dies in gebirgigen Gegenden sehr
häufig vorkommt, wo bei Anschwellungen die Flusse mit außerordentlicher
Geschwindigkeit fließen, so kann man sich, zumal wenn das Flußbett unregel-
mäßig ist, auf eine solche gemischte Theorie durchaus nicht verlassen und ist es
in solchen Fällen am angemessensten, daß man die Durchflußöffnungen so groß
macht, als es nur eben thunlich ist und die Beschaffenheit der zu verwendenden
Materialien zuläßt.

Drittes Capitel.

Von der Form und Größe der Bögen.

§. 6. Allgemeines.

Nachdem wir im vorigen Paragraphen die absolute Weite und Höhe der
Dnrchflnßöffnung angegeben haben, in sofern diese durch das Verhalten des bei-
nahe bei jedem Brückenbau anfzustanenden Wassers bestimmt wird, haben wir
nunmehr die Zahl der Bögen, so wie die Form und Größe derselben ffst-
zustellen.

Als allgemeine Regel nimmt man, sobald die Spannweite so groß ist, daß
ein einziger Bogen nicht ansreicht, eine ungerade Anzahl von Bögen an. Von
dieser Regel finden aber nicht selten Ausnahmen statt, die durch örtliche Ilm-
stände veranlaßt werden können; eben so ist auch nicht immer die Spannweite
so groß, daß man drei oder fünf Bögen anwenden kann; oder es kann auch
der Umstand in Betracht kommen, daß der Fluß nicht durch eine größere An-
zahl von Pfeilern in seiner Breite beschränkt werden darf, wodurch man dann
schon gezwungen ist, so wenig Mittelpfeiler als möglich anzulegen. Es kann
daher niemals als feste Regel angenommen werden, die Brücke immer aus
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